Das „Massaker von Bleiburg“ regt in Kroatien noch immer auf

Bleiburg/Zagreb (APA) - Das „Massaker von Bleiburg“ sorgt in Kroatien bis heute für emotionelle Debatten. Im kommunistischen Jugoslawien war...

Bleiburg/Zagreb (APA) - Das „Massaker von Bleiburg“ sorgt in Kroatien bis heute für emotionelle Debatten. Im kommunistischen Jugoslawien war es offiziell kein Thema, seit der Unabhängigkeit Kroatiens ist es aber wieder breit diskutiert worden. Seither nahmen auch immer wieder hochrangige Regierungsmitglieder aus Zagreb an den jährlichen Gedenkfeiern in Südkärnten teil.

Die Gedenkmessen werden bereits seit 1945 zelebriert, zunächst nur von kroatischen Emigranten, seit der Unabhängigkeit ist auch der Zulauf aus Kroatien groß. Die Zagreber Regierung finanzierte dem „Klub kroatischer Heimkehrer aus der Emigration“ den Kauf des 14.230 Quadratmeter großen Grundstücks, auf dem die Gedenkstätte errichtet wurde. Sie wurde 2005 eröffnet und in den folgenden Jahren vom „Ehrenzug von Bleiburg“, einer Organisation kroatischer Veteranen, erweitert.

Im Mai 1945 kam es in der Region um Bleiburg zu einem der letzten Gemetzel des Zweiten Weltkriegs. Bereits nach der Kapitulation des Deutschen Reiches flüchteten etwa 40.000 Ustascha-Soldaten, aber auch Zivilisten, vor den jugoslawischen Partisanen nach Österreich. Dort ergaben sie sich der britischen Besatzungsmacht. Die Briten schickten diese zu den neuen jugoslawischen Machthabern unter Führung von Josip Broz Tito zurück. Die Partisanen töteten zahlreiche Ustascha-Kämpfer noch an Ort und Stelle oder auf dem Rückweg nach Kroatien.

Die meisten Massengräber befinden sich auf dem Gebiet des heutigen Sloweniens. Das vermutlich größte Grab mit geschätzten 15.000 Toten befindet sich in Tezno bei Maribor (Marburg). Es wurde im Jahr 1999 bei Bauarbeiten für die Autobahn entdeckt.

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Die von Ante Pavelic im Jahr 1929 im Exil gegründete Ustascha-Bewegung gelangte in Kroatien 1941 von Hitlers Gnaden als Handlangerin der Nazis an die Macht. Während der Herrschaft der kroatischen Faschisten im NDH-Staat („Nezavisna Drzava Hrvatska“ - Unabhängiger Staat Kroatien) wurden mehrere hunderttausend Serben, Juden, Roma und kroatische Antifaschisten ermordet.

Nach dem Zusammenbruch des Ustascha-Regimes im Jahr 1945 flohen viele Ustascha-Sympathisanten und -Kämpfer ins Ausland. Etliche kehrten nach der Ausrufung der Unabhängigkeit Kroatiens von Jugoslawien im Jahr 1991 aus der Emigration zurück. Bei den Gedenkfeiern am Loibacher Feld wurden in den vergangenen Jahren auch immer wieder faschistische Ustascha-Symbole gesichtet.


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