Eurovision Song Contest: Österreich trauriger Rekordhalter

Am Tag danach lecken die „Makemakes“ ihre Wunden. Noch nie stand ein Song Contest-Gastgeberland punktelos da. Die Truppe nimmt es dennoch mit Humor.

Selbst die Pyroeffekte konnten den Auftritt der "Makemakes" nicht retten. Diese nehmen es trotzdem mit Humor.
© APA/EPA/

Wien – Mit Humor nahm die österreichische Gruppe The Makemakes ihr Null-Punkt-Ergebnis beim Finale des 60. Eurovision Song Contest: „We are the ZEROES of our time“, hieß es nach ihrem Abschneiden in Anspielung auf den schwedischen Sieger-Song auf ihrem Facebook-Account. Am Nachmittag ist die Gruppe ab 15 Uhr im Magna Racino Ebreichsdorf im Einsatz, „doing some horse business and little bit of music“.

Österreich ist damit trauriger Rekordhalter beim Eurovision Song Contest – nämlich in der 0-Punkte-Bilanz: Mit der punktelosen Niederlage der Makemakes Samstagnacht zieht Österreich an der Konkurrenz vorbei und kann mit bis dato vier Mal 0 Punkten in der 60-jährigen Geschichte des Wettbewerbs Platz 1 der Nullnummern für sich verbuchen. Auch hat noch nie ein Gastgeberland keinen einzigen Punkt im Bewerb erhalten.

Überhaupt scheint Österreich eine intensive Beziehung zur so gefürchteten Nullerwertung zu haben, gehörte doch bereits Eleonore Schwarz 1962 mit „Nur in der Wiener Luft“ zum Kreis jener vier Länder, die erstmals 0 Punkte kassierten. 1988 folgte Wilfried mit „Mona Lisa“ und 1991 Thomas Forstner mit „Venedig im Regen“. In gewissem Sinne stehen die Makemakes mit dem Song „I Am Yours“ also in österreichischer Tradition.

Schweden feiert neuerlichen Triumph

Ganz andere Sorgen hatte am Sonntag Schweden. Mit 365 Punkten machte Mans Zelmerlöw das Rennen um die Nachfolge der „Queen of Europe“ Conchita Wurst. Vor einer bis auf den letzten Platz gefüllten Wiener Stadthalle und einem millionenfachen Fernsehpublikum hielt der 28-Jährige den Favoritendruck stand und heimste mit seinem Song „Heroes“ den bereits sechsten Triumph für Schweden ein.

„Man musste mir sagen, dass ich gewonnen habe. Ich habe es nicht gehört. Jetzt bin ich einfach voller Stolz und Dankbarkeit“, sagte Zelmerlöw in der Nacht auf Sonntag bei der Sieger-Pressekonferenz. Er persönlich habe gar nicht mit dem Sieg gerechnet: „Ich war davon überzeugt, dass Italien oder Russland gewinnen werden. Als ich dann während des Votings Russland überholt habe, flossen bei mir die ersten Tränen.“

Kritik heimste der frischgebackene Song-Contest-Sieger dagegen im Frühjahr 2014 ein, als er sich negativ gegenüber Homosexuellen äußerte: „Ich habe mir schon Gedanken gemacht, wie ich hier ankommen werde. Aber von dem Moment an, als ich aus dem Flugzeug gestiegen bin, fühlte ich mich Willkommen. Die Gay-Community hat meine damalige Entschuldigung akzeptiert, und dafür möchte ich mich bedanken. Wir sind alle Helden. Ganz egal wer wir sind, woran wir glauben und wen wir lieben.“

„Supermacht der Musik“

Nicht nur der Sänger, auch seine Landsleute waren am Sonntag aus dem Häuschen. „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass Schweden eine Supermacht in Sachen Musik ist“, lobte etwa der ehemalige Außenminister Carl Bildt in der Nacht zum Sonntag.

Die Schweden, die auf dem Stockholmer Innenstadt-Platz Sergels Torg den ESC verfolgten, brachen in Jubel aus, als klar wurde, dass Russland Måns Zelmerlöw nicht mehr einholen würde. Auf Twitter und in den Blogs der schwedischen Zeitungen ging eine Flut von Gratulationswünschen ein.

Erst vor drei Jahren hatte Schweden mit der Sängerin Loreen den Eurovision Song Contest gewonnen. Beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen SVT freut man sich trotz der Kosten, den Musikwettbewerb im nächsten Jahr wieder ausrichten zu können. SVT-Chefin Hanna Stjärne versprach in der Zeitung „Aftonbladet“ eine magische Musikshow 2016. (tt.com/APA)


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