Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 24.07.2019


Mobilfunk

Hunderttausende SIM-Karten in Österreich noch nicht registriert

In Österreich gibt es rund 3,75 Millionen Prepaid-SIM-Karten. Rund einen Monat vor dem Aus für anonymes Telefonieren läuft die Registrierung nur schleppend. Mobilfunker verlieren Kunden.

In Österreich gibt es rund 3,75 Millionen Prepaid-SIM-Karten. Rund 1,5 Millionen wurden noch nicht registriert.

© iStockphotoIn Österreich gibt es rund 3,75 Millionen Prepaid-SIM-Karten. Rund 1,5 Millionen wurden noch nicht registriert.



Von Stefan Eckerieder

Wien – Bis 1. September müssen alle Prepaid-SIM-Karten, – also aufladbare Wertkarten für das Handy – registriert sein. Wer das bis dahin nicht erledigt, kann sein Guthaben nicht mehr aufladen. Doch trotz Aufklärungskampagnen der Mobilfunker sind Hunderttausende Kunden der Registrierungspflicht noch nicht nachgekommen.

Österreichweit gibt es laut der Regulierungsbehörde RTR rund 3,75 Millionen Prepaid-SIM-Karten. Laut dem Mobilfunk-Discounter HoT dürften davon noch knapp die Hälfte anonym verwendet werden. „In Österreich sind nach Schätzungen rund 1,5 Millionen SIM-Karten noch nicht registriert“, sagt Ventocom-Geschäftsführer und HoT-Gründer Michael Krammer. Alleine bei HoT seien weit mehr als 100.000 SIM-Karten noch nicht registriert. „Viele haben schon, viele sind noch dabei“, heißt es beim Mobilfunker Magenta. Schwierig sei es, jene Kunden zu erreichen, die Prepaid-Karten in ihren Smarthome-Anwendungen wie Überwachungskameras und Babyphonen verbaut haben. „Diese Kunden sind schwer zu erreichen. Unsere Erinnerungs-SMS landen dort in der Überwachungskamera“, sagt ein Magenta-Sprecher.

Insgesamt rechnet der Mobilfunker aber damit, dass viele Kunden in den letzten zwei Wochen, bevor die Frist abläuft, ihre SIM-Karten noch registrieren. „Dafür haben wir auch zusätzliches Personal eingestellt.“ Neben der Regis­trierung im Shop stünden weitere Registrierungsmöglichkeiten über das Internet zur Verfügung. Ab Mitte August sei dies auch über Onlinebanking und per Handy­signatur möglich.

Die Anzahl der Wertkarten-SIM will Magenta nicht bekannt geben. Die großen Mobilfunker verzeichnen in Folge der Registrierung einen Schwund an Wertkarten-Kunden, einerseits zu einem der österreichweit 27 Mobilfunkdiscounter, andererseits steigen Kunden auch auf Vertragsangebote um.

Außerdem will nicht jeder seine Identität bekannt geben. „Es wird Menschen geben, die sich nicht registrieren lassen möchten“, so der Magenta-Sprecher. Das müssen die Kunden auch nicht zwingend. Die politisch verordnete Registrierungspflicht sollte es eigentlich Terroristen und Kriminellen erschweren, anonym zu kommunizieren. Jedoch hat nicht jedes EU-Land eine Registrierungspflicht. Und so können Bürger auf Prepaid-Karten von ausländischen Anbietern ausweichen. Durch die Roamingverordnung der EU kann mit den SIM-Karten ohne zusätzliche Roaming­gebühren in Österreich weiter telefoniert werden. Anonym, versteht sich. Bei Magenta hätt­e man deshalb auch eine EU-weite Lösung bevorzugt, heißt es gegenüber der TT.

Aber auch in Österreich ist mit 1. September nicht zwingend Schluss mit der anonymen Telefonie. Nicht aufgeladene Handys sind eine Zeit lang noch erreichbar. Und: „Von der letzten Aufladung weg bleibt allen Nutzern noch ein Jahr Zeit, das Guthaben zu verbrauchen“, sagt Krammer. Das heißt: Wer sich Ende August noch ein Guthaben holt, kann unregistriert weiterhin ein Jahr seine SIM-Karte nutzen. „Das Thema zieht sich also noch weiter ins nächste Jahr“, sagt der Ventocom-Chef.