Fastenmonat Ramadan beginnt um den 18. Juni

Damaskus (APA/dpa) - Für mehr als 1,6 Milliarden Muslime beginnt in den nächsten Tagen der Fastenmonat Ramadan - Millionen Bewohner der Kris...

Damaskus (APA/dpa) - Für mehr als 1,6 Milliarden Muslime beginnt in den nächsten Tagen der Fastenmonat Ramadan - Millionen Bewohner der Krisenherde in der arabischen Welt müssen das Fest dabei inmitten von Gewalt und Blutvergießen verbringen.

Nicht nur in weiten Teilen Syriens tobt der Bürgerkrieg. Auch im Irak, in Libyen und im Jemen wird gekämpft. Schätzungen zufolge leben mehr als 80 Millionen Menschen in arabischen Staaten, in denen u.a. wegen der Jihadisten-Organisation „Islamischer Staat“ (IS) Kriegszustände herrschen.

Der Ramadan ist die im Koran verankerte Pflicht zum Fasten. Im neunten Monat des islamischen Mondkalenders sollen Muslime demnach von Tagesanbruch bis Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen und Sex verzichten. Für den gläubigen Muslim ist das Fasten im Ramadan (Saum) der vierte der fünf Grundpfeiler des Islam. Die anderen vier sind das Glaubensbekenntnis (Schahada), fünf tägliche Gebete (Salat), die Armensteuer (Zakat) und die Wallfahrt nach Mekka (Hajj).

Nach islamischer Überlieferung hat Allah um 610 in einer Nacht im neunten Monat Ramadan seinem Propheten Mohammed das erste Mal den Koran durch den Erzengel Gabriel offenbart. Nach dem Koran beginnt der Ramadan, wenn nach dem Neumond die Mondsichel wieder sichtbar wird - heuer geschieht das um den 18. Juni herum. Da das Datum von Region zu Region variieren kann, bestimmen religiöse Gelehrte das Datum. Zum Ende des Monats feiern Muslime das Fest des Fastenbrechens - „Zuckerfest“ (arabisch: Eid al-Fitr, türkisch: Seker Bayrami).

Nach Sonnenuntergang, „wenn ein weißer Zwirn nicht mehr von einem schwarzen zu unterscheiden ist“, werden Datteln und Wasser gereicht. Danach folgt das Nachtgebet, das länger als gewöhnlich ausfallen sollte. In der Nacht versammeln sich die Gläubigen häufig zu einem gemeinsamen Essen. Der Ramadan endet am 27. Tag.

Ausnahmen beim Ramadan gibt es teilweise für Frauen. Ihnen ist das Fasten während der Menstruation und im Wochenbett verboten. Sie sollten ebenso wie Kranke und Reisende das Fasten zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Kinder sind von der religiösen Pflicht (Fard) des Fastens ebenfalls ausgenommen.

Während des Ramadan sollen die Muslime durch Moscheenbesuche und Koranrezitationen ihren Glauben bezeugen und Opfergaben bringen. Die letzten zehn Nächte des Fastenmonats gelten als besonders heilig. Eine von ihnen heißt in Erinnerung an die Offenbarung Mohammeds „Nacht der Bestimmung“ (Leilat al-Qadr), nach der auch die 97. Sure (Kapitel) des Korans benannt ist.

Im Islam gibt es vier Monate, in denen Kriege verboten sind. Der Ramadan gehört nicht dazu. Schon Mohammed gewann seine erste große Schlacht im Ramadan. Im Jahr 624 siegte der Prophet bei Badr nahe Medina über seine Gegner. Auch in modernen Zeiten sorgte der Ramadan nicht für einen Stopp von Gewalt und Kriegen. So wurde im Ramadan einer der für die Araber wichtigsten Kriege begonnen: Ägypten griff Israel mitten im Fastenmonat von 1973 an. Auch in der jüngsten Zeit verübten islamistische Terrororganisationen bewusst im Fastenmonat Anschläge auf „Ungläubige“ und vermeintlich Abtrünnige.

(Grafik 0702-15, Format 88 x 104 mm)


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