Wechsel zur dpa für APA-Chef Kropsch „einmalige Gelegenheit“

Wien (APA) - APA-Geschäftsführer Peter Kropsch (49) wechselt im September 2016 zur Deutschen Presse-Agentur (dpa) und übernimmt dort im Jänn...

Wien (APA) - APA-Geschäftsführer Peter Kropsch (49) wechselt im September 2016 zur Deutschen Presse-Agentur (dpa) und übernimmt dort im Jänner 2017 den Vorsitz der Geschäftsführung. Ein Angebot, das er nicht ausschlagen konnte, wie Kropsch im Gespräch mit der APA sagte. Größte Herausforderung für Nachrichtenagenturen sei derzeit die „Neudefinition“ des klassischen Agenturmodells.

APA: Sie wechseln im nächsten Jahr zur dpa und übernehmen dort den Vorsitz der Geschäftsführung. Ein Angebot, das Sie nicht ausschlagen konnten?

Kropsch: Das ist definitiv so. Wenn man durch und durch Nachrichtenagentur-Mann ist und sich die einmalige Gelegenheit findet, bei der dpa in führender Position mitzuarbeiten, dann gibt es nicht viel zu überlegen. Ausschlaggebend war für mich aber die gute Zusammenarbeit mit dpa-Geschäftsführer Michael Segbers und seinem Team über die letzten Jahre. Die dpa ist unser wichtigster Partner im klassischen Nachrichtenagentur-Geschäft. Wir haben es aber auch geschafft, außerhalb des traditionellen Bereichs gemeinsam Projekte zu realisieren. Da ist besonders die Kooperation news aktuell mit APA-OTS zu nennen, aber auch die Finanznachrichtenagentur dpa-AFX und das neueste Joint Venture dpa-ds für Zeitungs-Apps. Ebenso ausschlaggebend ist, dass meine Frau und meine drei Kinder mitmachen. Das ist für uns alle ein großer Schritt. Ich bin ihnen sehr dankbar.

APA: Die dpa zählt zu den großen Weltagenturen. Wie werden Sie es dort anlegen?

Kropsch: Ich werde zuerst einmal gut zuhören und dann gemeinsam mit meinen neuen Kolleginnen und Kollegen zusehen, was ich einbringen kann.

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APA: Das klassische Agenturmodell hat heute so gut wie ausgedient. Was sind in diesen digital bewegten Zeiten die größten Herausforderungen für Nachrichtenagenturen?

Kropsch: Unsere größte Aufgabe ist die Neudefinition unserer klassischen Modelle. Hier gibt es definitiv Erfolg versprechende Gedankengänge. Denken wir zum Beispiel an die „Sharing Economy“. Höchst erfolgreiche Unternehmen in den Bereichen Personenbeförderung oder Beherbergung folgen diesem Prinzip: Viele Teilnehmer bringen ihre Leistungen ein. Die wesentliche singuläre wirtschaftliche Abschöpfung tätigt aber die Plattform, die alles organisiert. Nachrichtenagenturen vertreten im Nachrichtenumfeld gewissermaßen ebenfalls einen Sharing Economy-Ansatz. Sie sind Informationsbroker, Rechtehändler und stellen die Plattformen und Infrastrukturen für den Austausch zur Verfügung. Da Medien Teilhaber der Nachrichtenagentur sind, fließt die Abschöpfung nicht einfach davon, sondern bleibt im System. Sie kann zum Wohle der Teilnehmer reinvestiert werden. Ich halte das für einen Ansatz, der ausgesprochen zukunftsfähig ist.

APA: Stichwort Finanzierung von Agenturjournalismus. Sie stehen seit 2009 an der Spitze der APA. In dieser Zeit gab es einige Sparrunden, zugleich wurde in neue Geschäftsfelder investiert und die Jahresergebnisse waren jeweils deutlich positiv. Wie steht es derzeit um die APA?

Kropsch: Die APA hat heute ein Portfolio an Geschäften im In- und Ausland, das ihr Stabilität gibt. Sparen müssen wir überall. Aber wir sparen, damit wir in Neues investieren können. Auch in den klassischen Agenturbereichen. In der Mittelfriststrategie geht es bei uns auch darum, wie der Nachrichten-Basisdienst der Zukunft aussehen wird. Es geht dabei um den Erhalt der inhaltlichen Qualität des Dienstes bei gleichzeitiger Steigerung der direkt verwertbaren Elemente - vor allem im Bereich Video und Grafik. Gleichzeitig erlauben immer ausgefeiltere Systeme immer erstaunlichere Verknüpfung von Informationen über die Systemgrenzen hinweg. Damit entsteht Qualität auf vielen neuen Ebenen. Wachstum ist heute viel schwieriger zu erreichen als noch vor einigen Jahren. Heuer wird uns Wachstum gelingen, und auch das Ergebnis wird ganz gut sein.

APA: „True and unbiased News“ bzw. die Unabhängigkeit der Berichterstattung zählen zu den Kernaufgaben von Nachrichtenagenturen ...

Kropsch: Das wird auch immer so bleiben. Das ist unser Markenzeichen in einem überbordenden Markt an Informationen und ist der Sinn, warum es uns gibt.

APA: Haben sich die Eigentümer der APA schon auf Ihre Nachfolge verständigt bzw. bis wann wird das der Fall sein?

Kropsch: Über die Nachfolge in der Geschäftsführung der APA wurde noch nicht entschieden. Bis zu meinem Vertragsende sind es ja noch 12 Monate. Insofern gibt es derzeit keinen Zeitdruck. Die APA hat ein starkes Führungsteam, das die APA-Gruppe derzeit und auch künftig in bewährter Weise steuert. Alles Weitere ist Sache der Eigentümer, sie werden die entsprechenden personellen Entscheidungen treffen.

APA: Sie haben in einem Beitrag für den jüngsten Public Value-Bericht des ORF geschrieben, „Medien benötigen gewiefte Manager/innen, die solche Unternehmen geschickt zwischen Gemeinnutz und Shareholder-Value hindurch steuern“. Gilt das auch für die APA?

Kropsch: Absolut. Man muss eine sehr genaue Vorstellung entwickeln, was man in Zukunft zur Medien- und Informationswirtschaft beitragen kann und das konsequent umsetzen. Aber man sollte auch - wenn nötig - den Shareholder Value bedienen können. Dann sind alle zufrieden und man kann arbeiten.

~ WEB http://www.apa.at. ~ APA141 2015-06-17/10:54


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