Ein Muttertag, aber viele Mama-Typen

Mutter will das Beste: Wer Kinder hat, schließt regelmäßig neue Bekanntschaften mit anderen Familien und begegnet dabei immer wieder denselb...

(Symbolfoto)
© dpa/Pleul

Mutter will das Beste: Wer Kinder hat, schließt regelmäßig neue Bekanntschaften mit anderen Familien und begegnet dabei immer wieder denselben Mutter-Typen. Eine Übersicht zu vier Klassikern.

Muttertag

Die Tiger-Mama

09:46 Uhr

„So, Kinder, jetzt schauen wir, wer am schnellsten drüben bei den Schaukeln ist.“ Die Tigermama liebt den Wettbewerb, aber nur solange ihre Kinder auf dem Siegerpodest stehen. Sie ist voller Energie und hat ein abwechslungsreiches Kinderprogramm parat. Dafür fährt sie gerne zigmal die Woche ihre Kinder von einem Ort zum anderen: Tennis, Musik, Theater; Klettern und Englisch mit einem Nativespeaker.

Hinter ihrer freundlichen Servicementalität steckt ein knallhartes Kalkül. Sie weiß: In jedem Sandkorn steckt eine Fördermöglichkeit. Und die lässt sie nicht verstreichen. Denn wer es jetzt nicht schafft, die tolle Sandburg zu bauen oder beim Schaukeln spielerisch Fremdsprachen zu lernen, hat keine Chance in der Zukunft. Die Tiger-Mama will ihre Kinder von klein auf zur Höchstform anspornen. Dafür riskiert sie gerne mal die eine oder andere Träne. „Du magst heute nicht zur Geigenstunde? Schatzi, dann muss ich dir dein Handy für eine Woche nehmen!“ – Diese Mutter ist davon überzeugt, dass sie das Beste tut. Später, so denkt die Tigermutter, wird das Kind für ihre Härte dankbar sein, weil es ein Sieger geworden ist.


Die Mode-Mama

09:48 Uhr

„Bussi, Schatzi!“ - Wenn die Mode-Mama beim Elternabend erscheint, tut sie es laut und mit einem großen Hallo. Küsschen links, Küsschen rechts. Sie liebt Mütter-Cliquen und busselt sich durch die Elternschaft: „Halloooo! Ha, ha, halloo!“

Sie wirkt immer eine Spur gestresst, dafür perfekt in ihrer Erscheinung. Ihre Ohrringe passen gut zum Kaschmir-Pulli in Beige, Schuhe und Tasche sind sowieso aufeinander abgestimmt. Egal, ob beim Elternabend oder am Spielplatz: Die Mode-Mama zieht ihren Hang zur Perfektion durch. Sie fährt nie irgendeinen Buggy, nein, es muss eine angesagte Marke sein. Mindestens ein Bugaboo. Am besten im klassischen Schwarz-Weiß. Ihr Kind fährt ein Laufrad von BMW. Dieses kleidet sie am liebsten in einen Mix aus Boutiquen- und H&M-Klamotten. Aber immer so, dass es im Gesamtbild teuer und top wirkt. Sie liebt es, wenn jemand beim Anblick ihres Kindes „Ach, wie süß!“ sagt. Muss die Mode-Mama bei einem Waldtag in der Kindergruppe mit, zieht sie zwar Funktionskleidung an, aber selbst da wirkt sie stylish. Nein, eine Mode-Mama lässt sich nicht gehen. Niemals.


Die Heli-Mama

09:49 Uhr

„Steig nicht zu hoch, Anna-Lena!“ „Aufpassen, Johannes, nicht ausrutschen!“ - Klettergerüste am Spielplatz sind der blanke Horror für eine Heli-Mama. Viel zu hoch, zu rutschig, zu gefährlich. Solche Situationen strapazieren ihre Nerven. Jeden Zentimeter, den ihr Kind am Gerüst macht, hat sie im Blick.

Für den Notfall hat sie das beste First-Aid-Paket samt Winnie-Puh-Pflaster im Rucksack. Aber so weit kommt es nicht. Eine Heli-Mama steht immer unter dem Gerüst, wenn sich das Kind von Sprosse zu Sprosse hantelt. Sie schaut darauf, dass keiner am Spielplatz verhungert und hat die größte Jausenbox mit den meisten Apfelspalten und dem besten Saft dabei. Sie tut alles, damit sich ihr Kind nicht langweilt, schlecht fühlt, verletzt oder gar gekidnappt wird. Dafür beschwert sie sich schon mal beim Volksschullehrer, weil ein einstündiger Fußweg bei einem Ausflug einfach zu viel verlangt sei. Sie zieht selbst ihrem Achtjährigen vor dem Training die Fußballsocken vor den Augen aller an. Ihr Kind von der Leine zu lassen, fällt ihr genauso schwer, wie es nicht zu bespaßen: Sie ist eine lebendige Entertainment-Maschine mit zehn Airbags für jede Lebenslage.


Die Öko-Mama

09:51 Uhr

„Konstantin, magst du noch einen Schluck Wasser?“ „Greta, wie wäre es mit einer Reiswaffel?“ – Egal, ob am Spielplatz, daheim oder in der Kindergruppe: Kulinarisch hat die Öko-Mama immer alles voll im Griff. Fruchtzwerge sind ihre Feinde, Joghurts mit Smarties und Milchschnitten sowieso.

Kinder von diesem Muttertyp sehen eine Schoko frühestens mit zwei Jahren, da werden auch Großeltern gecoacht. Und wehe, einer hält sich nicht daran und gibt dem Kleinen zu früh eine „Schogggi“. Dann wird eine Öko-Mama zur Löwin. Sie kämpft für einen gesunden Start ins Leben. Schließlich hat sich auch lange gestillt und den Baby-Po mit Stoffwindeln gewickelt. Ihre Verantwortung für viel Bio zieht sie auch sonst durch: Eine Öko-Mama weiß garantiert, welche Kinderlauflernpatschen nikelfrei gegerbt und aus fair gehandeltem Tierleder hergestellt sind, ihre Trinkflaschen sind aus Glas und mit bunten Stoffen überzogen. Sie kauft gerne wetter- und winddichte Kinderkleidung aus dem hohen Norden. Sie erzieht oft im Laissez-Fair-Stil. Und schaut Mamas, die am Spielplatz Fruchtzwerge löffeln, kritisch an. Da kennt sie keine Gnade.

Alle vier Mutter-Typen beschrieben von: Liane Pircher

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