Bundesliga
Eventtourismus für Randale als Fußballspiel getarnt
Von Florian Madl
Innsbruck – Gerald Falger schmerzte gestern der Kopf, Hand und Ellbogen tragen seit dem Rapid-Spiel am Sonntag Verbände. Nichts, was dem Sicherheitsschef des FC Wacker Innsbruck den Nerv ziehen könnte: „Dafür habe ich in den vergangenen 15 Jahren im Fußball schon zu viel mitgemacht.“ Früher waren es Baseballschläger, vorgestern eben Kanthölzer und Flaschen, derer sich geschätzte 50 Randalierer nach Spielschluss vor dem Stadion bedienten. Über den Hergang ist man sich uneinig: Wacker-Sympathisanten monieren, provoziert worden zu sein. Schon um 10 Uhr vormittags musste etwa die Exekutive Rapid-Fans vom Außengelände der Nordtribüne entfernen. Andere behaupten, die Unverbesserlichen der ansonsten friedlichen Wacker-Fans hätten sich nach Spielschluss den Weg zu frustrierten Wienern gebahnt. Sicherheitsschef Falger wunderte das gewaltvolle Aufeinandertreffen jedenfalls nicht: „Ich war mir sicher, dass im Rapid-Spiel etwas passieren würde.“
In der Geschäftsstelle des Vereins reagierte man gestern auf die Vorfälle jedenfalls verärgert: „Unser Problem sind junge Randalierer, die Spiele als Eventtourismus betrachten. Für die sind Auswärtsspiele geradezu Festfahrten“, stellte Gerald Schwaninger fest. Das typische Bild eines Randalierers will der Fanbeauftragte des Vereins, Florian Sitz, nicht erkennen: „Die gehören zu allen Schichten und Berufsgruppen. Berufstätigte sind genauso darunter wie Arbeitslose, allesamt schwer zuordenbar. Vor allem bei Auswärtsspielen können sie aus einer Anonymität heraus Schaden anrichten. Ein Projekt im Herbst beschäftigt sich mit dem Thema, langfristig könnten nur Sozialarbeiter dem Problem auf den Grund gehen.
Ein Fanprojekt im Herbst beschäftigt sich mit dem Thema, auch die Haftungsfrage wird demnächst zur Diskussion stehen: „Mit 60 Euro Strafe und einem Stadionverbot ist es nicht getan. Die Leute haben keine Meldepflicht“, ärgert sich Geschäftsstellenleiter Gerald Schwaninger. Das Ende scheint aus Sicht von Sicherheitsschef Gerald Falger jedenfalls noch nicht erreicht: „Das Rapid-Spiel war ein Abtasten. Ich gehe davon aus, dass im Lauf der Saison noch mehr passiert.“ Mögliche Schauplätze: Auswärtsspiel in Salzburg (24. Juli): Mit den Fans des Vorgängervereins von Red Bull, den Anhängern des Westligisten Austria Salzburg, verbindet Tirol eine aus der Tradition erwachsene Feindschaft. Von einem „Anhängertreffen“, wie es schon in der Ersten Liga stattfand, dürfe man laut Falger ausgehen. Heimspiel gegen Sturm Graz (31. Juli): Die Animositäten zwischen den Fangruppen sind hinlänglich bekannt, Auseinandersetzungen standen in der Vergangenheit an der Tagesordnung. Die links orientierte Wacker-Gruppierung und der rechtsgerichtete Sturm-Anhang konnten noch nie miteinander. Der Begriff „Schlager“ erfährt eine Bedeutungserweiterung...




