Letztes Update am Do, 28.11.2019 23:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gewerkschaften

Personalvertreterwahl: Jubel bei FCG, nüchterne Bilanz bei FSG

Bei den Personalvertretungswahlen des Bundes hat die Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG) ihre absolute Mehrheit verteidigt.

GÖD Vorsitzender-Stellvertreter Hannes Gruber (FSG), GÖD-Vorsitzender Norbert Schnedl (FCG) und GÖD-Vorstandsmitglied Gary Fuchsbauer (UG).

© APAGÖD Vorsitzender-Stellvertreter Hannes Gruber (FSG), GÖD-Vorsitzender Norbert Schnedl (FCG) und GÖD-Vorstandsmitglied Gary Fuchsbauer (UG).



Wien – Bei den Personalvertretungswahlen des Bundes hat die Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG) ihre absolute Mehrheit verteidigt. Laut dem Vorläufigen Ergebnis, das der Vorsitzende der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD), Norbert Schnedl (FCG), am Donnerstagabend verkündete, legte die FCG um 0,75 Prozentpunkte zu und erreichte 53,79 Prozent.

Die Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG) musste im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren ein Minus von 1,35 Prozentpunkten hinnehmen. Mit 25,33 Prozent hielt die FSG aber klar Platz zwei. Die Unabhängigen Gewerkschafter (UGÖD), in denen auch die Grünen vertreten sind, legten um 1,22 Prozent zu und schafften 11,98 Prozent. Die freiheitliche AUF verlor 0,5 Prozentpunkte und kam auf 6,75 Prozent. Sonstige Listen erreichten 2,16 Prozent (plus 0,73).

Wahlbeteiligung von fast 80 Prozent

Norbert Schnedl, Vorsitzender der Christgewerkschafter, hat sich am Donnerstagabend bei der Verkündung der Ergebnisse der Personalvertretungswahlen des Bundes sehr über die absolute Mehrheit gefreut. „Es ist nicht selbstverständlich, dass man eine Absolute noch ausbauen kann“, sagte er. Freude bereitete ihm auch die sich abzeichnende hohe Wahlbeteiligung von fast 80 Prozent.

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Schnedl sieht in dem Wahlergebnis von vorläufig 53,79 Prozent einen „klaren Auftrag für die Arbeit in der Zukunft“, sagte er bei einem Medientermin nach der Auszählung der meisten Stimmen. Er bedankte sich bei allen Mitwirkenden für ihren Einsatz und bei der Konkurrenz für einen „fairen Wahlkampf“, in dem es viele Inhalte und wenige Untergriffe gegeben habe. Persönlich freue ihn das gute Abschneiden bei der Exekutive am meisten – „als ehemaliger Gendarm“, wie Schnedl sagte.

Sozialdemokraten weniger erfreut

Weniger erfreut zeigte sich am Donnerstagabend Hannes Gruber, Vorsitzender der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter. Sehr fair gratulierte er seinen Konkurrenten zu den Zugewinnen, für ihn selbst war das Ergebnis von 25,3 Prozent und einem Minus von mehr als einem Prozentpunkt lediglich „ganz ok“. Die Turbulenzen in der Bundes-SPÖ wollte Gruber nicht als Ausrede gelten lassen, „aber förderlich war das sicher nicht“, merkte er an.

Trotz der Einbußen strich der FSG-Vorsitzende einige Lichtblicke hervor – und nannte etwa die Tatsache, dass man in der Bundespräsidentschafts-Kanzlei die Führung ausgebaut habe. Auch gut abgeschnitten habe man im Zentralausschuss der Pflichtschullehrer in Wien, berichtete er.

„Persönlich ein bissl weh“ tut Gruber das Ergebnis bei der Polizei, kommt er doch wie Schnedl aus diesem Bereich. „Aber ihr habt es offenbar besser gemacht“, sagte er zu seinem FCG-Gegenüber und ergänzte: „Dafür, dass wir bei der Polizei so viel verloren haben, haben wir insgesamt gar nicht so schlecht abgeschnitten“.

Gary Fuchsbauer, Vorsitzender der Unabhängigen Gewerkschafter im Öffentlichen Dienst, bei denen auch den Grünen vertreten sind, freute sich über das leichte Plus und über die hohe Wahlbeteiligung. „Ich war im Lauf des Tages immer wieder erfreut und frustriert“, gewährte er Einblicke in sein Gefühlsleben. Ein besseres Ergebnis hätte er sich persönlich bei den Lehrern gewünscht, meinte er, betonte aber sofort, dass er seine Arbeit in der GÖD fortsetzen möchte.

AUF-Herbert mit Ergebnis zufrieden

Der Spitzenkandidat der freiheitlichen AUF, Werner Herbert, ist mit seinem Ergebnis bei den Personalvertretungswahlen „zufrieden“. An den beiden Wahltagen habe man doch gemerkt, dass die bundespolitische Komponente durchgeschlagen habe, meinte Herbert gegenüber der APA in Anspielung auf die Turbulenzen bei der FPÖ.

Konkret zu den Verlusten von 0,5 Prozentpunkten meinte Herbert, dass die AUF ihr Ergebnis „im Grunde gehalten“ habe. Er sprach von einem „sehr ambivalenten Ergebnis“, man habe verloren, wo man eigentlich nicht damit gerechnet habe, aber auch gewonnen, wo man nicht damit gerechnet habe. So habe es etwa in der Verwaltung interessante Zuwächse gegeben, dafür aber bei der Polizei Verluste, sagte Herbert, der selbst bei der Polizei kandidierte. Unterm Strich habe sich das fast ausgeglichen. Bei den Diensthunden etwa stelle die AUF künftig den Vorsitzenden. Positiv bewertete Herbert, dass man etwa ein Drittel Kandidaturen mehr geschafft habe als 2014, das lasse für die Zukunft hoffen.

ÖVP-Chef Kurz gratulierte persönlich zum FCG-Erfolg

ÖVP-Chef Sebastian Kurz hat der Fraktion Christlicher Gewerkschafter am Donnerstag persönlich zum Erfolg bei den Personalvertretungswahlen gratuliert. Bei seinem Besuch in der GÖD-Zentrale beschwor er die „richtige Richtung“ und stellte ebenso wie FCG-Vorsitzender Norbert Schnedl und ÖVP-Klubobmann August Wöginger fest, dass es keine Selbstverständlichkeit sei, absolute Mehrheiten zu verteidigen.

„Es ist eine Auszeichnung für uns, dass Sebastian Kurz zu uns gekommen ist“ kündigte Schnedl den „obersten Chef“ bei der Wahlfeier an. „Wir haben Personalvertretungs-Wahlen gehabt, das ist klar. Aber es schadet natürlich nicht, wenn an der Spitze einer christlich-sozialen Partei ein sehr erfolgreicher junger Mann steht“, stellte er wie schon zuvor bei einem Medientermin fest. „Das ist wirklich eine tolle Sache.“

„Ich freue mich wirklich, dass ich einen Sprung bei euch sein kann“, sagte Kurz dann im dichten Gedränge. Wahlen gewinnen, das könne die ÖVP, das habe man in den letzten Jahren gesehen, stellte Kurz fest. Aber bei einer absoluten Mehrheit noch dazuzugewinnen, das sei eine „besondere Leistung“, würdigte der ÖVP-Obmann das Ergebnis der schwarzen Gewerkschafter.

„Genießen wir den Moment“, forderte er die Menge auf, „denn es werden auch wieder andere Zeiten kommen“, so Kurz. Ganz herzlich bedankte er sich auch bei August Wöginger, der seiner Ansicht nach bei jeder erfolgreichen Wahl seinen Beitrag geleistet habe und ein „Garant für diesen Erfolg“ sei.

Wöginger selbst hob – zwischen „Gustl“-Sprechchören – den Zusammenhalt innerhalb der FCG hervor. „Wer zusammenhält und wer sich gegenseitig unterstützt, der gewinnt auch Wahlen“, sagte er. „Absolute Mehrheiten zu verteidigen ist keine Selbstverständlichkeit“, gab er sich überzeugt und bedankte sich bei Schnedl mit den Worten: „Das ist auch dein Verdienst.“

Das Plus der Christgewerkschafter bei der Polizei strich auch Kurz hervor, ebenso wie ein kleines Plus im Innenministerium. Sein Ansinnen diesbezüglich betonte er am Donnerstag vor gespannter Menge: „Egal wie die nächste Regierung ausschauen wird, das Innenministerium sollte wieder ÖVP-geführt sein“, sagte Kurz unter kräftigem Beifall. Und Schnedl beteiligte sich mit einer Idee an den Plänen des ehemaligen Kanzlers: „Minister zu uns, Staatssekretäre zu den anderen“. (APA)