Gesellschaft

Probezeit statt Zugangstests

Nicht jedes Fach hat wie Medizin einen Massenansturm zu bewältigen. Zugangsbeschränkungen nehmen trotzdem zu.Foto: Böhm
© Thomas Böhm / TT

In Deutschland sind die Hälfte der Studien bereits mit Zugangsbeschränkungen belegt. Auch in Österreich steigt ihre Zahl. Die Uni Innsbruck bevorzugt Eingangssemester.

Von Sabine Strobl

Innsbruck –Jeder kennt den Massenandrang auf die Medizin-Uni. Aber auch andere Fakultäten ziehen zunehmend Zutrittsbeschränkungen in Erwägung. Vizekanzler und Unterrichtsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) hat zuletzt eine Zugangsbeschränkung für die Fächer Chemie und Jus ins Spiel gebracht. Zudem soll im Herbst über eine Verlängerung der bestehenden Beschränkungen beraten werden.

Tatsächlich ist die Situation an den Universitäten unterschiedlich. An der Universität Innsbruck mit 16 Fakultäten bestehen seit zwei Jahren Aufnahmebeschränkungen in fünf Fachbereichen. Dies sind Architektur, Pharmazie, Biologie, Wirtschaftswissenschaften und Informatik. „Wir mussten hier bislang keine einzige Studentin und keinen Studenten abweisen. Wenn man so will, dann ist der positive Effekt der Zulassungsverfahren die Gewissenserforschung der Studierenden“, erklärt Roland Psenner, Vizerektor für Lehre und Studierende an der Universität Innsbruck. So würden einige Studierende diese Fächer von vornherein nicht mehr inskribieren.

Im Gegensatz zu Wien halten die Innsbrucker Fakultäten für Chemie, Pharmazie und Jus eine Zugangsbeschränkung nicht für notwendig und auch nicht für geeignet, „die besten Studierenden für das Fach zu gewinnen“. In Innsbruck herrscht jedoch ein Ansturm auf die Erziehungswissenschaften. Dieser Fachbereich ist mit 800 Studierenden überbelastet „Hier wären Eingangsbeschränkungen sinnvoll“, sagt Psenner. Und trotz östereichweit einheitlicher Aufnahmeverfahren bleibt auch die Situation im Fachbereich Psychologie zugespitzt.

Wie Psenner ausführt, gibt es an den Instituten keinen Konsens über Zutrittsbeschränkungen. Eine Bilanz nach der kurzen Laufzeit in Innsbruck sei zu früh. Aber: „Eine zusätzliche Prüfung zwischen Matura und Studium hat oft eine geringe Aussagekraft. Wir würden uns lieber auf die Studieneingangsphase konzentrieren.“ Mit dem Probesemester, bei dem gewisse Prüfungspunkte erreicht werden müssen, sollen die Studierenden rasch eine Entscheidung treffen können. Aber auch hier stehen Verhandlungen an.

Fächer und Zahlen

Universität Innsbruck. Studierende insgesamt: 28.225: Derzeit bestehen für fünf Fachbereiche Zugangsbestimmungen. Für 2014/15 haben 701 Studienanfänger Wirtschaft inskribiert, 223 Studierende mit Biologie begonnen, 166 mit Architektur, 166 mit Pharmazie, 106 mit Informatik.

Psychologie. Hier gibt ein eigenes österreichweit einheitliches Aufnahmeverfahren. 200 Startplätze in Innsbruck.

Chemie und Recht haben derzeit kein Aufnahmeverfahren: Jus 471 Anfänger, Wirtschaftsrecht: 336, Chemie: 186.

Medizin-Universität Innsbruck. Heuer liegen 3500 Anmeldungen für den Aufnahmetest vor. 400 Studienplätze.

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