Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 01.07.2019


Wirtschaftspolitik

„Wir werden sehr lange mit Niedrig-Zinsen zu tun haben“

Union-Investment-Chef sieht in der EZB-Politik Auftrieb für Aktien- und Immobilienfonds. Volksbank Tirol meldet kräftigen Fonds-Zuwachs.

Union-Investment-Chef Hans Joachim Reinke (r.) und die Volksbank-Vorstände Markus Hörmann (Mitte) und Martin Holzer sehen die Phase niedriger Zinsen noch lange nicht vorüber.

© DiefotografenUnion-Investment-Chef Hans Joachim Reinke (r.) und die Volksbank-Vorstände Markus Hörmann (Mitte) und Martin Holzer sehen die Phase niedriger Zinsen noch lange nicht vorüber.



Innsbruck – Die deutsche Fondsgesellschaft Union Investment, Fondspartner der Volksbank Tirol, geht längerfristig von niedrigen Zinsen aus. Das hänge nicht nur mit der jüngsten Erklärung von EZB-Chef Mario Draghi zusammen, der den Weg der ultralockeren Geldpolitik bekräftigte, sagte Union-Investment-Chef Joachim Reinke bei seinem Besuch in Innsbruck. „Wir glauben, dass wir sehr lange mit dem Thema niedrige Zinsen zu tun haben werden“, sagte Reinke. Es gebe strukturelle Gründe dafür, dass die EZB den Leitzins weiter niedrig – derzeit bei null – lässt: So etwa ein schwächeres Wachstum 2019 oder eine niedrige Inflation im Euroraum von 0,8 %. Auch die demographische Entwicklung spreche nicht für steigende Nachfrage und daraus folgend steigende Preise, also höhere Inflation. Ebenso drücke die Globalisierung die Inflation. Ein weiterer Grund für niedrige Zinsen sei die Situation in Italien. „Für Italien bräuchte es eigentlich zwei bis drei Prozent Zinsen“, meint Reinke. Allerdings würde das hochverschuldete Land unter solchen Umständen die Zinszahlungen für seine Schulden nur schwer stemmen können. Schließlich sei die Wirtschaft in Italien „faktisch in einer Rezession“.

Union Investment verwaltet ein Vermögen von 323,4 Milliarden Euro, davon 7 Mrd. Euro in Österreich. 2019 habe Union Investment in Österreich beim verwalteten Vermögen um rund 200 Millionen Euro zulegen können. Rosen streut der Union-Chef der Volksbank Tirol. „In Relation zu einer deutschen Bank macht die Volksbank Tirol mehr Geschäft“, so Reinke.

Das Wertpapiergeschäft in der Volksbank Tirol sei im vergangenen Jahr hervorragend gelaufen, erklärt Volksbank-Tirol-Vorstand Markus Hörmann, viele Neukunden seien für die Veranlagung in Investmentfonds gewonnen worden. Das Gesamt-Fondsvolumen der Kunden erhöhte sich demnach im Jahr 2018 um 4,3 %, das Netto-Fondssparvolumen stieg 2018 um 62,3 %.

Aufgrund der niedrigen Zinsen würden Investitionen in Aktien-, Immobilien- oder entsprechende Mischfonds immer attraktiver, schildert Reinke. In den 1960er bis in die 1990er-Jahre sei die Zinssituation so gewesen, dass sich Anlagen innerhalb von 10 Jahren verdoppelt hätten. „Inzwischen ist der Zinseszinseffekt aber abhandengekommen“, so Reinke. (mas)

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