Letztes Update am Di, 29.10.2019 13:37

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kollektivvertrag

Metaller-KV: Löhne und Gehälter steigen im Schnitt um 2,7 Prozent

Arbeitgeber und Gewerkschaften einigten sich auf ein Erhöhung je nach Beschäftigungsgruppe zwischen 2,6 Prozent und 2,8 Prozent, Der Mindestlohn steigt auf 2000 Euro. Jubiläumsgelder können in bezahlte Freizeit umgewandelt werden.

Die Gewerkschafter Karl Dürtscher (GPA-djp, r.) und Rainer Wimmer (Pro-GE) am Beginn der fünften Verhandlungsrunde.

© APADie Gewerkschafter Karl Dürtscher (GPA-djp, r.) und Rainer Wimmer (Pro-GE) am Beginn der fünften Verhandlungsrunde.



Wien – Die Gewerkschaft forderte 4,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt für die 130.000 Beschäftigten in der Metalltechnischen Industrie, die Arbeitgeber boten bis zuletzt 1,8 Prozent: Am Montagabend einigten sich Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter nach elfstündigen Verhandlungen in der fünften Runde auf eine Erhöhung der Ist- und KV-Löhne sowie -Gehälter um im Schnitt 2,7 Prozent.

Die niedrigen Gehalts- und Lohngruppen werden um 2,8 Prozent erhöht, mittlere um 2,7 Prozent und hohe um 2,6 Prozent. Außerdem wird der kollektivvertragliche Mindestlohn bzw. das Mindestgrundgehalt von derzeit 1.915 auf 2000 Euro brutto pro Monat angehoben. Die Zulagen steigen um 2,6 Prozent, die Lehrlingsentschädigungen um 2,7 Prozent und die Diäten um 2 Prozent. Im Falle von gescheiterten Verhandlungen in der fünften Runde hatte die Gewerkschaft bereits vorsorglich Betriebsversammlungen in ganz Österreich geplant.Im Vorjahr einigten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer nach sieben Verhandlungsrunden auf eine Erhöhung von 3,5 Prozent. Die Gewerkschaft hatte damals zu Beginn fünf Prozent gefordert. Für den Fall einer Nicht-Einigung hatten die Arbeitnehmervertreter vorsorglich ab morgen österreichweit Betriebsversammlungen geplant.

Allgemeine Zufriedenheit

Der neue Kollektivvertrag gilt ab 1. November für zwölf Monate. Auch im Rahmenrecht einigten sich die KV-Verhandler auf Änderungen: Jubiläumsgelder können von Beschäftigten ab April 2020 in bezahlte Freizeit umgewandelt werden. Der Verbrauch kann dabei individuell vereinbart werden.

Arbeitgeber und Gewerkschaft zeigten sich mit dem Abschluss angesichts der Konjunktureintrübung zufrieden. „Der neue Mindestlohn mit 2000 Euro hat eine enorme sozialpolitische Signalwirkung“, so die gewerkschaftlichen Chefverhandler Rainer Wimmer (PRO-GE) und Karl Dürtscher (GPA-djp). Der Obmann des WKÖ-Fachverbands Metalltechnische Industrie (FMTI), Christian Knill, bezifferte im Ö1-“Morgenjournal“ die Kosten des KV-Abschlusses für die Betriebe mit rund 180 Millionen Euro.

Die Unternehmen der Metalltechnische Industrie erzielten im Jahr 2018 einen Produktionswert von rund 39 Mrd. Euro. Zu den größten Firmen der Branche zählen unter anderem der Anlagenbauer und Technologiekonzern Andritz, der Seilbahnhersteller Doppelmayr, der Beschlägehersteller Julius Blum und der Kranhersteller Palfinger. Zur Metalltechnischen Industrie in Österreich gehören insgesamt rund 1200 Unternehmen aus den Bereichen Maschinenbau, Anlagenbau, Stahlbau, Metallwaren und Gießerei. Die Branche ist stark exportorientiert.

SPÖ lobt Einigung, NEOS für mehr Netto vom Brutto

SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner lobt die Einigung. „Gratulation an Rainer Wimmer (PRO-GE) und Karl Dürtscher (GPA-djp) für das starke Ergebnis und den Lohnabschluss von +2,7 Prozent“, so Rendi-Wagner. Für NEOS-Wirtschaftssprecher Sepp Schellhorn profitiert der Staat am meisten vom Lohnplus.

Die SPÖ drängt auf eine Steuersenkung für Arbeitnehmer und will die Einkommenssteuer bis 1700 Euro brutto monatlich streichen.

Das Lohnplus bringt dem Finanzminister und der Sozialversicherung zusätzliche Einnahmen. „Am Ende kommen nämlich nur etwa 44 Prozent der Erhöhung auch bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an“, verwies Schellhorn auf Berechnungen der NEOS. Er fordert, dass die Lohnnebenkosten kräftig gesenkt werden: „Wir wollen mehr Netto vom Brutto.“ (APA)