Bis 20.000 Besucher bei Gedenkfeier der Kroaten in Bleiburg erwartet

Zagreb/Bleiburg (APA) - Bis zu 20.000 Besucher werden am Samstag, 16. Mai, zur Gedenkfeier anlässlich des 70. Jahrestags des „Massakers von ...

Zagreb/Bleiburg (APA) - Bis zu 20.000 Besucher werden am Samstag, 16. Mai, zur Gedenkfeier anlässlich des 70. Jahrestags des „Massakers von Bleiburg“ am Loibacher Feld bei Bleiburg erwartet. Wie Boze Vukusic vom Veranstalter gegenüber der APA erklärte, werde auch Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic nach Kärnten reisen. Dazu kommen neben Kardinal Josip Bozanic und Mufti Aziz Hasanovic noch mehrere kroatische Abgeordnete.

Auf dem Loibacher Feld wird alljährlich Mitte Mai des Todes von zehntausenden Kroaten durch die Tito-Partisanen unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg gedacht. Die diesjährige Veranstaltung findet unter dem Ehrenschutz der kroatischen Präsidentin Grabar-Kitarovic statt, die aber nach eigenen Angaben keine Rede halten will. Sie sagte in der Vorwoche, dass auf Hinrichtungsstätten nicht politisiert, sondern der Opfer gedacht werden solle. Zugleich forderte sie eine „Verurteilung aller totalitären Regime“.

Vukusic sagte, es gebe noch keine Rednerliste. Von der kroatischen Mitte-Links-Regierung wird kein Vertreter zur Gedenkveranstaltung reisen, die von Kritikern als Versuch der Rehabilitierung des faschistischen Ustascha-Regimes gesehen wird. Alle Mandatare, die zum Loibacher Feld kommen, gehören den konservativen Oppositionsparteien an.

Die Gedenkfeier beginnt um 12.00 Uhr mit Ansprachen, dann folgen Messe und Gebete von Kardinal und Mufti für die Opfer des Massakers. Beim Kärntner Landesamt für Verfassungsschutz rechnet man mit einem ruhigen Ablauf, wie dessen Leiter Helmut Mayer gegenüber der APA erklärte. Erwartet werden vor allem Besucher aus Kroatien und Bosnien-Herzegowina, aber auch aus Deutschland. Neben dem Verfassungsschutz werden Ordnungskräfte und Verkehrspolizei eingesetzt, die Anzahl der Kräfte befindet sich voraussichtlich im zweistelligen Bereich.

jobs.tt.com: Suchen und gefunden werden

Laden Sie Ihren Lebenslauf auf jobs.tt.com hoch und werden Sie von Top-Arbeitgebern aus Tirol gefunden.

Mit dem Ehrenschutz durch die Präsidentin wurde die Gedenkfeier wieder aufgewertet, nachdem das kroatische Parlamentspräsidium 2012 sowohl den Ehrenschutz als auch die finanzielle Unterstützung für die Veranstaltung gestrichen hatte. Diese Entscheidung hatte vor allem in konservativen Kreisen scharfe Kritik ausgelöst, sie war vor dem Hintergrund erfolgt, dass es in den Jahren davor immer wieder zu Zwischenfällen gekommen war, weil Faschisten das Treffen für ihre Zwecke missbrauchen wollte.

Der im Jänner abgewählte kroatische Präsident Ivo Josipovic hatte die Gedenkstätte in Bleiburg im Juni 2010 besucht. Eine Teilnahme an der traditionellen Gedenkfeier lehnte er aber ab, weil viele Teilnehmer dort Ustascha-Symbole zur Schau tragen.

Auf dem Loibacher Feld bei Bleiburg im Kärntner Bezirk Völkermarkt waren 1945 nach der Kapitulation Nazi-Deutschlands rund 40.000 geflüchtete Ustascha-Soldaten mit ihren Familienangehörigen von der britischen Besatzungsmacht an die kommunistischen Tito-Einheiten ausgeliefert worden. Tausende wurden an Ort und Stelle oder auf dem Rückmarsch nach Jugoslawien, der in Kroatien „der Kreuzweg“ genannt wird, ermordet.

Nach der Unterwerfung Jugoslawiens hatte Hitler-Deutschland im Jahr 1941 einen faschistischen Vasallenstaat in Kroatien errichtet. Der „Unabhängige Staat Kroatien“ (NDH) betrieb auch das Vernichtungslager Jasenovac, in dem nach internationalen Expertenerkenntnissen während des Zweiten Weltkrieges 700.000 Serben, Juden und Roma umgebracht wurden.


Kommentieren