Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 04.09.2019


Energiewende

Ausbau der Photovoltaik hängt in der Warteschleife

Für die Umstellung der Stromversorgung bis 2030 auf erneuerbare Energie brauche es eine Verzehnfachung der aktuell installierten Solarleistung in Österreich.

Für die Errichtung von Solaranlagen auf Freiflächen – hier in Guntramsdorf – ist meist eine Genehmigung der Baupolizei notwendig.

© Für die Errichtung von Solaranlagen auf Freiflächen – hier in Guntramsdorf – ist meist eine Genehmigung der Baupolizei notwendig.



Von Cornelia Ritzer

Wien — Wenige Tage vor dem Wahlsonntag am 29. September werden im Parlament Anträge zur provisorischen Ökostrom-Reform gestellt. Herbert Paierl, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Photovoltaic Austria (PVA), macht im Vorfeld Druck auf die Parteien und deren Klimaschutz-Agenden: „Das ist die Nagelprobe für die Fraktionen."

Gelinge bei der Sitzung am 25. oder 26. September keine Einigung, befinde man sich nämlich in einer „ganz miesen Situation", sagt Paierl zur TT. Denn für die Umstellung der Stromversorgung bis 2030 auf erneuerbare Energie brauche es vor allem einen starken Photovoltaik-Ausbau — konkret eine Verzehnfachung der aktuell installierten Solarleistung in Österreich. Rückenwind für die erneuerbaren Energieträger — neben Photovoltaik sind das Wasser- und Windenergie sowie Biomasse — hätte das Erneuerbaren Ausbau Gesetz (EAG) bringen sollen, doch das verzögerte sich durch die Neuwahlen. „Im kommenden Jahr droht ein Markteinbruch von 30 Prozent, da wichtige Fördermittel auslaufen", warnt der Chef des Photovoltaik-Bundesverbandes.

Laut Paierl „brechen Strukturen weg" und die 2030-Strategie sei in Gefahr. Schon beim derzeitig niedrigen Ausbautempo sei es „unrealistisch", dass das Ziel von 100 Prozent erneuerbaren Stroms in den nächsten elf Jahren erreicht werde. „Frühestens in 90 Jahren, also 2120, werden wir das Ziel erreicht haben", zitiert Paierl Berechnungen des Bundesverbandes. Nur mit einer „ernst gemeinten Notlösung" von jährlich 36 Millionen Euro an Förderungen — 24 Millionen für den Ausbau der Photovoltaik, 12 Millionen Euro für Speicherprojekte — könne ein Schwenk gelingen. Zu wenig effizient sind für den Photovoltaik-Verband jedoch die von SPÖ und NEOS (20 Millionen Euro für Photovoltaik-Projekte) sowie ÖVP (15 Millionen Euro) geforderten zusätzlichen Geldmittel.

Experten betonen wiederholt das enorme Ausbaupotenzial der Photovoltaik, auch wegen der bereits vorhandenen Dachflächen, auf denen Anlagen rasch installiert werden könnten. „Die bestehenden Dachflächen reichen jedoch nicht aus", betont PVA-Chef Paierl. „Natürlich" müssten Anlagen auch auf Freiflächen gebaut werden. Er schätzt, dass ein Drittel der Solarzellen auf Dächern, zwei Drittel auf Grün- und Bauland entstehen werden.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.