Letztes Update am Di, 04.06.2019 13:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Agrar-Milliarden

Knapp 116.000 Betriebe erhielten 2018 EU-Agrarförderungen

Ein Blick auf die Liste der Empfänger von EU-Agrarförderungen zeigt, dass bei weitem nicht nur bäuerliche Familienbetriebe von den Geldern profitieren.

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© Thomas BöhmSymbolfoto



Wien — Es geht um Geld — um viel Geld. 365 Milliarden Euro beträgt das Budget für die - unter anderem von NGOs wie Global 2000 - immer wieder heftig kritisierten "Gemeinsame Agrarpolitik" (GAP) zwischen 2021 und 2027. Das sind 30 Prozent des mehrjährigen Finanzrahmens der EU. Allerdings stehen Kürzungen im Raum, die aber erst im frischgewählten EU-Parlament diskutiert werden sollen.

Zwischen 2014 und 2020 erhielten Österreichs Landwirte von der EU 4,8 Milliarden Euro in der Form von Direktzahlungen. In die Maßnahmen für ländliche Entwicklung flossen rund acht Milliarden Euro, wobei knapp die Hälfte davon von Bund und Ländern kofinanziert wurde. Wohin das Geld genau fließt, ist in der jährlich aktualisierten Transparenzdatenbank ersichtlich. Seit letzter Woche sind nun auch die Daten aus dem Vorjahr öffentlich zugänglich.

Minimaler Rückgang

Die aktuellen Zahlen zeigen, dass voriges Jahr 115.993 österreichische Betriebe EU-Agrarförderungen empfangen haben. Das ist ein minimaler Rückgang gegenüber 2017, als es 116.755 Empfänger gab. Voriges Jahr erhielten insgesamt 946 Unternehmungen Förderungen, die 100.000 Euro überstiegen. Mit riesigem Abstand am meisten erhielt die Agrarmarkt Austria (AMA) mit 32,47 Millionen Euro.

Dahinter folgt mit drei Millionen Euro die Tirol Pack GmbH mit Sitz in Schlitters im Zilltertal, die ARGE LK Beratung mit 2,78 Millionen Euro und die Opst Obst Partner Steiermark GmbH mit Sitz in St. Rupprecht an der Raab mit 2,49 Millionen Euro. Mehr als zwei Millionen Euro erhielt auch der Waldpflegeverein Tirol (2,43 Millionen Euro), die Marketingtochter der AMA, Agrarmarkt Austria Marketing (AMA Marketing; 2,36 Millionen Euro), das Ländliche Fortbildungsinstitut Österreich (LFI, 2,19 Millionen Euro), das ländliche Fortbildungsinstitut der Landwirtschaftskammer Oberösterreich (2,09 Millionen Euro) und die Pinzgau Milch Produktions GmbH (2,01 Millionen Euro).

Prominente Namen

Zwischen einer Million und zwei Millionen Euro bekamen 19 Unternehmungen. Zwischen einer halben und einer Million Euro bekamen 56 Firmen. Mehr als 100.000 Euro aber weniger als 500.000 Euro erhielten 862 Betriebe. Auch die Landwirtschaftskammern der meisten Bundesländern fallen in diese Bereiche.

Jährlich finden sich freilich auch mehr oder weniger prominente Namen auf der Liste. So erhielt beispielsweise der freiheitliche Kärntner Ex-Politiker Uwe Scheuch 27.144,39 Euro verschiedenster Zahlungen für unterschiedliche Leistungen, heißt es unter auf der Homepage der Transparenzdatenbank. Die Fürst Esterhazy'sche Privatstiftung Lockenhaus bekam 53.772,16 Euro, die Esterhazy Wein GmbH 73.167,38 Euro. Das Unternehmen DI Felix Montecuccoli vom gleichnamigen Chef der Land-&Forstbetriebe Österreichs lukrierte 76.861,41 Euro an agrarischen Beihilfen. Der Ex-Lobbyist Alfons Mensdorff-Poully erhielt als Landwirt hingegen lediglich 5.890,40 Euro. Auch die Thomas Prinzhorn Privatstiftung zählte mit 11.484,87 Euro im vorigen Jahr zu den kleineren Profiteuren. Selbiges gilt für die Haselsteiner Familien-Privatstiftung mit 12.676,07 Euro.

So manche Überraschung

Manche Förderempfänger sorgen hingegen für Überraschungen und zeigen, dass das Gros des Geldes nicht unbedingt an bäuerliche Familienbetriebe fließt, schreibt die Tageszeitung Standard in seiner Dienstagausgabe. So hätte die „Pinzgau Milch Produktions GmbH" insgesamt rund zwei Millionen Euro erhalten. Ein Blick ins Firmenbuch zeige, dass dahinter eine Holding stehe, die zu 40 Prozent dem Porsche-Miteigentümer Hans Michel Piëch gehöre, an der wiederum die "Tirol Pack GmbH" beteiligt ist. Weitere 40 Prozent besäße eine Privatstiftung, die laut Firmenbuch im Treuhand- und Finanzbereich angesiedelt ist.

Und auch nach Wien fließe viel Geld. Von 550 Förderungsempfängern seinen allein 40 im ersten Wiener Gemeindebezirk gelistet. (APA, TT.com)