Letztes Update am Fr, 30.08.2019 11:32

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Privatisierung

Schweizer Bahngütertransporteur SBB Cargo wird teilprivatisiert

Vier private Straßentransportunternehmen beteiligen sich an der SBB Cargo. Die staatliche SBB bleiben allerdings Mehrheitsaktionär.

Symbolfoto

© Wikimedia/ David GublerSymbolfoto



Bern – Im Schweizer Güterverkehr kommt es zu einer neuen Partnerschaft. Die vier Straßentransportunternehmen Planzer, Camion Transport, Galliker und Bertschi haben sich zu einer finanziellen Beteiligung an der SBB Cargo entschlossen. Die Gütersparte der staatlichen Schweizer Bahn wird damit teilprivatisiert.

Die Kooperation erfolgt über die gemeinsame Swiss Combi AG. Die Swiss Combi AG besteht aus den Logistikdienstleistern Planzer Holding AG (40 Prozent), Camion Transport AG (40 Prozent), Bertschi AG (10 Prozent) und Galliker Holding AG (10 Prozent). Sie übernimmt ein Aktienpaket von 35 Prozent an der SBB Cargo, wie es in einer Mitteilung der SBB vom Freitag heißt. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Partnerschaft habe keinen zusätzlichen Stellenabbau zur Folge.

„Zusammenarbeit könnte eine Chance sein“

Künftig werden im Verwaltungsrat des Bahnunternehmens auch Vertreter der Straßentransportbranche sitzen. Die Übernahme bedarf noch der Zustimmung durch die Wettbewerbsbehörden. Mehrheitsaktionärin bleiben die staatliche SBB mit einem Anteil von 65 Prozent. Die Partnerschaft stärkt laut dem Bahnunternehmen die Verlagerung von der Straße auf die Schiene und erhöht die Auslastung im System-Wagenladungsverkehr und im Kombinierten Verkehr.

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) kommentieren die Entwicklung in der Schweiz vorsichtig: „Der jetzige Einstieg von Straßentransporteuren bei der SBB Cargo zeigt, dass der Schienengüterverkehr in Europa massiv unter Druck ist. Dafür sind vor allem die unfairen Wettbewerbsbedingungen der Schiene im Vergleich zur Straße maßgeblich verantwortlich“, heißt es in einer ersten Reaktion gegenüber der APA. Die neue Zusammenarbeit könne eine Chance für eine bessere Verknüpfung von Straße und Schiene sein – es könne aber auch zur Austrocknung des Schienengüterverkehrs in der Schweiz zugunsten der Straße führen. Um die europäischen Klimaziele zu erreichen sei es unabdingbar, dass der Schienengüterverkehr weiter ausgebaut wird und es nicht über die Hintertüre zu einer Verlagerung Richtung Straße komme, wird gewarnt. (APA, sda)