Fußball: Hütter will kein „Ausbildungstrainer“ mehr sein

Salzburg (APA) - Fußball-Meister Red Bull Salzburg und der scheidende Trainer Adi Hütter haben ihre Trennung am Dienstag noch einmal mit unt...

Salzburg (APA) - Fußball-Meister Red Bull Salzburg und der scheidende Trainer Adi Hütter haben ihre Trennung am Dienstag noch einmal mit unterschiedlichen Zielsetzungen begründet. „Ich sehe mich nicht in Zukunft als Ausbildungstrainer“, erklärte Hütter in einer gemeinsamen Pressekonferenz. Die zahlreichen namhaften Abgänge - acht alleine in dieser Transferperiode - hätten seine Arbeit nicht leichter gemacht.

„Es wird auch in Zukunft so sein, dass die besten Spieler den Verein verlassen werden“, meinte Hütter. „Der Weg ist vorprogrammiert. Diesen Weg möchte ich auch nicht mitgehen, weil ich meine persönlichen Ziele ein bisschen anders sehe.“ Hütter hatte die Mannschaft vergangenen Sommer übernommen und zum Double geführt. Am Montagabend gaben die Salzburger die einvernehmliche Trennung bekannt.

Nach einem einwöchigen New-York-Aufenthalt hatte Hütter am Wochenende intensive Gespräche mit dem neuen Generalmanager Jochen Sauer und Sportchef Christoph Freund geführt. Begonnen hätten die Diskussionen aber bereits nach dem Europa-League-Aus Ende Februar gegen Villarreal. Hütter: „Jetzt sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir einen Schlussstrich ziehen werden.“

Sein Vertrag wäre eigentlich noch ein Jahr gelaufen. Einen anderen Job hat Hütter laut eigenen Angaben noch nicht in Aussicht. „Ich habe mich bis zum heutigen Tag ausschließlich mit Red Bull Salzburg beschäftigt“, betonte der 45-jährige Vorarlberger. „Wenn nicht gleich etwas kommen sollte, habe ich genug Zeit, mich neu zu orientieren. Ich habe jetzt nicht die große Eile.“

Ganz im Gegensatz zu den Salzburgern, die bis zum Trainingsauftakt am 27. Juni einen neuen Chefcoach präsentieren wollen. „Das Profil des Trainers muss natürlich zu unserer Vereinsstrategie passen“, erläuterte Sauer. Das enge den Kandidatenkreis bereits ein. „Es ist klar, dass wir da nicht nur in Österreich schauen können, sondern uns auch auf dem europäischen Trainermarkt umschauen“, sagte der Manager.

Namen, darunter den in spanischen Medien kolportierten früheren Barcelona-Stürmer Oscar Garcia, wollte Sauer nicht kommentieren. Auch eine interne Lösung mit Peter Zeidler vom Zweitligisten FC Liefering schloss der Manager nicht aus. „Es geht um die beste Lösung“, erklärte Sauer. „Da kommen alle Möglichkeiten in Betracht.“

Die sportliche Zielsetzung für die kommende Saison bleibe die gleiche. „Es wäre unglaubwürdig zu sagen, wir sind mit dem Vizemeistertitel zufrieden“, meinte Sauer. Die Ausgangslage habe sich im Vergleich zum Vorjahr aber leicht geändert, ergänzte Freund. „Da wollten wir mit aller Macht in die Champions League rein“, erinnerte der Sportliche Leiter. Diesen Rucksack wolle man sich heuer nicht aufbürden.

Immerhin haben zahlreiche Leistungsträger den Club verlassen. „Wir werden den Kader noch verstärken“, versprach Freund. „Wir haben namhafte Abgänge, vor allem auch in der Defensive. Wir werden der Mannschaft noch Qualität hinzufügen.“ Bis Trainingsstart sollten alle Personalien abgeschlossen sein. Sobald ein Trainer feststehe, solle auch dieser in die Kaderplanung eingebunden werden.

Vorerst steht die Vereinsphilosophie mit dynamischem Angriffsfußball und der Entwicklung junger Talente über allem. Hütter hätte sich auf dem Spielersektor eine geringere Fluktuation gewünscht. „Kein Trainer der Welt verliert gerne gute Spieler. Es wird aber nicht jedes Jahr so sein, dass acht Spieler den Verein verlassen“, versicherte Sauer. „Schlimm wäre es, wenn der Verein seine Strategie von Jahr zu Jahr ändert.“

Die Salzburger setzen seit drei Jahren auf ihr Konzept. In den vergangenen zwei Saisonen gab es zweimal das Double. Der Trainer verabschiedete sich danach aber jeweils, Hütters Vorgänger Roger Schmidt im Vorjahr zu Bayer Leverkusen. Auch Hütter zog die Konsequenzen. „Ich bin kein Trainer, der mit dem Strom schwimmt“, sagte der Ex-Nationalspieler.

Auch mit Sportdirektor Ralf Rangnick, mittlerweile beim deutschen Zweitligisten RB Leipzig selbst Trainer und Sportchef in Personalunion, sei daher nicht immer alles rund gelaufen. „Wenn sich zwei Persönlichkeiten aneinander reiben, funkt es vielleicht manchmal“, erklärte Hütter. „Aber das Wichtigste ist, dass man erfolgreich ist.“ Er war es. Nachsatz: „Wir trennen uns im Guten. Ich denke, das sieht man.“


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