Letztes Update am Mo, 02.09.2013 11:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Europa

Gedränge auf der Akropolis: Griechischer Tourismus boomt

Besonders vormittags, wenn die Besucher von den Kreuzfahrtschiffen zu Tausenden auf den Hügel strömten, würden unter der heißen Sonne Athens unerträgliche Zustände entstehen.

© thomas boehmDer Parthenon-Tempel auf der Akropolis in Athen.



Athen - Griechenland erwartet in diesem Jahr einen neuen Tourismusrekord. Die griechische Zentrale für Fremdenverkehr (EOT) rechnet mit mehr als 11,5 Millionen Touristen. Doch der Tourismusboom führt zu erheblichen Problemen - vor allem auf dem Wahrzeichen Athens, der Akropolis.

„Es kommt zu einem fürchterlichen Gedränge“, sagte die Archäologin Eleni Stylianou der Nachrichtenagentur dpa am Montag. Besonders vormittags, wenn die Besucher von den Kreuzfahrtschiffen zu Tausenden auf den Hügel strömten, würden unter der heißen Sonne Athens unerträgliche Zustände entstehen. Denn die Touristen müssen manchmal beim Kartenverkauf und dem anschließenden Aufstieg eines Berges mehr als eine Stunde lang in der Sonne bei Temperaturen über 38 Grad ausharren, sagen Fremdenführer und Archäologen übereinstimmend.

Nach Ansicht der Archäologin Stylianou können „auf einmal“ auf der Akropolis nicht mehr als 4.000 Menschen sein. Es gebe aber Tage, an denen mehr als 12.000 Touristen versuchen, sich durch das enge Nadelöhr der Propyläen, dem Vorhof zur Akropolis, zu drängen.

Das Problem will nun eine Kommission des Kulturministeriums lösen. In enger Kooperation mit den Kreuzfahrtschiff-Reedereien sollen die Touristen staffelweise zur Akropolis und anderen Sehenswürdigkeiten der Stadt gebracht werden, berichtete die griechische Zeitung „To Vima“ auf ihrer Homepage.

Jobkrise noch lange nicht überwunden

Eine deutliche Besserung am krisengebeutelten griechischen Arbeitsmarkt dürfte nach Einschätzung der dortigen Gewerkschaften noch 20 Jahre dauern. So lange müsse gewartet werden, bis die Arbeitslosenquote unter die Zehn-Prozent-Marke fällt, heißt es im Jahresbericht des Arbeitsinstituts des größten Gewerkschaftsverbandes des Privatsektors (INE-GSEE). Aktuell liegt sie laut EU-Statistikbehörde bei 27,6 Prozent.

Dem Bericht zufolge ist die Kaufkraft der Griechen auf das Niveau von vor 14 Jahren zurückgefallen. Insgesamt hätten die griechischen Arbeitnehmer wegen der harten Sparpolitik des Landes in den vergangenen vier Jahren 41 Milliarden Euro an Einkommen verloren. Auch dieses Jahr wird mit einem weiteren Schrumpfen der Wirtschaft um gut vier Prozent gerechnet. Das wäre dann das sechste Minus-Jahr in Folge. Mit einem ersten Silberstreif am Horizont wird laut Finanzministerium erst 2014 gerechnet. Dann soll die Wirtschaft um 0,1 bis 0,3 Prozent wachsen.

Budgetüberschuss 2013?

Griechenland macht bei der Sanierung seines Budgets Fortschritte. Das Land komme seinem Ziel, in diesem Jahr einen sogenannten Primärüberschuss zu erzielen, immer näher, sagte der stellvertretende griechische Finanzminister Christos Staikouras am Montag in Athen. Darunter versteht man einen Haushaltsüberschuss des Staates, der allerdings die Zinsausgaben für Schulden ausblendet.

Das Land habe in den ersten sieben Monaten des Jahres mehr eingenommen als ausgegeben, sagte Staikouras, wobei der Zinsendienst nicht berücksichtigt ist. Der Überschuss betrage 2,6 Milliarden Euro. Ein Überschuss bis Ende des Jahres werde Griechenland neue Verhandlungsmöglichkeiten geben.

Experten führten die positive Entwicklung darauf zurück, dass Athen seit Monaten nur noch die dringendsten Rechnungen bezahle und in allen Bereichen den Gürtel enger schnalle. Ein echter ausgeglichener Haushalt unter Berücksichtigung des Schuldendienstes stehe dagegen noch in weiter Ferne. (APA/dpa)