vorarlberg museum präsentiert selten gezeigte Kunst von 1914 bis 1938

Bregenz (APA) - Vielfalt und Widersprüchlichkeit, Tradition und Avantgarde prägten die Kunstszene von Beginn des Ersten Weltkrieges bis zum ...

Bregenz (APA) - Vielfalt und Widersprüchlichkeit, Tradition und Avantgarde prägten die Kunstszene von Beginn des Ersten Weltkrieges bis zum „Anschluss“ Österreichs an Hitler-Deutschland. Einen umfassenden Einblick in die unterschiedlichen künstlerischen Tendenzen dieser Zeit zeigt die Sommerschau im vorarlberg museum „Das ist Österreich! Bildstrategien und Raumkonzepte 1914-1938“ von 20. Juni bis 11. Oktober.

Dabei konzentrierte sich Kurator Christoph Bertsch vom Institut für Kunstgeschichte der Universität Innsbruck vor allem auf wesentliche Werke österreichischer Künstler, die kaum oder nie in Ausstellungen gezeigt werden. Darunter fielen vor allem stark politisch orientierte Bilder, Fotografien und Skulpturen, die sich mit der Gewalt dieser Zeit, mit den Kämpfen auf der Straße auseinandersetzten oder auch Künstler, die in einem Konzentrationslager der Nationalsozialisten interniert waren oder darin umkamen, betonte Bertsch bei der Presseführung zur Ausstellung am Donnerstag in Bregenz.

Als Beispiele nannte er etwa die in Auschwitz ermordete Malerin und Bauhaus-Vertreterin Friedl Dicker-Brandeis, die in unterschiedlichen KZ internierten Maler Peter Edel und Rudolf Charles von Ripper sowie die Auseinandersetzung mit den Straßenschlachten in der Zwischenkriegszeit von Erika Giovanna Klien, der bedeutendsten Künstlerin des Wiener Kinetismus, oder von Maximilian Florian und Franz Probst. „Diese Arbeiten haben ihren berechtigten Stellenwert in der Kunstgeschichte der Zwischenkriegszeit. Es ist an der Zeit, dass sie in einer Gesamtschau gezeigt werden“, sagte Bertsch.

Anders als üblich sind die über 200 Ausstellungsstücke nicht nach stilistischen Kriterien geordnet, vielmehr wird versucht, inhaltliche Bezüge und Gegensätze der Werke herzustellen. Nebeneinander sind so etwa namhafte Bilder von Künstlern der Neuen Sachlichkeit, des Dadaisten Raoul Hausmann oder des Expressionisten Oskar Kokoschka zu sehen. Zudem wurden Arbeiten der drei zeitgenössischen Künstler Flatz, Peter Weibel und Dani Gal in die Schau integriert, die deren Auseinandersetzung mit der Geschichte der Zwischenkriegszeit widerspiegeln. Flatz etwa beschäftigt sich in Selbstporträts mit dem Titel „Zwei Österreicher oder Geschichte bedingt Interpretation“ mit der Physiognomie Adolf Hitlers, der israelische Videokünstler Dani Gal erzählt in einem bereits auf der Berlinale gezeigten Film von einer wenig bekannten Freundschaft des Nazijägers Simon Wiesenthal mit dem NS-Architekten Albert Speer.

Zahlreiche Ausstellungsstücke stammen aus dem Archiv des vorarlberg museums, das zentrale Werke vor allem der Vorarlberger Vertreter der Zwischenkriegszeit besitzt, wie zum Beispiel von Edmund Kalb, Rudolf Wachter oder Herbert von Reyl-Hanisch.

(S E R V I C E - „Das ist Österreich! Bildstrategien und Raumkonzepte 1914 - 1938“, Ausstellung im vorarlberg museum, 20. Juni bis 11. Oktober, Di bis So 10-18 Uhr, Do 10-21 Uhr; http://www.vorarlbergmuseum.at)


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