Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 02.10.2019


Wirtschaftspolitik

OeNB-Chef bittet um Entschuldigung

Die Amtsübergabe an Nationalbank-Gouverneur Holzmann wird von seiner Personalcausa überschattet.

Amtsübergabe: Ewald Nowotny (links) wurde von Nachfolger Robert Holzmann offiziell verabschiedet.<span class="TT11_Fotohinweis">Foto: APA/Punz</span>

© APAAmtsübergabe: Ewald Nowotny (links) wurde von Nachfolger Robert Holzmann offiziell verabschiedet.Foto: APA/Punz



Von Cornelia Ritzer

Wien – Am 1. September trat Nationalbank-Gouverneur Robert Holzmann seinen Dienst an. Gestern wurde im Rahmen eines Empfangs in einem Wiener Palais die „Amtsübergabe“ gefeiert. Diese war im Vorfeld von Misstönen begleitet. Der neue OeNB-Chef Holzmann musste nach nur drei Tage eine Personalentscheidung, die hohe Wellen schlug, wieder zurücknehmen – und seine Rede mit einer Entschuldigung beginnen. „Ich möchte mich für die Wolken entschuldigen, die entstanden sind“, sagte er in Richtung seines Vorgängers Ewald Nowotny. Holzmann versicherte, dass die „Wahrung der Integrität der Nationalbank“ der Grund seines Handelns gewesen sei.

Anlass der Aufregung war die von OeNB-Chef Holzmann im Alleingang beschlossene Kündigung der Nationalbank-Personalchefin Susanna Konrad-El Ghazi. Am Montag ergab eine Krisensitzung, dass die am Freitag ausgesprochene Dienstfreistellung, die ebenfalls von Holzmann gewünschte Frühpensionierung eines Hauptabteilungsleiters sowie die Versetzung des Pressechefs vom Tisch seien. Und die Vorgänge sollen extern geprüft werden. OeNB-Präsident Harald Mahrer wurde bei den Personalentscheidungen ebenso übergangen wie die von der ÖVP-nominierten OeNB-Banker Thomas Steiner und Gottfried Haber. Nur OeNB-Direktor Eduard Schock, ein FPÖ-Abgeordneter aus Wien, sei in die Personalia involviert gewesen.

Grund für die Kündigung der Personalchefin soll die Verlängerung der Karenzierung eines Notenbankers gewesen sein. In der OeNB will man das nicht kommentieren und verweist auf „sensible Daten“. Verteidiger der Personalentscheidungen von Holzmann sprechen von „üblichen Vorgängen nach einer Amtsübergabe“. Der Versuch einer politischen Umfärbung wird in Abrede gestellt. Jedoch: Im November 2018 war eine SMS von Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache aus Versehen öffentlich geworden. Darin reklamierte er vehement einen zweiten Direktor für seine Partei und sprach sich gegen eine Verkleinerung des Direktoriums aus.

Elf Jahre lang stand Nowotn­y, der von der SPÖ unterstützt wurde, an der Spitze der Notenbank. Seine Rolle sei jene der „Stimme der Rationalität und der Vernunft“ gewesen, sagte er jüngst beim Forum Alpbach. Gestern betonte er mehrmals die „großartige“ Arbeit der OeNB-Mitarbeiter und die Wichtigkeit, „vor allem mit Führungskräften Konsens herzustellen“. Ohne Zweifel eine Empfehlung an seinen Nachfolger.

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