Fußballer, die gerne nähen

Seit einem Jahr dürfen auch Buben die fast 325 Jahre alte Ursulinenschule besuchen. Ein voller Erfolg, eine reine Mädchenklasse wird es nicht mehr geben.

Während die eine Hälfte der Klasse 1D im Wirtschaftskundlichen Realgymnasium der Ursulinen an Insektenhotels schraubt und sägt, basteln Michael Kovacevic (11) und die anderen Klassenkameraden an der Nähmaschine Stofffrisbees für die Sommerferien.
© Julia Hammerle

Von Deborah Darnhofer

Innsbruck –Der Sohn an einer Nähmaschine, das kam für einen Vater nicht in Frage. Deshalb ging er in die Sprechstunde von Lehrerin Christine Kaindl. „Doch die Buben mögen auch nähen“, sagt Kaindl. Beim Besuch der Klasse 1D des Wirtschaftkundlichen Realgymnasiums der Ursulinen in Innsbruck wird das deutlich.

Seit 1691 gibt es die Ursulinenschule bereits, im nächsten Jahr wird das 325-Jahr-Jubiläum gefeiert. Erst seit einem Jahr dürfen aber auch Buben das privat geführte Gymnasium besuchen. „Es war sicher die richtige Entscheidung“, sagt Direktor Georg Klammer.

Derzeit stehen in den ersten Klassen 35 Buben 100 Mädchen gegenüber. Der Unterricht wird „geschlechtssensibler“ gestaltet. Die Klischees bröckeln. Werken und eben auch Nähen stünden am Lehrplan. Maximilian Attlmayr (11) hat jetzt sogar eine Nähmaschine zuhause, er teilt sie mit seiner Schwester. „Mir gefällt es sehr gut in der Schule“, sagt er. In der Hand hält der Schüler ein Frisbee – „für die Sommerferien“. Seine Klassenkameraden sind mit Eifer und Freude beim Nähen. Für Michael Kovacevic sei das „kein Problem“, Josef Lackner findet „nichts Besonderes“ daran. Die Mehrheit der Eltern (75 %) seien auch zufrieden, berichtet Klammer, das habe eine Umfrage ergeben.

Im nächsten Jahr werden noch mehr Jungen die Schule besuchen: „Insgesamt sind es dann 40 Prozent.“ Erstmals in der Geschichte der Ursulinen wird es in der ersten Schulstufe keine reine Mädchenklasse mehr geben. Und was sagen die Schülerinnen dazu? Die elfjährige Hannah Gressl findet es „cool. Manchmal ist es zwar schon nervig. Im Unterricht sag’ ich dann, dass sie still sein sollen. Aber mit nur Mädchen gibt es viel weniger Action.“ Das sehen übrigens auch die Lehrer so. Es sei durch die Buben schon lauter und lebendiger geworden, meint Kaindl. Die anfänglichen Befürchtungen hätten sich aber in Luft aufgelöst. „Wir wachsen mit.“

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Im Sommer 2016 soll die Schule erweitert werden. „Wir errichten einen Fußballplatz“, erzählt Klammer. Denn die Buben haben zwar flinke Finger an der Nähmaschine. Wenn die Pausenglocke läutet, bekommen sie aber flinke Beine: Fußballspielen ist ihre Leidenschaft.


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