Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 29.06.2019


Wirtschaftspolitik

„Beim Thema Pflege gibt es keine politische Linie“

Versicherer fordern steuerliche Begünstigung von Pflegeversicherungen.

H. Schultes (Niederösterreichische), G. Schöffmann (Kärntner Landesversicherung), W. Schieferer (Tiroler), K. Scheitegel (Grawe), R. Sturn (Vorarlberger), J. Stockinger (Oberösterreichische; v. l.).

© VÖL/KochH. Schultes (Niederösterreichische), G. Schöffmann (Kärntner Landesversicherung), W. Schieferer (Tiroler), K. Scheitegel (Grawe), R. Sturn (Vorarlberger), J. Stockinger (Oberösterreichische; v. l.).



Innsbruck – Die sechs Länderversicherer zeigen sich bei ihrer Jahrestagung zufrieden, sie blicken auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2018 zurück. Die Stärke der Gesellschaften zeige sich trotz herausforderndem Markt­umfeld, unsicheren Finanzmärkten und zum Teil katastrophalen Wetterereignissen, so Klaus Scheitegel von der Grawe: Der Prämienzuwachs betrage 3,53 Prozent, die Bilanzsumme habe sich um 2,58 Prozent erhöht, die Zuwächse aus Kapitalanlagen seien um 3,95 Prozent höher. Auch die Eigenmittel inklusive der unversteuerten Rücklagen seien um 8,77 Prozent gestiegen. Und die Anzahl der Verträge konnte auf rund 6,5 Mio. Stück erhöht werden.

Aktuell beschäftige auch die österreichischen Länderversicherer (VÖL) das Thema „Pflege“. „Problematisch“ sei, so Robert Sturn von der Vorarlberger Landesversicherung, „dass es keine klare politische Linie“ gebe. Dadurch könnten Versicherungen keine passenden Produkte entwickeln. Für Walter Schiefer von der Tiroler Versicherung ist aber klar: „Wir fordern seit Jahren eine steuerliche Begünstigung der Pflegeversicherung.“ Die demographische Entwicklung sei klar, die geburtenstarken Jahrgänge gehen in einigen Jahren in Pension– da es kaum mehr große Familienverbände gebe, brauche es dann sehr viel Geld und Personal für Pflege. Josef Stockinger (Oberösterreichische) sagt: „Wir konzentrieren uns derzeit auf die Altersarmut.“ Mit einer Zusatzversicherung sollte die – erwartbare – Lücke zwischen Pension und Gehalt geschlossen werden. Nicht nur mit den passenden Produkten, auch mit rund sieben Millionen Euro Kultursponsoring im vergangenen Jahr wollen die österreichischen Versicherer „nahe am Menschen“ sein. Gefördert wurden rund 3000 Kunst- und Kulturprojekte. Walter Schiefer will, dass „Dorfgeschehen weiter stattfindet“. In Tirol werden etwa die Schlossbergspiele Rattenberg, das Bergbauernmuseum in Kramsach oder der Trachtenverband mitfinanziert. „Das ist eine Wertschätzung gegenüber den Vereinen“, sagt Schiefer. Man sei eben gerne ganz nahe an der Bevölkerung. (ver)




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