Löwen: Vom Wappentier zum Souvenir

Es wird eng für den König der Tiere: Auf Löwen-Farmen werden die Tiere ausgebeutet – als Gebärmaschinen, Touristenattraktion und Trophäe für Laien-Jäger.

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Von Judith Sam

Kapstadt –Beim Begriff „Löwe“ denkt man heute selten an den König der Tiere. Meist werden die Raubkatzen mit einem anderen Aspekt in Verbindung gebracht: mit Kommerz. „Ihre Knochen werden als ‚traditionelle Medizin‘ nach Asien verkauft. Der Zirkus Krone aus München arbeitet an einem Weltrekord, bei dem 70 Raubkatzen in der Manege auftreten und lächerliche Kunststückchen vorführen sollen“, nennt Hannes Jaenicke einige Beispiele.

Der bekannte deutsche Schauspieler hat sich während der vergangenen Monate intensiv mit dieser alarmierenden Entwicklung befasst: „Die wenigsten wissen, dass das Wappentier unzähliger Länder akut vom Aussterben bedroht ist.“

© ZDF und Markus Strobel

Um darauf aufmerksam zu machen, reiste der frühere „Tatort“-Darsteller mit einer Filmcrew des ZDF nach Afrika: „Ich wollte untersuchen, ob zur Rettung der Löwen noch etwas getan werden kann.“ Im Rahmen einer Dokumentation drehte er zunächst in Freiheit lebende Löwen und dann die traurige Kehrseite: „Löwen-Farmen. Dort züchtet man die Raubkatzen wie bei uns Schweine und Hühner.“

Schon wenige Tage nach der Geburt werden die Babys von ihrer Mutter getrennt. Diese Praxis ist laut Peter Höffken, Mitarbeiter der Tierschutzorganisation Peta, aus zwei Gründen gängig: „Zum einen passen sich die Kleinen dann schneller an den Menschen an. Zum anderen werden die Mütter so rascher wieder geschlechtsreif und zu wahren Gebärmaschinen. Sie sind permanent traumatisiert, weil man ihnen ihre Kinder kurz nach der Geburt wegnimmt.“

Damit beginnt die „Karriere“ der kleinen Löwen. Solange sie niedlich sind, dienen sie als Touristenattraktion. „Meist ahnungslose Urlauber können die per Flasche aufgezogenen Babylöwen streicheln und sich mit ihnen fotografieren lassen“, weiß Höffken.

Sind sie dem Kuschelalter entwachsen, werden die Raubtiere laut Peta an Jagdanbieter verkauft: „Im Internet gibt es unzählige Möglichkeiten, eine Afrika-Reise inklusive garantiertem Löwen-Abschuss zu buchen. Die zahmen Tiere werden bei der Gatterjagd in großräumige Käfige gesperrt, wo sie teils erschossen werden, während sie friedlich dösend am Boden liegen.“

Für Helmut Dungler, den Gründer des Österreichischen Tierschutzvereins Vier Pfoten, handelt es sich dabei nur um eine Showjagd, die nichts mit Können zu tun hat: „Manche Länder reagieren jetzt darauf – Australien etwa hat den Import von Jagdtrophäen verboten.“ Fluglinien wie die South African Airways, die Lufthansa und die Emirates transportieren Trophäen nicht mehr.

„Das Hauptproblem ist jedoch, dass diese Jagd legal ist. Afrika darf laut dem Washingtoner Artenschutzabkommen von 1973 seine ,natürlichen Ressourcen‘ nutzen, um Geld zu verdienen“, kritisiert Höffken. Einen Jagdschein oder Erfahrung müssen die Jäger der rund 8000 in Zuchtanstalten lebenden Tiere übrigens nicht nachweisen.

Es gibt allerdings auch Löwen-Refugien, die ihre Tiere nicht aus kommerziellen Gründen halten: Teile von Jae- nickes Dokumentation wurden im „Lionsrock“ gedreht, einer Auffangstation nahe der südafrikanischen Stadt Betlehem, die Vier Pfoten 2006 gegründet hat. Auf 52 Hektar leben mehr als 100 Raubkatzen, die aus dramatischen Bedingungen gerettet wurden. „Ich war dabei, wie mächtige Löwen davor zurückschrecken, eine Wiese zu betreten. Sie haben ihr ganzes Leben weder Gras noch Wind gefühlt, weil man sie in engen Betonkäfigen hielt“, kritisiert Dungler: „Da merkt man, was wir Menschen teils verbrechen.“


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