ÖSV soll Protokolle geändert haben

Heute tritt ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel in der Causa Fenninger vor die Medien. Eine neuerliche Eskalationsstufe droht. Das WirtschaftsBlatt berichtet von vom ÖSV geänderten Gesprächsprotokollen.

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Anna Fenninger feiert heute ihren 26. Geburtstag. Aber so schnell werden die Salzburgerin und ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel wohl keine Torte mehr miteinander essen.

Von Florian Madl Innsbruck — Dass ein Hotel einen Boxkampf beherbergt, kennen Sportkonsumenten nur aus Las Vegas. Heute, 10.30 Uhr, steigt jedenfalls Peter Schröcksnadel im Vienna Marriott in den Ring, doch dabei handelt es sich nur um Schattenboxen: Eine Pressekonferenz zum Thema Anna Fenninger findet zwar statt, aber eben ohne Anna Fenninger. Die Olympiasiegerin hätte heute sogar ihren 26. Geburtstag, aber miteinander Torte essen werden die beiden vorerst nicht.

Ein dem „WirtschaftsBlatt“ vorliegendes Protokoll soll indes bestätigen, dass die Mercedes-Kampagne mit dem Österreichischen Skiverband (ÖSV) besprochen war. „Der ÖSV änderte dieses nachträglich“, berichtete die Zeitung am Mittwochabend vorab auf ihrer Homepage. Mehr dazu finden Sie hier.

Vieles deutet nach dem Werbestreit der vergangenen Wochen und der jüngsten Eskalation auf einen Verbandsausschluss Anna Fenningers hin, sie würde damit als Ein-Frau-Team durch den Weltcup tingeln. Hintergrund: Die Salzburgerin hatte sich für eine Benefiz-Kampagne mit einem ÖSV-fremden Sponsor (Mercedes) ablichten lassen. Wie sehen die möglichen Szenarien aus?

1. Provokation? „Jetzt muss ich mich einmischen, jetzt mische ich mich ein“, erklärte Schröcksnadel in einem Interview mit der Tageszeitung Standard. Die Absprache mit den Landesverbandspräsidenten erfolgt kommende Woche in Seefeld, wo es ursprünglich um eine andere heiße Kartoffel gehen hätte sollen: Dürfen sich Saalbach oder St. Anton/Arlberg für Österreich um die alpine Ski-WM 2023 bewerben? Möglich, dass die heutige Pressekonferenz nur die ÖSV-Position klarstellen soll und nach der jüngsten Facebook-Attacke Fenningers auf Schröcksnadel die Hierarchie zurechtrücken soll. Seine Ankündigung: „Es wird sicher Konsequenzen geben, es muss Konsequenzen geben.“ Einzig auf einen Rechtsstreit wolle er sich nicht einlassen.

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2. Eskalation? Mercedes stornierte die strittige Werbekampagne, um die Karriere der Weltcup-Gesamtsiegerin nicht zu gefährden, Schröcksnadel bleibt ungerührt: „Ich nehme das zur Kenntnis. Aber es ist kein Grund, um in Jubel auszubrechen.“ Zudem stünde er über den Angriffen Fenningers gegen seine Person. „Die Anna ist halt leider irregeführt“, ließ er einen Seitenhieb auf Fenningers Manager Klaus Kärcher ab. Der Deutsche indes schloss ein Einzelteam Fenninger aus: „Anna ist eine Teamplayerin. Sie will das sportliche Umfeld des ÖSV.“ ÖSV-Sportdirektor Hans Pum konkretisierte im gestrigen Ö1-Morgenjournal die Konsequenzen: „Sie bekommt natürlich vom ÖSV die Lizenz, aber kommt für ihr Umfeld dann selbst auf.“

3. Deeskalation? „Diese Einschaltung von Mercedes-Benz in den österreichischen Printmedien bezog sich in erster Linie nicht auf das Engagement von Anna Fenninger im Artenschutz, sondern ihren Einsatz für die Laureus-„Sport for Good Stiftung“, hieß es gestern in einer Stellungnahme zum Mercedes-Engagement. Selbst der Motorsportchef der Stuttgarter, der Wiener Toto Wolff, riet in einem gestrigen Pressegespräch: „Man muss wie in der Formel 1 Kompromisse finden und das alles nicht über die Medien ausfighten.“ Zu dieser Abrüstung der Worte riet im Fall Fenninger gestern auch Tirols ehemaliger Alpin-Star Katharina Gutensohn, der 1988 selbst einen Nationenwechsel in Richtung Deutschland vornahm: „Mir kommt das alles ein wenig unnötig vor. Die Sache hat sich nach oben geschaukelt, alle haben ein bisschen den Überblick verloren.“ Skistar Benni Raich, sportlicher Ziehsohn Schröcksnadels, mahnte Dankbarkeit ein: „Man kann als Top-Athlet nur wegen der gewaltigen Leistung von Peter Schröcksnadel und seinem Team überhaupt so viel Geld verdienen.“ Die Sportler könnten nur deswegen so viel Geld verdienen und so gut trainieren, „weil die das so gut gemacht haben“. Ähnlich sieht es seine Frau Marlies: „Ich finde es schade für die Anna und schade für den Skiverband. Ich finde das von Seite Anna nicht in Ordnung. Wir haben die Vereinbarung getroffen, mir ist es immer sehr gut gegangen, ich bin immer zufrieden gewesen — und das ist auch ein Verdienst des Präsidenten und aller Leute, die dahinterstehen.“

Chronologie

Dezember, 2014: Der längere Konflikt zwischen Anna Fenningers Management und dem ÖSV wird erstmals publik.

11. Mai, 2015: Ein internes Fenninger-Mail an den ÖSV wird der Sportwoche zugespielt. Fenninger droht ihren Rücktritt an. Der ÖSV habe sie gedrängt, sich von ihrem Management zu trennen.

11. Juni, 2015: Nach einer Aussprache in Salzburg gilt der Streit als beigelegt. Eine gemeinsame Erklärung wird verfasst.

15. Juni, 2015: Präsident Schröcksnadel spricht bei einer Trainertagung von der Fenninger-Mercedes-Kampagne und kündigt für den Fall der Fälle Konsequenzen an.

16. Juni, 2015: Fenninger und ihr Management beschweren sich über die Schröcksnadel-Drohungen. Alles sei abgesprochen gewesen.

18. Juni, 2015: Fenninger feiert ihren 26. Geburtstag. Im Sportmagazin erscheint ihr Konterfei auf einem Mercedes-Inserat.


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