Auf Banken rollen Milliardenstrafen zu

Im Skandal um Manipulationen am Devisenmarkt geht es Großbanken aus den USA und der Schweiz an den Kragen.

© APA/EPA/REMKO DE WAAL

London –Auf die größten Banken der Welt könnten kommende Woche offenbar wieder Milliardenstrafen zurollen. Fünf der weltgrößten Banken stehen demnach vor hohen Bußgeldern wegen Tricksereien an den Devisenmärkten. Die Schweizer UBS, die britischen Institute Barclays und Royal Bank of Scotland sowie die US-Finanzriesen JP­Morgan und Citigroup würden mit insgesamt mehr als sechs Milliarden Dollar (5,4 Milliarden Euro) vom US-Justizministerium zur Rechenschaft gezogen werden, berichtete die Financial Times unter Berufung auf eingeweihte Kreise. Der entsprechende Vergleich könne bereits am Mittwoch kommender Woche offiziell verkündet werden.

Die betroffenen Banken lehnten Stellungnahmen ab. Die Vereinbarungen dürfte sich noch etwas verzögern, weil ein wichtiger Punkt noch nicht geklärt sei, hieß es. Bevor die Geldhäuser ihre Schuld eingestehen, wollten sie Zusicherungen von den Aufsichtsbehörden, dass sie dann nicht von bestimmten Geschäften ausgeschlossen werden. Über zumindest manche der dazu erforderlichen Sonderregelungen müsse die Börsenaufsicht SEC abstimmen.

Händler der Institute sollen über Jahre illegale Absprachen am Devisenmarkt getroffen haben. Die UBS dürfte mit weniger als 800 Millionen Dollar die geringste Strafe ausfassen, weil sie frühzeitig mit den Ermittlern kooperiert habe. Wahrscheinlich müssten sich Tochterfirmen der Banken im strafrechtlichen Sinne schuldig bekennen. Zuletzt war darüber spekuliert worden, dass die UBS wegen ihrer frühen Mitarbeit bei den Ermittlungen eine Art Kronzeugenstatus bekommen und damit um ein Schuldbekenntnis herumkommen könnte.

Barclays dürfte dem Zeitungsbericht zufolge mit 3,1 Milliarden Dollar die höchste Strafe bei der anstehenden Bußgeldrunde zahlen. Die restlichen vier Institute hatten sich im November bereits mit anderen US-Behörden arrangiert. Damals waren Strafen von insgesamt 4,3 Milliarden Dollar für sechs Banken vereinbart worden. Das US-Justizministerium hatte sich aber nicht an dem Vergleich beteiligt und weiter ermittelt. JPMorgan, Royal Bank of Scotland und Citigroup dürften nun je etwa eine Milliarde Dollar zahlen.

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Der Schweizer Großbank UBS droht allerdings zusätzliches Ungemach von den US-Behörden. Das US-Justizministerium dürfte das 2012 beigelegte Verfahren wegen der Verstrickung in den Libor-Skandal wieder aufrollen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf eine mit der Situation vertraute Person. Damit könnte eine weitere Geldstrafe auf die größte Schweizer Bank zukommen. Das Verfahren rund um die Manipulationen des Libor und anderer Referenzzinssätze hatte die UBS 2012 mit einer Zahlung von 1,4 Mrd. Franken zwar beigelegt. Damals verpflichtete sich die Bank allerdings auch, bis Dezember 2014 in den USA keine weiteren Straftaten zu begehen. Diese Frist wurde kürzlich um ein weiteres Jahr verlängert. (dpa, Reuters)


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