Letztes Update am So, 08.09.2019 07:05

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Arbeitnehmer

Frist läuft ab: Persönlichen Feiertag jetzt rasch noch beantragen

Der persönliche Feiertag ist eine kuriose österreichische Lösung. Wer noch heuer den Urlaubstag will, muss ihn jetzt beantragen.

Wer sich noch heuer einen persönlichen Feiertag sichern will, muss diesen bis Ende September beantragen.

© PantherMedia / Stanislav PopovWer sich noch heuer einen persönlichen Feiertag sichern will, muss diesen bis Ende September beantragen.



Von Alexandra Plank, Mitarbeit: Melina Mitternöckler

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Innsbruck – „Was bitte ist ein persönlicher Feiertag?“, fragt die Sängerin im Rapoldipark und wirkt wie ein einziges Fragezeichen. Die Erklärung fällt schwer und ist wohl nur mit den Worten „österreichische Lösung“ zu skizzieren.

Am Anfang stand eine Ungleichheit, laut Urteil des Europäischen Gerichtshofes war es unzulässig, dass nur bestimmte religiöse Gruppen den Karfreitag freinehmen durften. Der EuGH empfahl, allen Arbeitnehmern den Karfreitag als zusätzlichen Feiertag zu geben. Als Lösung wurde der „persönliche Feiertag“ präsentiert. Um diesen war es aufgrund von Ibiza, dem Wahlkampf und der Sommerzeit ruhig geworden.

Feiertag

Ursprung: Die neue Karfreitags-Regelung kam 2019 unter der ÖVP/FPÖ-Regierung. Laut Europäischem Gerichtshof (EuGH) widersprach die alte (frei für Evangelische, Altkatholiken und Methodisten) der Gleichbehandlung.

Regelung neu:

Der Karfreitag ist ein Arbeitstag. Man kann sich an einem frei gewählten Tag einen persönlichen Feiertag (unabhängig von Religion) als Urlaubstag nehmen.

Religion:

2001 waren 83 % der Tiroler Katholiken, 2,4 % Evangelische.

Dieser Tage informiert die Arbeiterkammer Tirol ihre Mitglieder in einer Aussendung darüber, dass sie ihren persönlichen Feiertag noch im September bekannt geben müssen. Die Vertretung weist darauf hin, dass damit kein zusätzlicher Urlaubstag geschaffen wurde. Die Beschäftigten erhalten nur das Recht, einen Tag Urlaub selbst zu bestimmen. Die Bekanntgabe muss schriftlich erfolgen: Das heißt mit Originalunterschrift, etwa per eingeschriebenem Brief oder vom Arbeitgeber bestätigter Übergabe.

Auf Nachfrage, ob man sich mit diesem Kuriosum arrangiert habe, folgt prompt die verneinende Anwort: „Der persönliche Urlaubstag hat einen sarkastischen Beigeschmack. Aus dem Karfreitag wurde ein Urlaubstag“, so AK-Präsident Erwin Zangerl.

Laut ihm habe die ÖVP/FPÖ-Regierung mit dieser Regelung lediglich die Interessen der Wirtschaft bedient. Es stehe zu hoffen, dass die neue Regierung zu einer vernünftigen Regelung zurückkehrt, zumal die evangelische Kirche eine Klage wegen des verlorenen Feiertages angekündigt habe. Die Tiroler Tageszeitung wollte dennoch im Rahmen einer Umfrage wissen, ob die Bevölkerung der Neuregelung etwas abgewinnen kann (siehe links).

Der Arbeiterkammer schwebt vor, dass der für einzelne Glaubensrichtungen sehr wichtige Karfreitag zum Feiertag für alle Arbeitnehmer gemacht wird. Laut Zangerl geht die Arbeiterkammer derzeit davon aus, dass die Regelung für die Beschäftigten kaum praktikabel ist. Dies schlicht aufgrund der Tatsache, dass sich kaum ein Arbeitnehmer trauen werde, sein einseitiges Recht auf Auswahl eines Urlaubstages gegen den Willen des Arbeitgebers durchzusetzen. Ist der persönliche Feiertag genehmigt und muss der Arbeitnehmer doch arbeiten, steht ihm zum Urlaubsentgelt auch das Entgelt für geleistete Arbeit zu.

Die Arbeiterkammer bietet unter https://tirol.ak.at/s/pxbt einen entsprechenden Musterbrief zum Beantragen des „persönlichen Feiertags“ an.

Umfrage

Möchten Sie Ihren persönlichen Feiertag in Anspruch nehmen? Welchen Tag wählen Sie?

Lukas Steixner, Jobcoach:

Ich wäre für einen generell freien Freitag, für drei Tage Wochenende. Wir arbeiten zu viel. Einen eigenen persönlichen Feiertag brauche ich aber nicht.

Josefine Blomdahl, Studentin:

Ich würde mir einen persönlichen Feiertag nehmen. Beispielsweise zu wichtigen Anlässen in meiner Familie oder in meinem Freundeskreis.

Johann Nikolussi, Schauspieler:

Für mich, als Selbstständiger, ist mein persönlicher Feiertag, wenn ich keine Arbeit habe. Die Regelung ist nicht sauber, weil die Leute um den Karfreitag umfallen.

Thomas Keil, stv. Betriebsleiter Nordkettenbahn:

Ich hätte gerne meinen persönlichen Feiertag am zweiten Oktober, meinem Geburtstag. Andererseits arbeite ich auch an Feiertagen.