Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 13.09.2019


Tirol

Herkunft der Zutaten auf Speisekarte? Bauern legen sich mit Wirten an

Bauernvertreter Hechenberger fordert, dass auf Speisekarten stehen muss, woher das Schnitzel kommt.

Eine Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel wollen die Bauern, die Wirte lehnen das ab.

© iStockphotoEine Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel wollen die Bauern, die Wirte lehnen das ab.



Innsbruck — 2017 wurde in Tirol lautstark über eine Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel auf Speisekarten diskutiert. Im TirolBerg bei der Ski-WM in St. Moritz war ein „Innsbrucker Gröstl" aus Deutschland und ein „Seefelder Wildragout" aus Ungarn serviert worden. Die Herkunft des Fleischs hätten die Tiroler lieber unter den Tisch fallen lassen, aber anders als bei uns gibt es in der Schweiz eine Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel in der Gastronomie. Und so wurde offensichtlich, was in vielen Tiroler Gasthäusern gang und gäbe ist.

Schweizer Verhältnisse, sprich eine Kennzeichnungspflicht für Gastronomen, fordert nun auch der Präsident der Tiroler Landwirtschaftskammer, Josef Hechenberger. Er rittert derzeit auch um ein ÖVP-Mandat im Nationalrat. Sein Vorstoß sei jedoch nicht dem Wahlkampf geschuldet, sondern dem im Raum stehenden Mercosur-Abkommen. Seit 20 Jahren verhandelt die EU mit den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay ein Handelsabkommen. Das brächte unter anderem 100.000 Tonnen Rindfleisch aus Südamerika nach Österreich und den heimischen Bauern sehr viel Konkurrenz.

„Die Konsumenten haben ein Recht darauf, zu wissen, woher die Lebensmittel stammen und wie sie produziert werden", erklärt Hechenberger. Er stellt sich vor, dass zuerst alle landeseigenen Unternehmen heimische Produkte kredenzen. Einige, wie die Innsbrucker Klinik, machen das bereits. Freiwillig. In einem zweiten Schritt verlangt Hechenberger, dass auch in der Lebensmittelindustrie die Herkunft des Fleisches oder der Eier abzulesen ist. „In zwei bis drei Jahren soll es dann auch für die heimische Gastronomie verpflichtend werden, auf die Speisekarten zu schreiben, woher das Essen kommt."

Ein „klares Nein" kommt aus der Gastronomie. Die Umsetzung sei schwierig, meint Alois Rainer, er vertritt die Branche in der Wirtschaftskammer. 90 Prozent des Fleisches kämen vom Großhändler. Die Tiroler, ja selbst die Bauern in ganz Österreich, würden zu wenig produzieren. Rainer erinnert an zwölf Millionen Gäste in Tirol im Jahr. (aheu)