EM-Quali

Ans Verlieren will die ÖFB-Elf nicht einmal denken

Teamchef Marcel Koller und die ÖFB-Equipe setzen zu neuen Höhenflügen in der EM-Quali an.
© Gepa

Russland war einmal besser, Österreich ist es jetzt! Auf diese banale Zuspitzung läuft alles hinaus, wenn die ÖFB-Teamkicker mit Siegesgewissheit in den Flieger nach Moskau steigen.

Aus Wien: Hubert Winklbauer

Wien – Die Selbstverkleinerungsmentalität war einmal – wenn heute die Teamkicker in den Flieger nach Moskau steigen, dann als Mannschaft, die weiß, warum sie vom Leaderthron in der Gruppe G der EM-Qualifikation grüßt. Wie sehr ein paar Erfolge doch die Gedankengänge beeinflussen können! Nicht einmal das Scheitern in der Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien hat Marcel Koller und Co. was anhaben können. Und den Fans auch nicht. Dass wirklich alles besser geworden ist, wie alle beim ÖFB allen und sich selbst versichern, lässt sich allerdings nur mit einer gelungenen Qualifikation für die Europameisterschaft in Frankreich beweisen.

Die Russen wissen, wie es sich anfühlt, bei einer EM zu spielen. Sie haben als Teil der UdSSR (Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken) und der GUS (ab 1991, Gemeinschaft Unabhängiger Staaten) an den Europameisterschaften von 1960 bis 1992 teilgenommen. Nach der Auflösung der Sowjetunion nahm Russland erstmals an der Qualifikation zur EM 1996 teil und konnte sich auf Anhieb qualifizieren. Seitdem wurde lediglich die Qualifikation für die EM 2000 nicht geschafft. Klar, dass die traditionell gerne in der Vergangenheit lebenden Russen aus dieser signifikant eindrucksvolleren Historie das Gefühl einer Überlegenheit für die Sonntag-Partie ableiten.

Wir wollen in Moskau auf Sieg spielen – auch wenn viel auf uns zukommen wird.
Julian Baumgartlinger

Aber das kümmert die ÖFB-Truppe wenig. Sogar ein eher besonnener, zurückhaltender Spieler wie Mainz-Legionär Julian Baumgartlinger (übrigens als Knirps mehrfacher Teilnehmer beim Didi-Constantini-Fußballcamp) will an einen Flop nicht einmal denken. Und dass man auswärts antreten muss? Ist auch wurscht! Denn die letzten vier Länderspiele in der Fremde haben die Österreicher gewonnen. Und zwar mit einem Torverhältnis von 12:2. Das liest sich grandios. Dass die Besiegten Liechtenstein (5:0), Moldawien (2:1), Tschechien (2:1) und Färöer (3:0) heißen, relativiert das beeindruckende Torverhältnis doch ein wenig. Aber auch das kümmert die ÖFB-Teamkicker nicht. Motto: Es gibt keine Kleinen mehr. Nachsatz: Erst recht nicht, wenn sie von den Rotweißroten besiegt werden!

Dass Russland ein anderes Kaliber ist – da sind sich alle einig. Aber bei ihrer 0:1-Schlappe in Wien haben die Capello-Schützlinge auch einige Defizite aufgedeckt. An den meisten davon leiden sie aktuell noch immer – das zeigte jüngst Weißrussland auf, obwohl es als 2:4-Verlierer vom Platz musste.

In Wien hat sich gezeigt, dass der damals verletzte Alaba als Führungsspieler ersetzbar ist. Baumgartlinger hatte auch gefehlt. Aber die beiden Legionäre waren von den Salzburgern Ilsanker und Leitgeb glänzend ersetzt worden. Jammern darüber, dass Alaba fehlt, will ohnehin niemand. Warum sich schon vorher Zweifel aufhalsen, wenn man eine etwaige Niederlage danach mit dem Ausfall des Bayern-Stars begründen könnte? Dass Baumgartlinger sein 37. Teamspiel machen wird, ist fix, wer im Mittelfeld neben ihm aufläuft, noch nicht.