Jobs rauf, Löhne runter: Deutsche Post sieht sich in Wettbewerbsfalle

Bonn (APA/dpa) - Das Thema ist für den Deutsche-Post-Chef Frank Appel seit Monaten ein Dauerbrenner: Die hohen Löhne und Gehälter für die 14...

Bonn (APA/dpa) - Das Thema ist für den Deutsche-Post-Chef Frank Appel seit Monaten ein Dauerbrenner: Die hohen Löhne und Gehälter für die 140.000 Tarifbeschäftigten im Inland und ihr großer Abstand zum Wettbewerb.

Während die Postkonkurrenten die aufwendige und kostenintensive Zustellung von Paketen meist Subunternehmen überlassen, deren Beschäftigten oft nicht mehr als den Mindestlohn nach Hause tragen, setzt die Post überwiegend auf eigene Zusteller - Briefträger und Paketboten, darunter auch viele Beamte. Und das kostet Geld.

Insgesamt hat der gelbe Riese jährlich weltweit mit 484.000 Beschäftigten Personalkosten in Höhe von insgesamt 18,2 Mrd. Euro zu schultern. Löhne und Gehälter machen laut Geschäftsbericht 2014 alleine eine Summe von 14,5 Mrd. Euro aus. Wie hoch der Anteil der Personalkosten in Deutschland ist, schlüsselt das Unternehmen nicht auf. Aber bei 180.000 Mitarbeitern, darunter 40.000 Beamte und 3.000 Auszubildende, dürfe die Summe mindestens im oberen einstelligen Milliardenbereich liegen. Der Hauptbrocken wiederum entfällt auf die Zustellung, in der mehr als 100.000 Postler arbeiten.

Aber dort laufen die Dinge nicht mehr so wie früher und wie ver.di es sich wünscht. Der Online-Boom und mit ihm ein blühendes Paketgeschäft im Schlepptau machen aus der Sicht des Managements Veränderungen der Tarifstruktur nötig. Der Ausbau der Infrastruktur verschlingt hohe Geldbeträge. Außerdem sitzen dem Konzern die Konkurrenten um Hermes, DPD, GLS & Co im Nacken. „Wenn wir so weitermachen, entstehen neue Arbeitsplätze in der Paketzustellung nur noch bei der Konkurrenz“, warnte Appel vor wenigen Wochen in der „Bild“-Zeitung. Und Personalchefin Melanie Kreis sekundierte: Nur durch eine dauerhaft wettbewerbsfähige Lohnstruktur könne sich die Post auch zukünftig am Markt behaupten.

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Angleichung der Lohnkosten an die Konkurrenz, ohne dem festen Belegschaftsstamm etwas wegzunehmen, heißt die Zauberformel. Nachdem die Post bei ver.di mit dem Vorstoß, marktgerechtere Löhne einzuführen, auf Granit stieß, ging sie zum Jahresanfang mit den ersten regionalen Paketgesellschaften an den Start. Deren inzwischen 6.000 Mitarbeiter sind zum großen Teil ehemals befristet Beschäftigte der Post, die einen Dauerjob erhielten. Ein anderer Teil wurde vom Arbeitsmarkt rekrutiert. Und ein Postsprecher beteuert: Kein einziger fest angestellter Postmitarbeiter sei aus dem Konzern gedrängt worden. Vielmehr seien neue unbefristete Jobs entstanden.

Doch die Gewerkschaft sprach von Vertragsbruch und trommelte zum Widerstand. Die stellvertretende ver.di-Chefin Andrea Kocsis fordert nun die Rückführung der Gesellschaften in den Haustarifvertrag: „Wir glauben, dass die Post ein sehr gutes Netz hat“. Und die Milliardengewinne sind für ver.di ein weiteres Argument, um hoch zu pokern. Dass sich die Post auf einen solchen Deal einlassen wird und die Räder zurückdreht, ist aber unwahrscheinlich.

So wird zwar in den neuen Paketgesellschaften weniger als im Haustarif gezahlt, aber die Post ist weit weg vom Image eines Billigheimers. Dies trifft eher zu für die Service-Partner der Wettbewerber, die als Subunternehmen für jene auf der „letzten Meile“ Pakete zustellen. Allein bei DPD sind das 9.000 Zusteller in rund 1.000 Transportbetrieben. Generell gelten die Arbeitsbedingungen bei den Subunternehmen wegen der knappen Gewinnspannen als schlecht. Erst im November 2014 hatte die Stiftung Warentest in diesem Punkt nur der Post gute Noten attestiert.

Aber die Konkurrenten haben sich lernfähig gezeigt. So pocht Hermes in seinen Partnerbetrieben ähnlich wie DPD auf die Einhaltung von Mindeststandards. Der Mindestlohn von 8,50 Euro ist ohnehin gesetzlich vorgeschrieben. Die eigenen 7.500 Mitarbeiter bezahlt DPD beispielsweise nach dem höher dotierten, mit ver.di ausgehandelten regional gültigen Tarifvertrag des Speditions- und Logistikgewerbes (SpedLog).

Das sind genau die Tarife, die auch für die 6.000 Postler der neuen Paketgesellschaften gelten, die derzeit nicht streiken dürfen. Nach Angaben des Unternehmens kassiert hier ein Paketzusteller im Schnitt einen Stundenverdienst von 13 Euro, wobei die Spanne zwischen 10,50 Euro und 18 Euro liegt. Üppiger ist die Bezahlung im Haustarif des Postkonzerns: Dort sind es 17,70 Euro im Durchschnitt, bei einer Spanne von 11,80 Euro bis 22 Euro in der Spitze.

~ ISIN DE0005552004 WEB http://www.deutschepost.de ~ APA080 2015-06-18/08:52


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