Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 09.10.2019


Wirtschaftspolitik

Das Haus im Grünen steht vor dem Aus

Der Bodenverbrauch soll bis 2050 auf null sinken. Leerstände und Ortskerne sollen wiederbelebt werden.

Die Versiegelung neuer Böden soll bis 2050 gestoppt werden. Stattdessen sollen Leerstände revitalisiert werden.

© iStockphotoDie Versiegelung neuer Böden soll bis 2050 gestoppt werden. Stattdessen sollen Leerstände revitalisiert werden.



Wien – Österreich bewegt sich langsam, aber sicher auf das Ende der Einfamilienhäuser auf unverbauten Flächen zu, erklärte gestern Karl Kienzl, stellvertretender Geschäftsführer des Umweltbundesamtes vor Journalisten. Österreich hat sich nämlich nicht nur die Klima-Neutralität bis 2050 vorgenommen, auch der Bodenverbrauch soll bis dahin auf null sinken

Durch angepasste Wohnbauförderungen, Raumplanungsgesetze und nationale Strategien sei der tägliche Flächenverbrauch in Österreich bereits von 24,3 Hektar (ha) pro Tag im Jahr 2010 auf aktuell 11,8 ha gesunken. Das sind immer noch rund acht Fußballfelder.

Der Druck auf die Böden ist aber weiter hoch. Gründe dafür seien etwa der boomende Immobiliensektor oder eine steigende Mobilität, erläuterte Ulrike Rauch-Keschmann vom Umweltministerium. Rund 40 Prozent der Böden werden von Wirtschaftsunternehmen verbraucht, ebenso viele vom Wohnbau und rund 20 Prozent vom Verkehrswesen. Jedoch sind nicht alle verbrauchten Flächen auch zerstört, sagt Kienzl. Während auch Gärten und Parks zum Bodenverbrauch gezählt werden, würden rund 41 Prozent der Flächen versiegelt. Letzteres mache den Boden wasser- und luftundurchlässig, „das Leben unterhalb des Betons ist tot“, und das Reaktivieren sei mühsam, sagt Kienzl. Negative Effekte seien etwa der Verlust der biologischen Vielfalt, ein erhöhtes Hochwasserrisiko, Hitzeeffekte, der Verlust der Staubbindung sowie der Biomasseproduktion und der CO2-Speicherung im Erdreich.

Im heute erschienenen „Status Quo Bericht zur Reduktion des Bodenverbrauchs in Österreich“ gibt das Ministerium unter anderem Empfehlungen zur Wohnbauförderung, Ortskernstärkung oder Leerstandsnutzung für Länder und Gemeinden.

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Als positive Beispiele für die Leerstandsnutzung und Ortskernbelebung nannte Rauch-Keschmann die Tiroler Gemeinde Silz, wo es seit 2014 Maßnahmen gibt, und Lienz, „wo sich 140 innerstädtische Handelsbetriebe unter dem Prinzip eines Shoppingcenters zusammengeschlossen haben“, was zu einer (Re-)Attraktivierung des Zentrums geführt habe. (ecke)