Steiermark-Wahl: Kurzporträts der Spitzenkandidaten

Graz (APA) - Mit altbekannten Spitzenkandidaten ziehen SPÖ, ÖVP und KPÖ in die steirische Landtagswahl am 31. Mai. FPÖ und Grüne setzen auf ...

Graz (APA) - Mit altbekannten Spitzenkandidaten ziehen SPÖ, ÖVP und KPÖ in die steirische Landtagswahl am 31. Mai. FPÖ und Grüne setzen auf neue Gesichter - und die NEOS, das Team Frank Stronach sowie die Piraten versuchen erstmals, den Landtag zu erobern. Unter den acht Listenersten findet sich nur eine Frau, Claudia Klimt-Weithaler von der KPÖ.

FRANZ VOVES (SPÖ): Der Landeshauptmann, der es mit seiner SPÖ 2005 als Quereinsteiger schaffte, die bis dahin erzschwarze „Grüne Mark“ zu drehen, schlägt 2015 seinen bereits dritten Landtagswahlkampf. Die Landtagswahl wird zu einer Abstimmung über sein gemeinsam mit ÖVP-Chef Hermann Schützenhöfer seit 2010 durchgezogenes politisches Reformwerk - überregional am ehesten durch die Gemeindefusionen bekannt. Die Ausgangsposition für den früheren Versicherungschef und Eishockeynationalspieler Voves (geboren am 28. Februar 1953) ist - obschon er im letzten Jahr der Legislaturperiode ein Budget ohne Neuverschuldung mitverantwort hat - schwierig. Reformen wurden in der heimischen Politik bei Wahlen bisher nicht belohnt. Der früher leicht reizbare Voves denkt in langfristigen Perspektiven und steht schon fast sprichwörtlich im Ruf, mit der Bundespartei und dem Wiener Politik-Parkett nicht eins sein zu wollen - was in der Steiermark aber noch nie schadete.

HERMANN SCHÜTZENHÖFER (ÖVP): Der steirische ÖVP-Obmann und LHStv. (geboren am 29. Feburar 1952) hat in den vergangenen Jahren einiges geschafft: Er brachte sowohl die Partei nach der schockartigen Niederlage 2005 wieder auf Kurs und leitete zusammen mit Voves unmittelbar nach der für beide verlustreichen Landtagswahlwahl 2010 die Wende hin zur „Reformpartnerschaft“ ein. Dem aus dem ÖAAB kommenden Schützenhöfer liegt die Konsens-Rolle ohnehin mehr. Obwohl die Furcht vor einer stetig wachsenden FPÖ die Arbeit mit der SPÖ begünstigte, blieb Schützenhöfer bei aller professionellen Kooperation mit Voves doch immer etwas auf Distanz. Der gläubige ÖVP-Chef zeigte in seiner bisherigen politischen Arbeit auch liberales Denken, etwa in Fragen gleichgeschlechtlicher Partner. Für die Wahl 2015 muss ihm ein weiteres Kunststück gelingen: Obwohl die Fortsetzung der Arbeit mit der SPÖ deklarierte Sache ist, seine ÖVP so gut herausgeputzt in die Wahlkampf-Auslage zu stellen, dass man die Partei für den wählbareren Part der „Reformpartner“ hält.

MARIO KUNASEK (FPÖ): Nicht mehr auf Noch-Parteichef Gerhard Kurzmann, sondern auf den gelernten Kfz-Techniker und Bundesheer-Unteroffizier Mario Kunasek, Wehrsprecher im Parlament, setzen heuer die Freiheitlichen. Da nach Abschaffung des Proporzes eine blaue Regierungsbeteiligung keineswegs sicher ist, geht es für Kunasek (geboren am 29. Juni 1976) am 31. Mai vor allem darum, „rotschwarze Mehrheiten aufzubrechen“. Das Wahlziel ist bereits festgelegt: das bisher beste blaue Ergebnis von 1995 mit rund 17,2 Prozent. Kunasek, im persönlichen Umgang verbindlich und freundlich, setzt auf das FPÖ-Standardrepertoire Sicherheit, Arbeit und Soziales - und bisher ist die FPÖ vor allem mit Plakaten und Broschüren aufgefallen, in denen sie gegen Moscheen und Asylwerber wettert.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

LBERT SCHÖNLEITNER (GRÜNE): Erstmals Spitzenkandidat, aber bereits Landtags-Abgeordneter ist Lambert Schönleitner (geboren am 1. Februar 1970). Dort hat er sich seit 2008 als Grüne Speerspitze in der Auseinandersetzung mit den SPÖ- und ÖVP-Regierern, aber auch mit der FPÖ etabliert. In die Politik kam der gelernte Landschaftsgärtner aus Hall bei Admont auf klassisch „Grüne Art“ - über den Kampf gegen Transitverkehr im Ennstal und eine erfolgreiche Initiative gegen ein Gipsabbauprojekt am Dörflstein. Der obersteirische Umweltfachmann - eher im bürgerlichen denn im linken Grün-Lager zuhause - kritisiert nicht alle SP-VP-Reformen, aber an den Gemeindefusionen etwa „die Art, wie sie durchgezogen werden“. Nach der Ablöse Werner Koglers als Landessprecher 2014 obliegt ihm obliegt jetzt die lange vergeblich angepeilte Aufgabe, den Grünen in der selbigen Mark einen kräftigen Wachstumsschub zu verpassen.

CLAUDIA KLIMT-WEITHALER (KPÖ): Die 44 Jahre alte gebürtige Obersteirerin Claudia Klimt-Weithaler hat sich - als Nachfolgerin der steirischen KPÖ-Legende Ernest Kaltenegger - im Landtag etabliert und genießt aufgrund von Engagement und Sachkenntnis auch bei Menschen, die nicht gerade mit dem Kommunismus sympathisieren, einen guten Ruf. Die ausgebildete Kindergartenpädagogin (geboren am 1. Feburar 1971), erst seit 2000 bei der KPÖ, gilt als Spezialistin in Sozialfragen. Bei der Wahl 2010, wo sie erstmals Listenerste war, musste sich Klimt-Weithaler zwar mit einem weit schwächeren Ergebnis zufriedengeben als zuvor Kaltenegger, aber immerhin gelang der Verbleib im Landtag. Auf den hofft die KPÖ angesichts der erfolgreichen Gemeinderatswahlen auch heuer.

UWE TRUMMER (NEOS): Erst im März hat er die NEOS-Parteizentrale in Graz eröffnet, jetzt will Trummer - nach einigen Erfolgen, aber auch einigen Misserfolgen bei den Gemeinderatswahlen - die pinke Farbe in den Landtag bringen. Vor allem Nichtwähler will der (seit 2014) Landessprecher vor allem mit den Themen Bildung und innovatives Unternehmertum ansprechen. Letzteres praktizierte er beruflich, beim Aufbau des Getränke Start ups-Poma. Derzeit ist der am 31. März 1975 geborene Trummer Geschäftsführer eines Miet- und Leasingunternehmens in seiner Heimatstadt Feldbach.

JOSEF KALTENEGGER (FRANK) ist schon der zweite Spitzenkandidat des Team Frank Stronach; der vorher präsentierte Michael Auer wurde von der Parteiführung nach einigen kritischen Anmerkungen überfallsartig abgesetzt. Mit dem 52-jährigen Kaltenegger holte man sich einen früheren Bauernbündler aus Fohnsdorf. Bis 2014 war er noch Chefredakteur der Bauernbund-Zeitung „Neues Land“ und Geschäftsführer des Ökosozialen Forums von Ex-Vizekanzler Josef Riegler (ÖVP). Geboren am 11. Februar 1963 studierte er an der Wirtschafts-Fachhochschule Graz Marketing und Kommunikationswissenschaft, derzeit verdingt er sich als geschäftsführender Projektleiter der Agro Service Austria mit Sitz in Wien.

Die PIRATEN führt der Landesbedienstete und IT-Spezialist Peter Pöschl (53) in die Wahl. Sie treten nur im Wahlkreis Graz an.

( 0561-15, Format 88 x 124 mm)


Kommentieren