Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 15.07.2019


Freihandelszone

Euphorie nach Afrika-Pakt: Skeptiker sehen Umsetzung kritisch

Pläne für die weltgrößte Freihandelszone in Afrika beflügeln Investoren. Skeptiker warnen aber vor einer falschen bzw. unzureichenden Umsetzung.

Was der Handelspakt Afrikas Bürgern tatsächlich bringt, ist freilich offen.

© AFPWas der Handelspakt Afrikas Bürgern tatsächlich bringt, ist freilich offen.



Johannesburg – Die Entstehung der weltgrößten Freihandelszone in Afrika mit einem Markt von 1,2 Milliarden Menschen befeuert die Erwartungen von Investoren und Wirtschaftslenkern. „Durch die Freihandelszone eröffnen sich Chancen über Landesgrenzen hinweg mit deutlich größerem Marktpotenzial“, meint etwa der Chef von Volkswagen Südafrika, Thomas Schäfer. Er sieht das Abkommen als „historischen Schritt in die richtige Richtung“. Am vergangenen Sonntag war beim Gipfel der Afrikanischen Union (AU) in Niamey (Niger) der Startschuss für das panafrikanische Freihandelsabkommen AfCFTA gefallen, nachdem auch Nigeria seinen Beitritt erklärt hatte.

„Die neue Freihandelszone könnte den innerafrikanischen Handel bis zum Jahr 2040 um 15 bis 25 Prozent steigern“, schätzt Joachim Lang, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Der Handel mit afrikanischen Ländern ist derzeit durch hohe Einfuhrzölle und Bürokratie-Hürden geprägt. Die bisherige geringe Marktgröße der einzelnen Länder schreckt nach Ansicht der für Afrika zuständigen deutschen Expertin Jennifer Howe viele Investoren ab. Durch die Vereinfachung des innerafrikanischen Handels sollen sie nun verstärkt ins Land kommen. „Vor allem in Ost-und Westafrika sehen wir großes Potenzial“, erklärte Howe.

Bei der Afrikanischen Union herrscht Euphorie. „Jedes Jahr wird es eine Zwischenbilanz geben, um zu sehen, wie weit wir bei der Umsetzung des Abkommens sind“, sagte der AU-Handelsbeauftragte Albert Muchanga. Allerdings mangelt es angesichts der ambitionierten Pläne nicht an skeptischen Stimmen – auch auf dem Kontinent selbst. „Dem Freihandel zuzustimmen und ein entsprechendes Beitrittsabkommen zu unterzeichnen, ist stets einfacher, als es umzusetzen“, warnt der südafrikanische Analyst Gary van Staden mit Hinweis auf gesetzliche und technische Anpassungen. Die auf Auslandsniederlassungen in Afrika spezialisierte Wirtschaftskanzlei Rödl & Partner sieht es ähnlich. „Bislang ist die Freihandelszone nur auf dem Papier geschaffen.“ (dpa)