Uwe Boll wird 50: „Schlechtester Regisseur der Welt? So ein Quatsch.“

Mainz (APA/dpa) - Uwe Boll hat das Kunststück fertig gebracht, mit einigen eher nicht so guten Filmen berühmt zu werden. Wohl auch, weil der...

Mainz (APA/dpa) - Uwe Boll hat das Kunststück fertig gebracht, mit einigen eher nicht so guten Filmen berühmt zu werden. Wohl auch, weil der Mann, der einen Teil des Jahres in Mainz verbringt, wenig Scheu kennt. Nicht vor Filmstoffen aus Videospielen und erst recht nicht vor Kritikern. Am Montag (22. Juni) wird der Mann mit den pragmatisch kurzen Haaren 50 Jahre alt.

Uwe Boll macht sich mal wieder Freunde. „Das fängt bei den Handwerkern an - die sind hier eine absolute Katastrophe“, poltert er los bei Frage, ob das Leben in seiner Teilzeit-Heimat Kanada denn schön sei. „Die medizinische Versorgung ist auch schlecht. Und die öffentlichen Schulen sind mies. Zudem haben sie hier von Kochen keine Ahnung.“

Uwe Boll ist kein großer Diplomat. Das macht aber einen Teil seiner Bekanntheit aus. Der Regisseur, der im Jahr zwischen seinen beiden Wohnorten Vancouver - seine Frau ist Kanadierin - und Mainz pendelt, hat viel einstecken müssen, ist aber auch gut im Austeilen. In Hollywood haben sie ihm die Goldene Himbeere für das „Schlechteste bisherige Lebenswerk“ verliehen. Boll reagiert auf derlei Kritik mal gelassenen, mal pampig. Seine Kritiker hat er auch schon zu einem Boxturnier aufgefordert („Ich habe alle vier hintereinander platt gemacht“).

Einem größeren Publikum ist Boll wohl vor allem mit seinen Videospiel-Verfilmungen wie „Alone in the Dark“ oder „Schwerter des Königs - Dungeon Siege“ bekannt geworden. Einige der Machwerke stehen nicht gerade im Ruf, große Kunst zu sein. Wer sich Bolls Vita anschaut, findet darin aber prominente Weggefährten wie Ben Kingsley, Jason Statham oder Til Schweiger, die für ihn vor der Kamera standen. Zum Geburtstag widmet ihm der Sender Tele 5 die Reihe „Boll-Werke“ (22. bis 26. Juni). Irgendwas muss also dran sein an diesem Boll.

Zum einen ist da ein gewisser Pragmatismus. „Ich weiß, dass ich für viele der bin, der diese Videospiele verfilmt hat. Deswegen hassen mich die Geeks. Mir geht das aber am Arsch vorbei. Für ein Drama bekam ich keine Investoren, aber für Videospiel-Verfilmungen“, sagt Boll, der im nordrhein-westfälischen Wermelskirchen geboren wurde. Er habe schon immer Filme machen wollen. Als ihn Filmhochschulen ablehnten, studierte er Sozialwissenschaften und Germanistik und promovierte. Seine Mails unterzeichnet er mit „Dr. Uwe Boll“.

Schließlich schaffte es Boll doch in die Branche. Bei Taunus-Film in Wiesbaden wurde er Geschäftsführer und zog nach Mainz. Von dort gelang der Sprung in die USA. „Zu der Zeit gab es dann die Filmfonds. Ich habe mich mit ein paar Anlageberatern zusammengetan und bin nach Amerika, um meine Projekte zu verwirklichen“, erzählt er.

Diese Projekte spalten bis heute das Publikum. „Trashfilmer“, „B-Filmer“, „Deutschlands Antwort auf Ed Wood“ - Boll trägt viele Etiketten mit sich rum. Jener Ed Wood erlangte nämlich einst eine gewisse Berühmtheit, weil er mit Billigfilmen Karriere machte. Boll findet, dass so ein Vergleich am Thema vorbeigeht. Er habe mit Budgets von mehr als 65 Millionen Dollar gearbeitet. Boll fasst es so zusammen: „Wenn ich B-Filmer bin, was ist denn dann Doris Dörrie?“

Es gibt Filme, auf die Boll stolz ist - etwa „Darfur“, der auch milder beurteilt wurde. Andere wie „Alone in the Dark“ würde er sich selbst wohl auch nur noch im Zeitraffer angucken, sagt er. „Aber schlechtester Regisseur der Welt? So ein Quatsch.“ Momentan arbeite er an „Rampage 3“. Darin will er Washington zerstören.

Man nimmt Boll ab, dass ihn das ganze Hollywood-Chichi mit seinen Star-Allüren wenig interessiert. Das gilt auch für andere Lebensbereiche. Momentan treibt ihn ein neues Projekt um, ein eigenes Restaurant in Vancouver. Die Kritik sei gut, es kämen aber noch zu wenig Leute, meint Boll. Gott sei Dank habe er es im Blut, Budgets zusammenzustreichen. Das habe er beim Film gelernt.

„Meinem Restaurant-Manager habe ich gesagt: Wozu brauchst du einen Kellner, wenn unter der Woche zehn Leute da sitzen? Da kannst du selber servieren.“ Aber der Mann habe bislang im Kensington Palace und im Tower of London gearbeitet. „Der versteht das noch nicht.“


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