Letztes Update am Di, 27.08.2019 15:45

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Geldpolitik

EZB-Vize: „Geldpolitik darf nicht marktabhängig sein“

Luis de Guindos betonte, dass Hinweise aus den Erwartungen an den Finanzmärkten keine geldpolitischen Urteile ersetzen dürfe. Die EZB könnte ihrer Geldpolitik heuer noch weiter lockern.

EZB-Vizechef Luis de Guindos

© ReutersEZB-Vizechef Luis de Guindos



Frankfurt – Die Europäische Zentralbank (EZB) darf bei ihren Entscheidungen laut ihrem Vizechef Luis de Guindos nicht nur die Finanzmärkte im Blick haben. Die Erwartungen an den Börsen müssten mit einer gewissen Vorsicht betrachtet werden, sagte er am Montag auf einer Veranstaltung in Manchester laut Redetext.

Um sicherzustellen, dass die EZB eine robuste Geldpolitik betreibe, müssten auch andere Informationsquellen herangezogen werden. „Wie wir immer betonen, unsere Geldpolitik ist datenabhängig nicht marktabhängig.“ Hinweise aus den Erwartungen an den Finanzmärkten könnten keine geldpolitischen Urteile ersetzen.

„Vielzahl von Informationen wichtig“

„Wir sind uns dessen sehr bewusst, dass unsere Kommunikation genau die Erwartungen beeinflussen, die wir als Input für unsere Entscheidungen nutzen möchten,“ sagte de Guindos. Daher müsse die Notenbank sicherstellen, dass sie ihre Beschlüsse auf Grundlage einer Vielzahl von Informationen fälle.

Die Währungshüter hatten auf ihrer jüngsten Zinssitzung im Juli wegen der wachsenden Sorgen um die Konjunktur bereits wichtige Weichen für eine erneute Lockerung ihrer Geldpolitik gestellt. Sie verständigten sich darauf, eine Vielzahl von geldpolitischen Schritten auszuloten, darunter Zinssenkungen und erneute Anleihenkäufe. An den Finanzmärkten wird derzeit damit gerechnet, dass die Notenbank auf ihrer Sitzung im September ihren Einlagensatz noch tiefer senkt. Er ist bereits seit 2014 negativ. Banken müssen somit seitdem Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der Notenbank überschüssige Gelder parken. (APA, Reuters)