Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 26.08.2019


Wirtschaftspolitik

Immobilienbranche: Ohne Provision keine Leistung

Der ÖVP-Vorstoß für das Bestellerprinzip bei der Maklerprovision verärgert die Immobilienbranche.

Wer eine Wohnung mietet, muss in den meisten Fällen eine Maklerprovision zahlen. Die ÖVP stellt diese nun – wie die SPÖ – in Frage.

© APAWer eine Wohnung mietet, muss in den meisten Fällen eine Maklerprovision zahlen. Die ÖVP stellt diese nun – wie die SPÖ – in Frage.



Von Cornelia Ritzer

Wien – Der ÖVP-Schwenk war unerwartet: Die Maklerprovision soll in Zukunft nicht vom Mieter, sondern vom Vermieter gezahlt werden. Mit dem Ruf nach dem Bestellerprinzip bei Mietwohnungen folgt die Volkspartei SPÖ, Arbeiterkammer und Gewerkschaft. „In der nächsten Legislaturperiode“ solle das Bestellerprinzip umgesetzt werden, heißt es seitens der ÖVP. Vorbild sei Deutschland, wo dies seit 2015 gilt und wo laut ÖVP die Maklerprovision „für so gut wie jede Wohnung, die vermietet wird, vom Vermieter bezahlt wird“.

Keine Freude mit dem Vorstoß haben die Immobilientreuhänder in der Wirtschaftskammer. „Es ist zumindest eine Überraschung, dass die ÖVP diese Idee auf den Tisch bringt“, sagt Arno Wimmer, Sprecher der rund 20.000 österreichischen Makler. Er verweist auf die Qualitätsmaßnahmen der Kammer: die Stärkung der Ausbildung, die Verbesserung der Dienstleistungen und laufende Schulungen, um den Standard zu erhöhen. Derzeit gebe es die Möglichkeit, dass der Makler vom Mieter und vom Vermieter eine Provision bekommt. Nachsatz: „Dass der ein oder andere Vermieter keine Provision bezahlt, das mag schon sein.“ Aber es sei Sache des Maklers, ob das wirtschaftlich machbar ist.

Wimmer betont die Leistungen, die für den Mieter erbracht werden: „Der Makler hat Informations- und Aufklärungspflichten, er hat Sorgfaltspflichten – auch gegenüber dem Mieter.“ So müsse er etwa auf überhöhte Mieten aufmerksam machen, auch dafür übernehme er eine Haftung. Falls künftig der Mieter keine Provision mehr bezahle, würde das dazu führen, „dass man gegenüber dem Mieter keine Leistungen mehr erbringt“. Das bedeute laut Wimmer: „Der Mieter ist dem Markt schutzlos ausgeliefert.“ Das sei in Deutschland eingetreten, sagt der Innsbrucker Makler. „Der Markt ist völlig intransparent geworden. Jeder Vermieter verlangt irgendwas, die Objekte sind teils nicht verfügbar.“

„Mit großer Verwunderung“ hat der Österreichische Verband der Immobilienwirtschaft den ÖVP-Vorschlag gelesen, der „mit Branchenvertretern nicht abgesprochen war“, sagt Geschäftsführer Anton Holzapfel. Die Interessenvertretung von 550 Unternehmen befürchtet, dass der Vorschlag „von Wahlkampfmanagern und nicht von kundigen Juristen“ stamme. Auch Holzapfel verweist auf den Mehrwert, die Makler für den Mieter haben: „Im Regelfall gibt es Kundenwünsche.“ Man sei für einen konstruktiven Dialog offen, betont Holzapfel: „Man wird neue Modelle andenken müssen. Aber wenn, dann bitte nach der Wahl.“

Zweifel an der Ernsthaftigkeit des ÖVP-Vorschlags hat Christoph Matznetter, SPÖ-Abgeordneter und Präsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands (SWV). Der Maklerberuf sei „hochkomplex“ und die Fachleute müssen bezahlt werden, betont er. Aber die Rechnung müsse der Auftraggeber der Makler-Dienstleistung zahlen, und das sei der Vermieter. „Rätselhaft“ ist für den SPÖ-Politiker, warum die Wirtschaftskammer „nicht die klare Zahlungspflicht des Auftraggebers unterstützt“.




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