Lefö für mehr aktive Unterstützung für Opfer von Frauenhandel

Wien (APA) - Opfer von Frauenhandel bekommen bei einer Verurteilung der Täter im Strafverfahren zwar Entschädigungszahlungen zugesprochen. F...

Wien (APA) - Opfer von Frauenhandel bekommen bei einer Verurteilung der Täter im Strafverfahren zwar Entschädigungszahlungen zugesprochen. Falls in Österreich kein Vermögen vorhanden ist, bleiben die Betroffenen in der Praxis allerdings auf der Strecke. Die Opferschutzeinrichtung Lefö plädiert deshalb dafür, dass der Staat das Geld vorschießt und es seinerseits im Ausland eintreibt.

„Bei der Zuerkennung von Entschädigungen hat sich in den vergangenen Jahren vieles positiv verändert. Beim Zugang sind aber noch Verbesserungen notwendig“, sagte Evelyn Probst, die Leiterin der Interventionsstelle für Betroffene des Frauenhandels innerhalb der NGO Lefö, am Montag im Gespräch mit der APA. Die zu jeweils 50 Prozent von Innen- und Frauenministerin finanzierte Institution und ist seit zehn Jahren in staatlichem Auftrag tätig.

„Bei den Entschädigungen geht es um Geld, das den Frauen zusteht - weil die Täter an ihnen verdient oder sich durch die Ausbeutung ihrer Arbeitskraft Geld erspart haben“, erläuterte Probst. Bei strafrechtlichen Verurteilungen werde den Opfern seit einigen Jahren Geld zugesprochen. Wenn zum Beispiel Autos oder Handys der Täter beschlagnahmt wurden, bekommen sie tatsächlich welches. Ist in Österreich kein Tätervermögen vorhanden, ist das Opfer theoretisch darauf angewiesen, zum Beispiel in Rumänien seine Ansprüche durchzusetzen. „Das Zivilrecht ist in der EU relativ einheitlich. Es gibt jedoch noch keine Kultur, die Frauen aktiv zu unterstützen“, konstatiert die Leiterin der Interventionsstelle. Als Vorbild für Österreich nennt sie die Niederlande. Dort schießt der Staat die den Frauen zuerkannte Entschädigung nötigenfalls vor.

Pro Jahr werden nach Angaben von Probst rund 250 Frauen betreut - etwa zwei Drittel wurden sexuell ausgebeutet und ein Drittel als Arbeitskräfte. Der Großteil der Klientel ist 18 bis 25 Jahre alt, ungefähr die Hälfte der Frauen kommt aus EU-Staaten, die anderen „praktisch aus der ganzen Welt mit einem Schwerpunkt Philippinen. Das sind Frauen, die durch Hausarbeit ausgebeutet werden“, sagte die Leiterin der Interventionsstelle.

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20 Prozent der Frauen, die sexuell ausgebeutet wurden, haben nach den Erfahrungen von Lefö zwar gewusst, dass sie in Österreich als Prostituierte bzw. Sexarbeiterinnen tätig sein würden, jedoch nicht unter welchen Bedingungen - „kein Geld, keine Dokumente, womöglich eingesperrt, im Unklaren über ihre Rechte und ohne Wissen, an wen sie sich wenden können“, wie die Leiterin der Interventionsstelle erläuterte. 50 Prozent der von Lefö betreuten Frauen sind von der Polizei an die Opferschutzeinrichtung verwiesen worden, nur fünf Prozent kommen allein von sich aus. Die anderen werden von anderen NGOs oder staatlichen Stellen auf Lefö aufmerksam gemacht.

Das Hilfsangebot von Lefö beruht auf mehreren Säulen: Beratung in juristischen Belangen, in gesundheitlicher und psychosozialer Hinsicht und was Rückkehrmöglichkeiten in das Heimatland betrifft. Die Begleitung zu Behörden, zum Arzt oder zu Gericht. Und die vorübergehende Unterbringung in „geheimen“ Wohnungen. „Diese Wohnungen, deren Adressen kein Außenstehender kennt, gibt es aus Sicherheitsgründen ausschließlich in Wien als Großstadt“, erklärte Evelyn Probst.

Lefö selbst ist jüngst von Wien-Margareten in die Josefstadt übersiedelt und hat sein Büro jetzt in der Lederergasse 35. Zur offiziellen Eröffnung wurden unter anderem Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) und der Direktor des Bundeskriminalamts, Franz Lang, erwartet. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) musste kurzfristig absagen.


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