Letztes Update am Di, 11.01.2011 22:36

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Norwegische Studie

Rauchverbot ohne negative wirtschaftliche Folgen für Gastro

Lediglich der durchschnittliche Pro-Kopf-Anteil für Restaurant- und Kneipenbesuche beim privaten Konsum ging minimal zurück.



Oslo/Berlin – Auch strikte Rauchverbote haben offenbar geringere negative Auswirkungen auf die Gastronomie, als von Branchenvertretern bisher behauptet. Stattdessen können sie einer aktuellen norwegischen Studie zufolge Gastwirten und Restaurantbesitzern kurzfristig sogar zusätzliche Einnahmen beschaffen.

Laut der Untersuchung haben Rauchverbote auch langfristig keine negativen wirtschaftlichen Folgen für die Betriebe. Die durchschnittlichen Einnahmen in Restaurants und Kneipen Norwegens hätten sich nach Einführung des Rauchverbotes im Juni 2004 auch drei Jahre später nicht nennenswert verändert, heißt es in einem aktuellen wissenschaftlichen Beitrag für die Zeitschrift „European Journal of Health Science“, welcher der dapd Nachrichtenagentur vorliegt.

Einnahmen gestiegen

In absoluten Zahlen seien die Einnahmen der Kneipen preisbereinigt im ersten Jahr nach Verbotsbeginn um 1,2 Prozent, die der Restaurants sogar um 2,5 Prozent gestiegen, schreiben die norwegischen Gesundheitsökonomen Hans Olav Melberg und Karl E. Lund. Die Autoren verweisen darauf, dass in der Studie erstmals die Entwicklung über einen längeren Zeitraum vor und nach Einführung eines Rauchverbots - in diesem Fall von 1999 bis 2007 - untersucht worden sei.

Zudem müssten bei der Bewertung der Studie die besonderen Gegebenheiten für die Raucher in Norwegen berücksichtigt werden. Denn diese müssten dort zum Rauchen ausnahmslos vor die Tür gehen und das, obwohl die Temperaturen im Winter wie im Sommer deutlich kälter seien als in den meisten anderen Ländern.

Da aber viele Restaurants seit Einführung des Verbotes für die Raucher Decken, Heizgeräte und Unterstände zur Verfügung stellten, hätten sich offenbar deutlich weniger Raucher vom Gaststättenbesuch abhalten lassen als erwartet, folgern die Ökonomen.

Pro-Kopf-Anteil für Restaurantbesuche ging zurück

Lediglich der durchschnittliche Pro-Kopf-Anteil für Restaurant- und Kneipenbesuche beim privaten Konsum ging den Angaben zufolge im ersten Jahr nach Beginn des Rauchverbots verglichen mit dem Jahr davor minimal zurück (Restaurantbesuche von 1,65 Prozent auf 1,57 Prozent, Kneipenbesuche 0,077 Prozent auf 0,071 Prozent).

Die ausgewerteten Daten für die Studie stammen nach Angaben der Studienautoren vom Norwegischen Amt für Statistik (Statistics Norway). Das Amt berechnet unter anderem die Einnahmen der gastronomischen Betriebe auf Basis von Informationen der Steuerbehörden, welche wiederum die Mehrwertsteuerangaben der Betriebe erhalten.

Keine Schließungen, aber Umsatzeinbußen

Seit 1. Juli 2010 darf in Österreich nicht mehr in allen Gastronomiebetrieben geraucht werden. Jetzt, ein halbes Jahr, nachdem der neue Nichtraucherschutz voll in Kraft getreten ist, zieht die Gastronomie eine erste Bilanz.

Zu einer Schließung von Lokalen durch die Tabakgesetzgebung sei es nicht gekommen. Umsatzeinbußen habe es allerdings in jenen 70.000 Gastronomiebetrieben gegeben, in denen die Speisenverabreichung nicht im Vordergrund stehe: in Bars, Diskotheken und Beisln.

Neben den Bars und Diskotheken haben laut Hackl auch so genannte Mischbetriebe, die ein bisschen Café, Restaurant und Bar sein wollen, mit der neuen Tabakgesetzgebung Probleme. (dapd, APA, ft)




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