Kairo: Muslimbrüder kündigten Proteste gegen Todesurteile an

Kairo (APA/AFP) - Ein Gericht in Kairo hat das Todesurteil gegen den früheren ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi und rund hundert weiter...

Kairo (APA/AFP) - Ein Gericht in Kairo hat das Todesurteil gegen den früheren ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi und rund hundert weitere Angeklagte am Dienstag bestätigt. Die Muslimbrüder sprachen in ersten Reaktionen von „grotesken Urteilen“. Ihre Anhänger riefen sie für Freitag zu Protesten gegen „Todesstrafe, Verhaftungen und Verschwindenlassen“ sowie gegen Präsident Abdel Fattah al-Sisi auf.

Die Bestätigung der Todesurteile wurde verkündet, nachdem Ägyptens oberster Mufti eine beratende Stellungnahme zu dem Urteil abgegeben hatte. Mursi war Mitte Mai in einem Prozess um Gefängnisausbrüche und Gewalt gegen Polizisten zum Tod verurteilt worden. Gegen die nun getroffene Entscheidung kann der islamistische Ex-Präsident in Berufung gehen.

Kurz zuvor war Mursi wegen „Spionage“ für die palästinensische Hamas, die libanesische Hisbollah-Miliz und den Iran zu lebenslanger Haft verurteilt worden. In einem dritten Prozess hatte Mursi im März zudem 20 Jahre Haft wegen Anstiftung zur Gewalt gegen Demonstranten im Jahr 2012 erhalten.

Mursi war nach dem Sturz des langjährigen ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak der erste demokratisch gewählte Präsident Ägyptens. 2013 wurde er vom Militär entmachtet. Nach Mursis Absetzung kam der heutige Staatschef Sisi an die Macht, der beim Sturz Mursis Armeechef war. Er hatte angekündigt, die Muslimbruderschaft auslöschen zu wollen.

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Seither wurden mehr als 1.400 Mursi-Anhänger getötet und nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch über 40.000 weitere festgenommen. Massenprozesse, bei denen im Schnellverfahren hunderte Islamisten zum Tode verurteilt wurden, bezeichnete die UNO als „beispiellos in der jüngeren Geschichte“.


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