Letztes Update am Mo, 02.12.2019 15:57

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Geldpolitik

Neue EZB-Chefin stellt baldige Strategieüberprüfung in Aussicht

Die letzte Überprüfung der Strategie geschah vor 16 Jahren. Die EZB strebt mittelfristig knapp unter zwei Prozent Inflation als Idealwert für die Wirtschaft an, verfehlt dieses Ziel aber bereits seit Frühjahr 2013.

EZB-Chefin Christine Lagarde.

© AFPEZB-Chefin Christine Lagarde.



Frankfurt – Die Europäische Zentralbank (EZB) will unter ihrer neuen Präsidentin Christine Lagarde bald mit der geplanten Überprüfung ihrer geldpolitischen Strategie beginnen. Dies werde „in naher Zukunft“ geschehen, sagte sie am Montag bei ihrer ersten turnusmäßigen Anhörung im Wirtschafts- und Währungsausschuss (ECON) des EU-Parlaments in Brüssel. Letztmalig sei dies im Jahr 2003 erfolgt.

Eine Frage, die alle Zentralbanken beschäftige, sei, wie sich das mittelfristige Ziel der Geldpolitik am besten definieren lasse. Dabei hat die EZB-Chefin auch die Inflationserwartungen an Finanzmärkten im Blick, die nicht aus dem Ruder laufen sollen.

Mehr zum Thema

Univ. Prof. Jürgen Huber, Finanzexperte von der Uni Innsbruck kritisiert Berechnung der Inflation: Bei realistischer Rechenart wäre Preissteigerung im Schnitt doppelt so hoch.

Die EZB strebt mittelfristig knapp unter zwei Prozent Inflation als Idealwert für die Wirtschaft an, verfehlt dieses Ziel aber bereits seit Frühjahr 2013. Im November lag die Teuerung lediglich bei 1,0 Prozent. „Das Wachstum im Euroraum bleibt schwach“, sagte Lagarde. Die Geldpolitik könne aber selbst dann wirksam antworten, wenn das Wachstum durch externe Faktoren gedämpft werde. Sie könne dies tun, indem sie günstige Finanzierungsbedingungen für alle Bereiche der Wirtschaft sicherstelle.

Neue billionenschwere Anleihenkäufe umstritten

Die Französin leitet die Euro-Notenbank seit November. Sie löste den Italiener Mario Draghi ab, dessen Amtszeit nach acht Jahren im Oktober endete. Lagarde, die erste Frau an der Spitze der Notenbank, erbte einen geldpolitisch gespaltenen Rat. Das große Maßnahmenpaket zur Stützung der schwächelnden Konjunktur, das die EZB im September beschlossen hatte, blieb in Teilen intern umstritten. Dies betraf vor allem den Neustart der billionenschweren Anleihenkäufe.

Die ehemalige französische Finanzministerin hat erste Schritte unternommen, um die Wogen im EZB-Rat wieder zu glätten. So lud sie die Währungshüter Mitte November zu einem informellen Treffen außerhalb der EZB ein, um sich über die künftige Arbeit des EZB-Rats auszutauschen. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos nannte in einem am Montag veröffentlichten Interview mit der Zeitung „El Mundo“ die Schaffung von Konsens unter den Währungshütern als eine der Top-Prioritäten der neuen EZB-Präsidentin. (APA, Reuters)