Letztes Update am Fr, 25.10.2019 13:44

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Teuerung

EZB-Beobachter senken erneut ihre Inflationsprognosen

Die Euro-Notenbank befragt viermal im Jahr Volkswirte zu deren Inflations- und Wachstumsprognosen. Für 2020 setzten sie ihre Vorhersage von 1,4 Prozent auf 1,2 Prozent herab.

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Frankfurt – Experten der EZB-Geldpolitik haben zum wiederholten Mal ihre Inflationsprognosen für die Eurozone gesenkt. Laut einer Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) erwarten die Volkswirte für heuer jetzt nur noch einen Anstieg der Verbraucherpreise von 1,2 Prozent, wie die EZB am Freitag mitteilte. Im Juli hatten sie noch 1,3 Prozent prognostiziert.

Für 2020 setzten sie ihre Vorhersage von 1,4 Prozent auf 1,2 Prozent herab. Die Experten hatten ihre Prognosen schon im Juli, im April und in der Jänner-Umfrage gesenkt. Längerfristig erwarten sie wie bisher lediglich eine Rate von 1,7 Prozent. Die EZB strebt knapp zwei Prozent Teuerung als Idealwert für die Wirtschaft an, was sie aber seit Jahren verfehlt.

Neuauflage der Anleihenkäufe

Die Euro-Notenbank befragt viermal im Jahr Volkswirte zu deren Inflations- und Wachstumsprognosen. Diese fließen als wichtiger Faktor in ihre geldpolitischen Überlegungen ein. Wegen der schwächelnden Konjunktur hatte die Notenbank im September ein umfassendes Paket zur Stützung der Wirtschaft auf den Weg gebracht.

Es umfasst eine Zinssenkung, die Neuauflage ihrer Anleihenkäufe ab November sowie Erleichterungen für Banken. Das Maßnahmenbündel war intern aber zum Teil stark umstritten. Die Ökonomen senkten auch ihre Wachstumsprognosen für die Eurozone. Sie erwarten inzwischen für dieses Jahr nur noch einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,1 Prozent. Im Juli hatten sie noch 1,2 Prozent erwartet. Für 2020 verringerten sie ihre Prognose auf ein von zuvor 1,3 Prozent.

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Strategiewechsel auf den Prüfstand stellen

Indessen verlangte Estlands Notenbankchef Madis Müller, dass die Zentralbank ihre geldpolitische Strategie auf den Prüfstand stellen. „Ich glaube, in den kommenden Quartalen sollten wir mit den Diskussionen starten“, sagte das EZB-Ratsmitglied am Freitag auf einer Veranstaltung in Warschau. Wie lange diese dann dauerten, sei schwer zu sagen.

Die EZB steht unmittelbar vor einem Führungswechsel. Die Ära Mario Draghi endet in wenigen Tagen. Ab November übernimmt die ehemalige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, das Ruder bei der EZB. Sie hatte bereits in Aussicht gestellt, dass unter ihrer Führung die Strategie überprüft wird. Experten zufolge wird es aber einige Zeit dauern, bis die EZB hier zu Ergebnissen kommt. Letztmalig hatte sie ihre Strategie vor 16 Jahren überarbeitet.

Bisher strebt die Notenbank eine Inflation von knapp unter zwei Prozent an, was sie als optimalen Wert für die Wirtschaft und die Stabilität des Euro erachtet. Allerdings verfehlt sie dieses Ziel bereits seit Frühjahr 2013. (TT.com, APA, Reuters)