Totenbuch für sowjetisches Speziallager in Deutschland veröffentlicht

Weimar/Moskau (APA/dpa) - In Deutschland hat die Stiftung der Gedenkstätte Buchenwald die Namen fast aller Toten des sowjetischen Speziallag...

Weimar/Moskau (APA/dpa) - In Deutschland hat die Stiftung der Gedenkstätte Buchenwald die Namen fast aller Toten des sowjetischen Speziallagers Nummer 2 auf dem Gelände des ehemaligen KZ als Online-Totenbuch im Internet veröffentlicht.

7056 der nach sowjetischen Quellen insgesamt 7113 Opfer seien mit Namen genannt, sagte die Historikerin Julia Landau am Donnerstag. Für etwa ein Drittel der Toten des von 1945 bis 1950 bestehenden Lagers sei nach aufwendigen Recherchen auch der Geburtsort aufgeführt.

Die DDR habe die Geschichte Buchenwalds als Speziallager systematisch totgeschwiegen, sagte Stiftungsdirektor Volkhard Knigge. Dass es für deutsche und internationale Forscher in den 1990er-Jahren möglich gewesen sei, in sowjetischen und russischen Archiven zu arbeiten, sei glücklichen politischen Umständen zu verdanken gewesen. Unter dem aktuellen russischen Präsidenten Wladimir Putin sei eine vergleichbare Aufarbeitung kaum vorstellbar.

Auf dem Gelände waren zwischen August 1945 und Februar 1950 mehr als 28.000 Menschen unter unmenschlichen Bedingungen eingesperrt - viele von ihnen, weil sie im NS-Regime Funktionen innehatten, andere, weil sie denunziert worden waren, obwohl sie keine unmittelbaren Verbindungen zum NS-Apparat hatten.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Historikern zufolge waren etwa drei Viertel der Häftlinge in das NS-System verstrickt. Im Gegensatz zur Praxis der Westalliierten wurden vor allem Zivilisten ohne Prüfung der individuellen Schuld interniert.


Kommentieren