Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.11.2019


Standort

Bodenverbrauch in Österreich wächst schneller als Bevölkerung

Durch den Verlust von Boden seien bereits jetzt die heimische Lebensmittelversorgung und Tausende Arbeitsplätze gefährdet.

Vor den Folgen des immer schneller wachsenden Bodenverbauchs warnt die Hagelversicherung.

© iStockphotoVor den Folgen des immer schneller wachsenden Bodenverbauchs warnt die Hagelversicherung.



Wien – „Der Bodenverbrauch gefährdet den Standort Österreich.“ Mit dieser Aussage lässt der Direktor der Hagelversicherung Kurt Weinberger aufhorchen: „Weniger Äcker und grüne Wiesen bringen schwer wiegende Konsequenzen mit sich.“ Durch den Verlust von Boden – im Schnitt der letzten 10 Jahre 20 Hektar oder 30 Fußballfelder pro Tag – seien bereits jetzt die heimische Lebensmittelversorgung und Tausende Arbeitsplätze gefährdet.

Seit 2001 hätte man 117.000 Hektar verbaut, das entspreche beinahe der gesamten Ackerfläche des Burgenlands. Zudem sei Österreich als attraktives Tourismusland durch den unkontrollierten Wildwuchs von Straßen oder Einkaufszentren massiv gefährdet, warnt Weinberger.

Laut einer AGES-Studie droht bei fortschreitender Entwicklung des Bodenverbrauchs bis 2060 eine Unterversorgung bei Getreide, Mais oder Kartoffeln. Zudem sinke der Grad der Selbstversorgung: Bei Brotgetreide lag er in den letzten Jahren nur noch bei 86 Prozent. „Vom Asphalt kann man nicht abbeißen“, ätzt daher Weinberger. Er fordert, dass „besonders wertvolle Agrarflächen gesetzlich unter Schutz gestellt werden“. Ansonsten sei der Standort Österreich für künftige Generationen gefährdet.

Die Umfrage „Wie geht’s Österreich?“ wurde laut Statistik Austria mit „generell gut“ beantwortet – die TT berichtete. Lediglich beim Thema Bodenverbrauch rutscht die Statistik ins Negative. Konrad Pesendorfer, Chef der Statistik Austria errechnete, dass die Flächeninanspruchnahme von 2001 bis 2018 um 26 % gestiegen ist. Dieser Schlüsselindikator zeigt, wie sich die Flächennutzung für Bau, Verkehr und sonstige Zwecke (z. B. Freizeit) entwickelt. „Damit wuchs die Flächenbeanspruchung seit 2001 deutlich schneller als die österreichische Bevölkerung mit plus 9,9 Prozent“, rechnet Pesendorfer vor. Besonders folgenschwer sei dabei die fortschreitende Bodenversiegelung, also die Abdeckung des Bodens durch wasserundurchlässige Schichten, etwa Asphalt und Beton. Der Anteil der versiegelten Flächen an den Siedlungs- und Verkehrsflächen betrug 2018 immerhin 41,2 Prozent. (ver)

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