Zecken erklimmen die Berge

Sie werden mehr, giftiger und wollen immer höher hinauf: In Sachen Zecken heißt es aufpassen. Zehn Fakten, die man über die Blutsauger wissen muss.

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Mit Blut vollgesaugte Zecke.
© iStock

Von Theresa Mair

1Zeckenland Tirol: Zecken sind im gesamten Tiroler Landesgebiet verbreitet. Laut Gernot Walder, Facharzt für Hygiene und medizinische Mikrobiologie in Außervillgraten, ist auch dieses Jahr mit einer Zunahme der Zecken – und damit der Frequenz der Stiche – zu rechnen. „Aufgrund der wärmeren Temperaturen dringen die Zecken in immer größere Höhen vor. Derzeit liegt der höchste Zeckenfundort in Tirol bei 1600 Metern. Ich bin mir fast sicher, dass diese Grenze heuer wieder überschritten wird.“

Hauptrisikogebiet für Zecken im Allgemeinen und FSME im Besonderen ist seit vielen Jahren das Zillertal. Insgesamt sei aber eine Verlagerung vom Unterland in Richtung Imst und von dort Inn-aufwärts zu beobachten. In Osttirol haben sich die Zecken ins Iseltal verlegt.

2Der Gemeine Holzbock ist ein Spinnentier und die häufigste heimische Zeckenart, wie Hermann Strasser vom Institut für Mikrobiologie an der Universität Innsbruck weiß. Die Zecke mag es warm und feucht. Außerdem ist sie robust und lebt bis zu vier Jahre lang. Strasser kann sich sogar an einen Zeckenbiss im Jänner 2011 erinnern.

Im Laufe ihres Lebens brauchen Zecken mehrere Blutmahlzeiten. Sie halten sich in Bodennähe auf, gehen nie über einen Meter Höhe hinaus. „Am frühen Morgen setzen sie sich gerne auf die Spitze von Grashalmen. Kommt ein Warmblüter vorbei, lassen sie sich darauffallen und krallen sich fest“, sagt Strasser. Falls sie keine geeignete Beute finden, ziehen sie sich mit zunehmender Tageshitze ins feuchte Milieu zurück und kommen erst am Abend wieder hervor.

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3Zecken stechen: Am Körper suchen die Zecken eine Stelle, wo sie ungestört Blut saugen können, z. B. Achsel- und Kniehöhlen, Hautfalten, Leistengegend. Mit ihrem Stechrüssel dringen sie in die Haut ein und geben ein Sekret ab, das die Blutgerinnung verhindert. In diesem Sekret befinden sich die Erreger von FSME und Borreliose.

4Zecken entfernen: Für die Entfernung verwendet man laut Strasser am besten eine Pinzette. Wichtig sei es, ganz unten am Kopf anzusetzen, das Tier zu lockern und mitsamt des Stechwerkzeugs herauszuziehen. Wird der Kopf abgerissen, verbleibt der Rüssel im Körper und gibt das giftige Sekret weiterhin ans Blut ab. Niemals sollte man Öl, Nagellack o. Ä. auf die Zecke träufeln. Das führe dazu, dass das Tier würgen müsse und noch mehr Gift ausspeie.

5Zeckenschutz: Im österreichischen Impfplan des Gesundheitsministeriums wird eine Impfung gegen FSME empfohlen. Die Grundimmunisierung mit drei Teilimpfungen kann ab dem vollendeten ersten Lebensjahr durchgeführt werden. Bis zum 60. Lebensjahr ist in Fünf-Jahres-Intervallen eine Auffrischung fällig. Ab 60 sollte alle drei Jahre aufgefrischt werden, da mit zunehmendem Alter die Reaktion des Immunsystems nachlässt, wie Karl-Heinz Fischer von der Landessanitätsdirektion Tirol weiß.

6Die Impfung sei allgemein gut verträglich. Allergische Reaktionen auf einen Bestandteil des Impfstoffs könnten aber nie ausgeschlossen werden. Es sei auch möglich, dass die Einstichstelle anschwillt oder es für ein bis zwei Tage zu einer Temperaturerhöhung kommt.

7 Auffrischung versäumt: Wer die Auffrischung verpasst hat, muss nicht die Grundimmunisierung wiederholen. Wegene Borena von der Sektion für Virologie an der Med-Uni Innsbruck: „Wenn die letzte Impfung schon zehn Jahre oder länger her ist, reicht es, eine Auffrischung vorzunehmen und vier Wochen danach den so genannten Titer bestimmen lassen, um zu kontrollieren, ob genug Antikörper im Blut vorhanden sind.“

8Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME): Im Bundesländervergleich ist Tirol nach Oberösterreich bei den FSME-Fällen an der Spitze. Walder zufolge hat die Schwere der Krankheitsverläufe zugenommen. „Bis 2006 hat es nie einen Toten gegeben, inzwischen gibt es häufiger Todesfälle.“ FSME macht sich laut dem Facharzt für Infektiologie anfangs nur als „unspektakulärer grippaler Infekt“ bemerkbar.

Nach einer rund siebentägigen Pause kommt es zu massiven Kopfschmerzen und hohem Fieber. Die Gehirn- bzw. Hirnhautentzündung kann nur symptomatisch – meist mit mehreren Tagen auf der Intensivstation – behandelt werden. Folgeschäden wie Restlähmungen seien zwar selten, könnten aber nicht ausgeschlossen werden. Die gute Nachricht: „Mehr als 80 Prozent der Tiroler sind immun, entweder durch eine Impfung oder eine überstandene Infektion“, so Walder.

9Borreliose: Im Gegensatz zur FSME sind Borreliose-Fälle in Österreich nicht meldepflichtig – und es gibt auch keine Impfung dagegen. „Jede fünfte Zecke ist mit Borrelien infiziert“, sagt Walder. Doch hier gibt es eine gute Nachricht: „Die Borrelien brauchen Zeit, bis sie sich an den Körper gewöhnt haben. Wenn man die Zecke innerhalb von zwölf Stunden entdeckt, ist das Infektionsrisiko relativ gering. Wenn die Zecke aber 36 Stunden gesaugt hat, ist das Risiko groß.“ Wer möchte, kann die Zecke an einen Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie schicken und sie – auf eigene Kosten – auf Borrelien untersuchen lassen.

10Nach einem Zeckenstich: Wer eine – häufig ringförmige, sich ausbreitende – Rötung entdeckt, sollte zum Arzt gehen. „Bis es zu ersten Krankheitssymptomen kommt, können Tage, aber auch Jahre vergehen. Der Körper bildet erst nach sechs bis acht Wochen Antikörper, die im Blut nachweisbar sind.“

Beim Verdacht auf Borreliose wird laut Borena 14–21 Tage mit Antibiotika therapiert – bei schweren Verläufen bis zu einem Monat. „Bei einem Zeckenstich ohne Beschwerden oder bei nicht charakteristischer Symptomatik wird eine Bluttestung in sechs bis acht Wochen empfohlen.“ Bluttests auf Borreliose sollten laut Walder unter Angabe der Symptome an einen spezialisierten Facharzt für Hygiene und medizinische Mikrobiologie geschickt werden. Dieser kann beurteilen, ob eine Borreliose Ursache der Beschwerden ist oder nur ein positiver Antikörperbefund vorliegt.

„Borrelien sind Chamäleons: Sie können jedes Organsystem befallen, bevorzugen allerdings die Haut, Gelenke und das Nervensystem.“

Impfaktion

Die FSME-Impfaktion läuft noch bis zum 31. Juli in allen Apotheken. Bis dahin sind die FSME-Impfstoffe pro Teilimpfung zu einem vergünstigten Aktionspreis erhältlich. Der FSME-Impfstoff für Kinder kostet 29,80 Euro (inkl. 10 % MwSt.), der Impfstoff für Erwachsene 34,90 Euro (inkl. 10 % MwSt.).

Unabhängig von der Aktion leisten die Krankenkasse das ganze Jahr Zuschüsse zur Zeckenschutzimpfung:

TGKK: 3,63 Euro

SVA: 3,70

BVA: 16 Euro

KUF: 90 bis 95 Prozent

VAEB: 16 Euro

SVB: Gratis-Impfaktion bei der Sozialversicherungsanstalt der Bauern von Februar bis April (mit Voranmeldung) oder Kostenzuschuss von max. 17,09 Euro.

Die Zuschüsse werden entweder direkt beim Kauf des Impfstoffes in der Apotheke abgezogen oder nach Einreichung der Rechnung von der jeweiligen Kassa rückerstattet.

Weitere Informationen:

Zur Impfaktion:

http://go.tt.com/1FYMt0d

Der Österreichische Impfplan 2015 zum Download:

http://go.tt.com/1T0fjnO


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