Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 12.10.2019


Wirtschaftspolitik

Gegen das Aus für Neubauten

BIG-Geschäftsführer Hans-Peter Weiss sieht die aktive Rolle der Staatsholding ÖBAG positiv. Statt eines Nein zu neuen Bauten fordert er, die Raumordnung zu hinterfragen.

100 Millionen Euro will die Bundesimmobiliengesellschaft in den nächste­n Jahren in Photovoltaikanlagen wie diese investieren.

© BIG100 Millionen Euro will die Bundesimmobiliengesellschaft in den nächste­n Jahren in Photovoltaikanlagen wie diese investieren.



Von Cornelia Ritzer

Wien – Seit Anfang des Jahres ist die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) Teil der Staatsholding ÖBAG. Diese startet mit der Ankündigung, bei den Unternehmen wieder stärker mitreden zu wollen. Das aktive Beteiligungsmanagement samt Vorgaben wird von BIG-Geschäftsführer Hans-Peter Weiss als positiv empfunden. „Den Druck, noch wettbewerbsfähiger zu werden, gibt es jeden Tag, den gab es schon vor der ÖBAG“, sagt Weiss im TT-Interview. Die BIG wolle „noch stärker am Markt agieren, noch präsenter am Markt sein“, und dabei werde man „massiv durch die ÖBAG unterstützt“.

Bei einer Reform 2012 wurde rund ein Viertel aller BIG-Objekte in die Tochter ARE (Austrian Real Estate) ausgelagert, die sich auf privatwirtschaftliche Aktivitäten wie Büros, Wohnbau und Projektentwicklung konzentriert. Die staatliche Infrastruktur mit Schulen, Universitäten und Sicherheit blieb bei der BIG. Im Jahr 2010 habe die BIG als Gesamtunternehmen 640 Millionen Euro Umsatz gemacht, 2018 waren es bereits 1,1 Milliarden Euro Umsatz. „Wir haben das Ergebnis fast verdoppelt“, so Weiss. Der BIG-Chef sieht in beiden Segmenten großes Potenzial, aber: „Die ARE ist ein besonderer Wachstumsbereich, weil wir dort erstmals in klassisch private Segmente hinein­gehen.“ Und hier kommt wieder die neue Eigentümerin, die Republik, ins Spiel: „Es gibt ein großes Interesse, dass wir als starker Marktteilnehmer auftreten und auch wahrgenommen werden.“

Große Pläne verfolgt Österreichs größter Immobilien-eigentümer von Bildungsbauten auch beim Thema Klimaschutz. Laut internen Berechnungen sind rund 200.000 Quadratmeter Dachflächen für Photovoltaik nutzbar. Weiss: „Wir werden als BIG proaktiv auf allen unseren Gebäuden, wo es wirtschaftlich sinnvoll und rechtlich möglich ist, in den nächsten fünf Jahren Photovoltaikanlagen errichten.“ 100 Millionen Eur­o sollen in den Solarstrom-Ausbau investiert werden, bereits nächstes Jahr werde in jedem Bundesland zumindest ein Projekt umgesetzt. Neben den ökologischen spielen auch wirtschaftliche Überlegungen eine Rolle. „Man muss schon gut hinschauen, welche Standorte von der Größe und auch von der Abnahmesituation her Sinn machen“, erklärt Weiss, dass man den am Standort produzierten Strom auch dort verbrauchen soll­e. „Es bringt wirtschaftlich nichts, auf ein Gebäude, das selbst nicht die nötige Mindestabnahmemenge braucht, Photovoltaik zu bauen.“

Zeitgleich – in den nächsten fünf bis sieben Jahren – sollen auch die noch vorhandenen Ölheizungen in Bundesgebäuden durch nachhaltige Technologien ersetzt werden. Derzeit werden etwa 80 Prozent der Gebäude mit Fernwärme versorgt. Nachhaltigkeit sei auch bei Neubauten und Generalsanierungen inzwischen Standard, betont Weiss. „Es gibt in Wahrheit heute kein Neubau- und Generalsanierungsprojekt mehr, wo nicht auch nachhaltige Baumaßnahmen gesetzt werden.“ Mehr Budget brauch­e das jedoch nicht, denn: „Die Baukosten von zertifizierten Gebäuden sind in der Regel nicht höher. Teurer ist die Planungs- und Vorbereitungsphase.“

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Überlegungen, den Bodenverbrauch bis zum Jahr 2050 auf null zu reduzieren, sieht Weiss kritisch. „Wir sollten den Wettbewerb der kleinen Gemeinden um die Ansiedlung von Gewerbebetrieben hinterfragen, da braucht es gemeinsame überregional­e Lösungen.“ Ein generelles Nein zu neuen Bauten sei jedoch „der falsche Zugang, weil dadurch die Entwicklungsmöglichkeiten eingeschränkt werden“. Ein Riegel vor Neubauten verhindere demnach den notwendigen Bau von beispielsweise neuen Bahnstrecken samt Bahnhöfen.




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