Letztes Update am Fr, 26.07.2019 10:52

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Neue Strategie

Staatsholding ÖBAG beteiligt sich nun aktiv an Post, Casinos und Co.

Das staatliche Beteiligungsmanagement soll künftig nicht mehr so unscheinbar ausfallen. Auch der Einstieg bei Schlüsselindustrie-Unternehmen sei möglich.

Die ÖBAG ist erst im Jänner aus der ÖBIB entstanden, die wiederum aus der ÖIAG hervorging.

© APADie ÖBAG ist erst im Jänner aus der ÖBIB entstanden, die wiederum aus der ÖIAG hervorging.



Wien – Von einer strategischen Neuausrichtung der österreichischen Staatsholding war schon die Rede, als diese noch als ÖIAG firmierte. Inzwischen ist die Phase der verwaltenden ÖBIB überdauert und bei der nunmehrigen ÖBAG gibt es die Neuausrichtung zum aktiven Beteiligungsmanagement bei den Beteiligungsfirmen Post, Telekom Austria, OMV, Casinos und Co.

Die Staatsholding hat nicht nur ihren Sitz nach Wien-Alsergrund verlegt, wo sie von außen unscheinbar Büros bezogen hat. Sie hat ihren Zugang zum Beteiligungsmanagement geändert, der nicht so unscheinbar ausfallen wird, wie es die Büros tun. Das geht aus dem Strategiepapier hervor, auf dessen Basis ÖBAG-Vorstand Thomas Schmid heute, Freitag, bei der Wirtschaftskonferenz „Salzburg Summit“ erstmals öffentlich zur Neuausrichtung der Staatsholding spricht.

Die ÖBAG ist erst im Jänner aus der ÖBIB entstanden, der frühere, ÖVP-nahe Generalsekretär des Finanzministeriums, wurde Ende März zum Alleinvorstand bestellt. Die Neuausrichtung, nicht zuletzt durch das neue ÖBAG-Gesetz induziert, wurde neu ausgearbeitet. „Die ÖBAG ist die zeitgerechte Antwort auf die Anforderungen des derzeitigen Wirtschaftslebens“, sagt Vorstand Schmid zur APA.

Der ÖBAG geht es im Allgemeinen um eine Standortstärkung, eine Stärkung der österreichischen Hauptquartiere der Beteiligungsunternehmen und eine Stärkung des Forschungs- und Entwicklungsstandortes Österreich über den Kapitalmarkt. Der Fokus liegt auf den Beteiligungsunternehmen, aber auch Zukäufe sind nicht ausgeschlossen. Zu einem Vorbild ist der finnische Staatsfonds Solidium geworden, aber mit Details sich etwa auch bei einem norwegischen Fonds inspirieren lassen.

„Wir agieren nach den Regeln des Kapitalmarkts und haben die positive Entwicklung des Standort Österreichs im Fokus unseres Handelns“, sagt Schmid. „Nachhaltigkeit, Diversität und Digitalisierung haben für uns strategische Relevanz, genauso wie klare finanzielle Zielsetzungen.“

Dividende-Verdienen für den Staat

Naturgemäß geht es stark um die Wertsteigerung, um das Dividende-Verdienen für den österreichischen Staat - und es muss mehr werden: Hierbei gibt es ein Novum, dass erstmals ein Ziel der Wertsteigerung definiert wurde. Es handelt sich um eine Bandbreite, die sich an internationalen Benchmarks orientiert, mehr will die ÖBAG nicht verraten. Üblicherweise ist das im unteren einstelligen Prozentbereich.

Nicht vorgesehen ist es, Fördergeber zu sein oder sich Sanierungs- und Restrukturierungsfällen anzunehmen. Auch beihilfenrechtliche Vorhaben wird es ebenso wenig geben wie Start-up-Förderungen. Dafür gibt es andere Gesellschaften.

Konzentration auf Schlüsselindustrien

Die Konzentration liegt auf Schlüsselindustrien. Zwar sind keine Einkaufstouren geplant, es werden aber strategisch wichtige Unternehmen für Österreich definiert, wo die ÖBAG an Ort und Stelle sein will, wenn sich auf Eigentümerebene etwas ändert. Als gutes Beispiel kann ein traditionelles und erfolgreiches Familienunternehmen verwendet werden, wo es etwa ein Übergabeproblem gibt. (APA)