Helmut Elsner - Vom Spitzenbanker zum Häftling

Wien (APA) - Helmut Elsner stammt aus bescheidenen Verhältnissen und hatte in der Gewerkschaftsbank BAWAG eine steile Karriere bis an die Sp...

Wien (APA) - Helmut Elsner stammt aus bescheidenen Verhältnissen und hatte in der Gewerkschaftsbank BAWAG eine steile Karriere bis an die Spitze hingelegt. Sein spektakulärer Fall führte ihn für fast fünf Jahre ins Gefängnis, der Gewerkschaftsbund verlor seine Bank.

Helmut Elsner wurde am 12. Mai 1935 in Wiener Neustadt als Sohn einer Kastner&Öhler-Angestellten geboren. Sein Vater war im Krieg gefallen. Er wuchs in Graz auf, wo er die Handelsakademie besuchte. Mit 20 Jahren trat er in eine Filiale der Arbeiterbank ein, wie die BAWAG damals hieß. Elf Jahre später war er deren Filialleiter. 1978 wurde er vom damaligen langjährigen BAWAG-Chef, Walter Flöttl, in die Zentrale nach Wien geholt, wo er im Vorstand für das kommerzielle Großkundengeschäft verantwortlich war. Dort galt er bald als „Flöttls Mann für das Grobe“. Erst 1991 trat er in die SPÖ ein, im April 2006 wieder aus. Von 1995 bis 24. April 2003 war er Vorstandsvorsitzender. In seinen fast 25 Jahren als Vorstand prägte er das Institut nachhaltig.

Nachgesagt wurde ihm ein „aufbrausender, egozentrischer und unnahbarer Führungsstil“, der keinen Widerspruch duldete. Aber sein luxuriöser Lebensstil wurde dem Chef einer Gewerkschaftsbank im Lichte der Öffentlichkeit durch den Prozess dann zum Image-Verhängnis: Das von der BAWAG zum Schnäppchenpreis erworbene Penthouse in der Wiener Innenstadt, seine Villa in Südfrankreich. Die politischen Zurufe an die Justiz blieben nicht aus. So forderte etwa im Juni 2006 der damalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser - jetzt selbst in der Buwog-Affäre unter den Beschuldigten -, dass angesichts des „schamlosen Missbrauchs“ in der BAWAG rasch „ein Exempel statuiert“ werden müsse.

Über Elsners autoritäre Art herrscht bei den Beobachtern kein Zweifel, aber eine andere Eigenschaft ist ihm offenbar völlig fremd: Während die anderen Angeklagten durchwegs versuchten, bei der BAWAG-Richterin zuvorkommend und kooperativ zu erscheinen, lieferte sich der Hauptangeklagte immer wieder heftige Wortwechsel mit dem Gericht. „Während Sie abgetanzt haben, habe ich hart gearbeitet“, so lautete einer der Vorwürfe des pensionierten Bankers gegen Richterin Claudia Bandion-Ortner. Der späteren Justizministerin sprach Elsner schlicht die Kompetenz ab, die verhandelten Vorgänge zu verstehen.

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Die Vorwürfe der Anklage, er habe gegenüber der BAWAG Untreue in Milliardenhöhe begangen, versuchte Elsner oft mit dem Verweis auf die Praxis in einer Großbank zu entkräften. Die Spekulationsgeschäfte der BAWAG seien nicht riskant, sondern auch bei anderen Banken üblich gewesen. Der Mitangeklagte Wolfgang Flöttl schob alle Schuld Elsner zu, dieser habe hohe Gewinne erzielen wollen und das riskante Spekulieren verlangt. Elsner hingegen hatte im 117 Tage währenden BAWAG-Prozess niemals Verantwortung bei sich gesehen. Mit dem Urteil im Juli 2008 - zehn Jahre Haft - wurde ihm die Rechnung präsentiert. Der OGH bestätigte zwar die Höhe der Haftstrafe, zerpflückte allerdings das Urteil von Bandion-Ortner und fand zahlreiche juristische Mängel.

Elsner war als einziger der neun BAWAG-Angeklagten hinter Gittern. Die Justiz sah bei Elsner schon während der U-Haft durchgängig Fluchtgefahr und ließ auch keine Enthaftung gegen Fußfessel zu. Im Juli 2011 wurde er wegen Haftunfähigkeit entlassen. Im zweiten BAWAG-Prozess erschien er nie vor Gericht, er lebt inzwischen in Deutschland. Vor Gericht hat er einen Wiederaufnahmeantrag eingebracht.

~ WEB http://www.bawagpsk.com

http://www.oegb.at ~ APA055 2015-05-10/09:55


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