Die Kunst, ohne Gegner um Millimeter zu kämpfen

In der Kampfsportart Taekwondo gilt es, sich auch ohne Gegenüber zu beweisen: Beim „Poomsae“ geht es um exakte Bewegungsformen.

© Thomas Boehm / TT

Von Sabine Hochschwarzer

Innsbruck –Hart wie ein Diamant oder wild wie das Feuer – die Rollen, in die es beim „Poomsae“ (sprich: Bumsä) zu schlüpfen gilt, sind streng vorgegeben. Millimetergenau. Der eine Arm gestreckt, der andere angewinkelt, die Beine in Schrittstellung, die Füße im 30-Grad-Winkel am Boden aufgesetzt – dann kommt ein Schrei. Laut. „Es ist vergleichbar mit Eiskunstlauf“, findet Trainer Martin Seelos ungeahnte Parallelen.

„Poomsae“, auch Formenlauf genannt, ist ein idealisierter Taekwondo-Wettkampf inklusive Angriffs- und Verteidigungsaktionen, nur ohne Gegner. Die Bewegungsabläufe von insgesamt 17 Formen, die „Himmel“, „Donner“ oder wie eine koreanische Gebirgskette heißen, gilt es nachzumachen. „So präzise wie möglich“, sagt der Fieberbrunner Seelos, einer der österreichischen Nationalteamtrainer. Eine Unsicherheit beim Stand oder zu wenig Streckung der Zehen kosten im Wettkampf bereits drei Zehntelpunkte Abzug – von den insgesamt „perfekten“ zehn Zählern.

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Exakt diese Genauigkeit fasziniert Bianca Wurzenrainer, Zehnte der Nachwuchs-WM. „Es geht nicht nur ums Schlagen, sondern um Präzision. Das gefällt mir neben den Drehungen am besten“, beschreibt die 13-jährige Fieberbrunnerin, Österreichs jüngste Starterin bei der EM kommende Woche in Belgrad. Die Ampasserin Leni Niedermayr, Österreichs älteste EM-Teilnehmerin in Serbien, schwärmt ebenfalls: „Der ganze Körper ist gefordert – auch der Kopf. Das ist einfach toll.“ Die Liebe habe sie nach Tirol geführt, und hier habe sie auch dies, ihre große Leidenschaft, entdeckt. „Egal, wenn man auch schon älter ist, der Sport tut jedem gut“, sagt die 56-jährige gebürtige Niederländerin. Ihr tägliches Training hat sich längst schon in internationalen Erfolgen niedergeschlagen, wie EM-Bronze, WM-Rang fünf oder Platz zwei bei den Austrian Open am Wochenende.

Unter den 132 Millionen Taekwondo-Kämpfern weltweit spielt „Poomsae“ zwar nicht die Hauptrolle, wohl aber für die Tirolerin. „Wir sind eine kleine, feine Familie“, schmunzelt Niedermayr. Weitere Infos: www.ttdv.at

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