Letztes Update am Do, 28.11.2019 12:12

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ökosystem

WWF: Österreich negativer Rekordhalter beim Wasserkraftausbau

Laut WWF seien 300 Millionen Euro an Förderungen vergeben worden ohne dass dabei auf die Naturverträglichkeit geachtet wurde.

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Wien – „Gestaut, blockiert und abgeleitet - die letzten Flussparadiese Österreichs sind in Gefahr“, warnt der WWF anlässlich der heute präsentierten europaweiten Studie zum Ausbau der Wasserkraft („Hydropower Pressure on European Rivers“). Die Umweltschützer sprechen von einem „gigantische Ausmaß der Wasserkraftnutzung in Europa“, wobei Österreich „im negativen Spitzenfeld zu finden ist“.

Hierzulande seien, inklusive Kleinkraftwerke, mehr als 4300 bestehenden Anlagen vorhanden. „Wasserkraft ist zwar eine erneuerbare Energieform, allerdings haben die Staumauern, Ableitungen und künstliche Wasserstandsschwankungen dramatische Folgen für die betroffenen Flüsse, so der WWF. Dennoch seien hunderte weitere Kraftwerke in Planung, davon jedes dritte in einem bestehenden Schutzbereich.

Als Beispiele zählt der WWF die Kamp in Niederösterreich, die Saalach in Salzburg, die Schwarze Sulm in der Steiermark, der Kalserbach und das Kaunertal in Tirol sowie das Kraftwerk Meng in Vorarlberg.

8700 weitere Anlagen geplant

Europaweit seien mehr als 21.000 größere Wasserkraftwerke (über 0,1 MW Leistung) in Betrieb. Gleichzeitig würden nur mehr 40 Prozent der Flüsse einen guten Zustand aufweisen. „Dennoch sind 8700 weitere Anlagen geplant oder im Bau, wobei 28 Prozent davon in bestehenden Schutzgebieten errichtet werden. Österreich ist im europäischen Vergleich negativer Rekordhalter“, so die Umweltschützer.

Kritisch sieht der WWF Groß- wie Kleinanlagen, wobei letztere die Mehrzahl der Kraftwerke darstellen würden. „Der Beitrag zur Energieversorgung ist damit gering. Laut Umweltministerium erfüllt nur eines von fünf österreichischen Kraftwerken die ökologischen Mindeststandards im Hinblick auf Durchgängigkeit und Restwasserdotierung“, warnen die Umweltschützer. In den vergangenen 15 Jahren sei der Aus- und Neubau von mehr als 300 Wasserkraftwerken vom Staat mit Förderungen in Millionenhöhe bedacht, worden ohne, dass dabei auf die Naturverträglichkeit geachtet wurde. (APA)