Letztes Update am Mo, 24.06.2019 06:59

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Abdullah-Zentrum

Aus für Abdullah-Zentrum, der Handel geht weiter

Eine politische Mehrheit will den Ausstieg aus dem saudi-arabischen Dialogzentrum. Die Wirtschaftskammer kommentiert das nicht.

Ein Antrag auf Schließung des umstrittenen Dialog-Zentrums in Wien wurde von Liste Jetzt, SPÖ und FPÖ unterstützt.

© APAEin Antrag auf Schließung des umstrittenen Dialog-Zentrums in Wien wurde von Liste Jetzt, SPÖ und FPÖ unterstützt.



Von Cornelia Ritzer

Wien – Mit viel Polit-Prominenz wurde im November 2012 das König-Abdullah-Zentrum für interreligiösen und kulturellen Dialog in Wien eröffnet. Die Außenminister von Österreich, Saudi-Arabien und Spanien waren dabei, auch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hielt eine Rede. Nun fand vor wenigen Tagen ein Antrag auf Schließung des von Anfang an umstrittenen Zentrums eine Mehrheit im Parlament, Liste Jetzt, SPÖ und FPÖ stimmten dafür. Auch die ÖVP – im Jahr 2012 mit dem Koalitionspartner SPÖ noch Befürworter des von Saudi-Arabien, Spanien und Österreich errichteten Zentrums – begrüßt das Aus der Einrichtung.

Ob und welche Auswirkungen eine Schließung des Dialogzentrums haben könnte, wollte man in der Wirtschaftskammer (WKO) nicht kommentieren. „Für Unternehmen steht die Politik nicht im Zentrum“, sagt Gregor Leitner, Chef der Abteilung Außenwirtschaft in der Wirtschaftskammer Tirol. Die Bereiche Politik und Wirtschaft werden bei den Handelsbeziehungen „meist strikt getrennt, von beiden Seiten“, beobachtet er. Umstrittene politische Entwicklungen könnten aber durchaus Auswirkungen haben.

Saudi-Arabien, das wegen seiner Menschenrechtsverletzungen immer wieder kritisiert wird, ist ein Handelspartner Österreichs – wenn auch mit 0,2 Prozent Anteil an den Gesamtexporten ein kleiner. Das Königreich gilt als wichtigster Export- und Handelspartner im Nahen Osten. Die Exporte nach Saudi-Arabien betrugen 2018 insgesamt 343,7 Mio. Euro (26 Mio. Euro des Umsatzes kamen aus Tirol), die Importe insgesamt 59,8 Mio. Euro. Der Handel mit dem zweitgrößten Erdölproduzenten und größten Erdölexporteur der Welt ist in den vergangenen Jahren gesunken (minus 6,5 Prozent bzw. minus 6,9 Prozent im Vergleich zu 2017). 2016 waren die wichtigsten Exportgüter Österreichs Straßenfahrzeuge sowie medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse. Wichtigste Importgüter Österreichs waren Erdöl und Erdölerzeugnisse, gefolgt von Kunststoffen sowie Metallwaren.