Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 14.06.2019


Bezirk Reutte

Höhere Löhne regeln den Markt im Außerfern

Der Mangel an Arbeitskräften setzt dem Tourismus zu. Das AMS sieht Erfolge in besserer Bezahlung, die FPÖ will die Geburtenrate gesteigert wissen.

Seit 2006 gab es die politische Zielvorgabe für das AMS, dass 50 Prozent der Aufwendungen des aktiven Arbeitsmarktbudgets für Frauen zu dotieren ist

© TT/Thomas BoehmSeit 2006 gab es die politische Zielvorgabe für das AMS, dass 50 Prozent der Aufwendungen des aktiven Arbeitsmarktbudgets für Frauen zu dotieren ist



Von Helmut Mittermayr

Reutte – Die demographische Entwicklung bis hin zur Abkehr vom Berufsbild wird zur Existenzfrage für die heimische Gastronomie. Viele Häuser beklagen die prekäre Personallage und reagieren – wie berichtet – mit Notmaßnahmen. Das À-la-carte-Geschäft wird gestrichen oder gleich ans Zusperren gedacht. Beim AMS Reutte ist der Mangel an Arbeitskräften natürlich Dauerthema. Karin Lutz, stellvertretende Leiterin des Arbeitsmarktservice Reutte, weiß, dass der Beruf des Koches inzwischen in die österreichweite Mangelberufsliste aufgenommen wurde, der Kellner in die Tiroler Liste. Damit können Personen, die über die nötige Qualifikation verfügen, auch aus Drittstaaten für 24 Monate in Österreich arbeiten. Nach Arbeitskräften gesucht werde in Österreich und darüber hinaus. Das AMS ist Teil von EURES, einem europäischen Jobnetzwerk.

Das AMS ist bemüht, beiden Seiten, Arbeitnehmern wie Arbeitgebern, gerecht zu werden. „Wir tun unser Bestes, können aber nur mit dem vorhandenen Arbeitskräftepotenzial arbeiten“, erklärt Lutz. Zudem herrsche im Bezirk Reutte praktisch Vollbeschäftigung. Auch andere Sparten würden schwer unter dem Personalmangel leiden. Für Lutz ist angesichts des Wettbewerbes längst die Entlohnung Kriterium geworden. „Wer beim gelernten Koch nur das Mindestentgelt laut KV zu zahlen bereit ist, hat fast keine Chance mehr, einen Mitarbeiter zu bekommen.“ Der aktuelle Mindest-KV für einen qualifizierten Koch betrage monatlich 1592 Euro brutto (14 x). Längst sei die 2000er-Marke, nach oben offen, am freien Markt überschritten. Hilfskräfte in der Gastronomie können mit Mindest-KV 1540 Euro rechnen. Das AMS unterstütze Veränderungswünsche übrigens nicht aktiv. „Wer als Koch zu uns kommt, wird auch als Koch weitervermittelt“, sagt Lutz. Aber auch hier regle der Markt alles. Allein Plansee hat 50 Köche auf seiner Lohnliste, die jetzt Molybdän und keine Schnitzel erhitzen.

Für FPÖ-Bezirksobmann Fabian Walch ist dringendes Handeln angesagt: „Mit der Neuregelung der Rot-Weiß-Rot-Karte hat die ehemalige türkis-blaue Bundesregierung bereits erste Schritte zur kurzfristigen Lösung des Problems gesetzt. Wer allerdings nur nach Zuwanderung schreit, denkt viel zu kurz.“ Es brauche einen Paradigmenwechsel in der Familienpolitik. „Wir müssen es schaffen, die Geburtenrate wieder massiv zu steigern. Aktuell liegt diese in Österreich bei alarmierenden 1,4.“ Die Fertilitätsrate müsse wieder auf 2,1 anwachsen. „Ungarn ist das erste europäische Land, welches auf dem besten Weg ist, hier die Trendwende zu schaffen“, lobt Fabian Walch den Nachbarn.

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