Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 02.11.2019


Nummer-1-Sportart

Milliarden-Match Fußball wird noch größer

Emotionen und Milliarden: „Fußball ist und bleibt die weltweite Nummer-1-Sportart“, sagte UEFA-Direktor Martin Kallen in Sölden. Die Reichen werden immer reicher, eine Superliga ist zumindest bis 2024 vom Tisch.

Auf dem europäischen Fußball-Gipfel: Der FC Liverpool jubelt über den Champions-League-Sieg.

© imago images / Pro ShotsAuf dem europäischen Fußball-Gipfel: Der FC Liverpool jubelt über den Champions-League-Sieg.



Von Alois Vahrner

Sölden — Nach Bayern-München-Präsident Uli Hoeneß holte Söldens Seilbahn-Chef Jack Falkner den obersten Boss aller UEFA-Events (von der Europameisterschaft bis zur Champions League), den Schweizer Martin Kallen, zum Talk in den Ice Q hoch über Sölden. Die Europäische Fußball-Union UEFA mit Sitz in Nyon in der Schweiz wurde 1954 gegründet. Heute dirigiert und organisiert sie für ihre 55 Mitgliedsländer ein Milliarden-Business, die Zahl der Mitarbeiter ist rasant auf 800 gewachsen.

Im Jahr 1955 wurde erstmals der Europacup der Meister eingeführt, 1992 kam mit der dann kräftig ausgeweiteten Champions League ein gewaltiger Entwicklungsschritt. Die erste Europameisterschaft fand 1960 mit damals vier Mannschaften statt (acht ab 1990, 16 ab 1996), bei der EURO 2020 zum 60-Jahr-Jubiläum erstmals in zwölf Ländern sind 24 Teams am Start. Ebenfalls organisiert werden Europa League, Nations League sowie große europäische Frauen-, Nachwuchs- und Hallenfußball-Bewerbe. „Jeder Wettbewerb hat seine eigene, von uns gepflegte Identität", betont der UEFA-Stratege.

Fußball sei im weltweiten Sport die Nummer 1, so Kallen. Allein die Live-Übertragung des UEFA-Champions-League-Finales habe weltweit mehr als 160 Millionen Zuschauer und damit auch deutlich mehr als das Super-Bowl-Finale (135 Millionen). Bei der Europameisterschaft werden insgesamt fünf Mrd. TV-Zuseher und drei Mio. Zuseher in den Stadien erwartet. Dementsprechend werden auch immer noch größere Summen bewegt. Als UEFA schaue man darauf, möglichst viel für die Vereine und Verbände mit einer hochprofessionellen und zentralen Vermarktung herauszuholen. In der Champions League hat die UEFA etwa acht Sponsoren, die mit zweistelligen Millionenbeträgen tief in ihre Schatulle greifen müssen (genaue Zahlen werden nicht genannt).

Riesensummen kommen durch die TV-Vermarktung herein. Hier werden verschiedene Pakete an die Bestbieter verkauft. Die Champions League ist so allerdings praktisch nur noch im Pay-TV zu sehen. Die TV-Rechte für die EURO 2020 seien in Deutschland erstmals nicht mehr an ARD und ZDF, sondern an die Deutsche Telekom verkauft worden. Aufpassen werde man aber, dass Fußball für die Jugend (und damit auch den künftigen Kicker-Nachwuchs) auch über Streaming und soziale Netzwerke trotzdem noch zugänglich bleibt, sagt Kallen. Die UEFA setze massiv auf die Digitalisierung. Partner der Zukunft seien auch Amazon, Google, Facebook oder Alibaba. Daten seien „das Geld der Zukunft", mit „unserem neuen Baby" UEFA TV werde man auch zum Medienhaus.

Seit 1996 sind die gesamten Fußball-Umsätze in Europa laut Kallen von 2,8 auf über 21 Mrd. Euro explodiert. Etwa 80 Prozent davon kommen allein aus den fünf größten Märkten England (5,4 Mrd. Euro), Deutschland (3,2), Spanien (3,1), Italien (2,3) und Frankreich (1,7). Der sechste ganz große Markt liege außerhalb Europas, in Amerika und noch mehr in Asien. Die Kluft zwischen Reich und Arm bei den Vereinen geht so auch immer weiter auf: 488 Erstliga-Vereine in Europa liegen unter 10 Mio. Euro Jahresumsatz, 125 zwischen 10 und 50 Mio. Euro, 45 zwischen 50 und 100 Mio. Euro, 44 zwischen 100 und 250 Mio. Euro und 15 bei mehr als 500 Mio. Euro. In Front liegen Barcelona, Real Madrid, Manchester United, Manchester City und Bayern München.

Die Diskussion über eine Europa-Superliga der reichsten Clubs ist laut Kallen zumindest bis 2024 vom Tisch. Aus seiner Sicht wahrscheinlich sogar danach, weil die Großen wie Bayern München oder Juventus Turin ihren Nimbus auch deshalb haben, weil sie Serienmeister im eigenen Land sind.

In Sölden gab UEFA-Direktor Martin Kallen (rechts, mit Jack Falkner) Einblicke ins Milliarden-Business Fußball.
In Sölden gab UEFA-Direktor Martin Kallen (rechts, mit Jack Falkner) Einblicke ins Milliarden-Business Fußball.
- Vahrner